Aufwendiger Umbau Havelberg: Architekten verlieben sich in altes Fischerhaus

Neues Leben für das Fischerhus in Havelberg: Zwei Architekten aus Berlin haben sich in das 250 Jahre alte Schmuckstück am Havelufer verliebt und sanieren es aufwendig. Künftig soll dort eine Pension für Radler und Kanuten entstehen.

Mörteleimer vor einem Fachwerkhaus
Das Fischerhaus in Havelberg wird aufwendig saniert. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Ein Spaziergang zur Bundesgartenschau 2015 in Havelberg war der Auslöser. Das Berliner Architektenpaar Mira Dih und Christian Geyer war fasziniert von einem verlassenen Grundstück am Havelufer. Jetzt sind sie dabei, das fast 250 Jahre alte Fachwerkhaus zur Pension für Radler und Kanuten auszubauen.

Der spätbarocke Fachwerkbau aus dem Jahr 1775 stand rund 30 Jahre leer. Doch die Berliner konnten es nicht mit ansehen, wie das Baudenkmal nach und nach zerfiel. Es war bereits zum Abriss freigegeben.

Neues Leben für heruntergekommenes Anwesen

"Wir waren begeistert von der Lage unterhalb des Domes vor dem sonnigen Weinberg und direkt am Ufer der Havel", schwärmt die Architektin. "Vielleicht auch etwas naiv, haben wir uns entschlossen, das heruntergekommene Anwesen mit neuem Leben zu erfüllen. Nun sind wir mittendrin. Die Fassade ist bereits saniert, und eines Tages werden wir hier in vier Gästezimmern Touristen empfangen und die einzigartige Lage und Aussicht gemeinsam genießen."

Havelberger Fischerhus bekommt neues Leben

Mörteleimer vor einem Fachwerkhaus
Für das alte Fischerhus in Havelberg gibt es eine Zukunft. Ein Architektenpaar aus Berlin investiert in das Fachwerkhaus am Havelufer. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mörteleimer vor einem Fachwerkhaus
Für das alte Fischerhus in Havelberg gibt es eine Zukunft. Ein Architektenpaar aus Berlin investiert in das Fachwerkhaus am Havelufer. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Zwei Männr und zwei Frauen schauen sich staunend die Decke eines im Umbau befindlichen alten Hauses an
Mira Dih und Christian Geyer verliebten sich in das rund 250 Jahre alte Schmuckstück, als sie die Region 2015 zur Buga besucht haben. Hier zeigt die Architektin (li.) den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Eine Frau steht mit zwei Männern vor einem Fachwerkhaus und erklärt etwas.
Landrat Carsten Wulfänger und Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski (v.l.) erfahren mehr über die neu ausgebauten Lehmgefache. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Bauplan für Fachwerkhaus
Künftig soll in dem barocken Fischerhus eine Pension für Radler und Kanuten untergebracht werden. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Blick auf die Havel, auf der ein Motorboot unterwegs ist
Ideal bei der Lage direkt am Havelufer. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
geöffnete Zwischendecke und sanierungsbedürftige Wände
Die Sanierung soll möglichst originalgetreu erfolgen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Schutzbrille hängt an Haken einer alten Tür
Alte Details des Hauses sollen erhalten bleiben. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Schilf und Steine liegen auf Dachboden, der ausgebaut wird
Gedämmt wird mit natürlichem Material. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Handschuhe, Werkzeug und Farbdosen auf einem Tisch
Die Berliner rechnen damit, in einem Jahr fertig zu sein. Dann wollen sie selbst in das Fischerhus einziehen und und die Pension eröffnen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Unruhe aus Muscheln hängt an einer Wand, davor steht ein Fahrrad.
Fundstück bei den Bauarbeiten: Dieses kleine Kunstwerk aus Havelmuscheln könnte künftig den Frühstücksraum zieren.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. November 2019 | 08:40 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Historisches Haus mit Blick auf die Havel

Mit viel Holz, Lehm, Stroh und Ziegeln richten Handwerker das alte Fischerhus her. Die mit Stroh umwickelten Staken für historische Gefache wurden selbst hergestellt. Behutsam tauschen die Bauleute aus, was nicht mehr zu retten ist. Beim Blick durch die Butzenfenster können sie den Blick auf die Havel genießen, wo einst der Fischer sein Brot verdiente. Die Bauherren haben ein altes Netz und sogar ein kleines Kunstwerk aus Havelmuscheln auf dem Grundstück gefunden. Sie könnten künftig vielleicht den Frühstücksraum zieren.

In Havelberg treffen sich sechs überregionale Radwege. Der Elberadweg und der Havelradweg sind vor der Tür. Und auch Bootstouristen können künftig bei uns anlegen. Dann haben sie nur ein paar Schritte bis zu ihrer Unterkunft.

Mira Dih, Architektin aus Berlin

Bürgermeister Bernd Poloski gratuliert den Investoren zu ihrer Entscheidung: "Die Weinbergstraße ist ein Sahnestück in Havelberg. Ich bin froh, dass die beiden nicht nur den Terrassengarten und die Laube an der Havel für sich privat nutzen wollen, sondern auch mutig genug sind, das alte Haus zu retten. Es ist ein Glück für die Stadt."

Projekt ist Gewinn für die Region

Normalerweise beschäftigen sich die beiden Architekten mit Geschäftsgebäuden, Flughäfen oder Studios. Das Fischerhus fordert sie nicht minder heraus. Im Gegenteil. Bislang gehen sie von Kosten in Höhe von 350.000 Euro aus. Mit Fördermitteln aus den Programmen Leader und Landaufschwung soll es gelingen.

"Wir unterstützten das Vorhaben gern", sagt Stendals Landrat Carsten Wulfänger. "Uns geht es darum, Leerstand zu beseitigen und für die Region etwas Attraktives zu schaffen. Die beiden Berliner beleben das alte Haus. Die gesamte historische Häuserzeile hat es verdient."

Mindestens ein Jahr werden Mira Dih und ihr Partner noch brauchen, bis sie selbst und erste Gäste in das Fischerhus einziehen können. Die junge Architektin gibt zu, dass sie sich eine Riesenaufgabe aufgehalst haben. Sie sagt aber auch:

Ich bin froh, dass wir es gewagt haben. Früher wusste ich nicht einmal wo Havelberg liegt. Nur gut, dass es hier die Bundesgartenschau gab.

Mira Dih, Architektin aus Berlin

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. November 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 15:48 Uhr

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