Haus soll geschlossen werden Demo ohne große Hoffnung: Havelberg kämpft um sein Krankenhaus

In Havelberg sind die Menschen für den Erhalt des Krankenhauses auf die Straße gegangen. Große Hoffnung besteht aber nicht mehr. Landrat Puhlmann sieht bis Ende September keine Lösung für die Situation. Wichtig sei auch die Versorgung nach der Schließung.

Demonstranten stehen mit einigen Schildern auf einem Platz in Havelberg.
Die Demonstranten kämpfen für den Verbleib des Krankenhauses in Havelberg. Auch haben sie Angst vor der Zeit danach. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

In Havelberg haben am Donnerstag zahlreiche Menschen für den Erhalt des Krankenhauses in ihrer Stadt demonstriert. Landrat Patrick Puhlmann (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Rande der Demo, dass er im Moment keine Lösung sieht. Dabei drängt die Zeit: Um einen neuen Träger zu finden, ist nur noch bis 30. Juni Zeit.

Eigentlich sollte das Krankenhaus in Havelberg schon zum 1. April diesen Jahres geschlossen werden. Wird bis Ende Juni kein neuer Träger gefunden, wird es voraussichtlich ab Oktober keine medizinische Versorgung in einem Krankenhaus in Havelberg geben. "Vielleicht passiert noch ein Wunder", sagte Puhlmann. Bislang habe man aber lediglich Zeit in dieser schwierigen Situation gewonnen – viel gebracht habe das jedoch noch nicht. "Gerade nach den intensiven Gesprächen in den letzten beiden Wochen sehe ich keine Lösung bis Ende September", sagte Puhlmann. Ziel des Landrats ist, dass das Krankenhaus genauso weiterbetrieben werden kann wie bisher.

Puhlmann wollte nichts ausschließen. Eine neue Möglichkeit zur Rettung des Krankenhauses sieht der Landrat aber nicht. Puhlmann stellte dennoch klar, dass das Thema Gesundheitsversorgung im Raum Havelberg weiter auf der Agenda stehen bleibt. Ob ambulant oder stationär – es müsse eine Lösung geben, um die Versorgung für die Region sicherzustellen, erklärte der Landrat.

Hoffnung und Skepsis für die Zukunft

Wulf Gallert, Landtagsabgeordneter der Linken, forderte am Donnerstag trotz der schlechten Aussichten ein Gesundheitszentrum in Havelberg "mit einem ambulanten und einem stationären Bereich". "Ich gebe meine Hoffnung nicht auf, dass wir es schaffen, so ein Gesundheitszentrum für Havelberg zu bekommen", sagte der Abgeordnete am Rande der Demonstration.

Ein gestellter Wagen mit einem Mann im Krankenbettt und einer gestellten Krankschwester vor ihm sowie der Aufschrift "Symbolisch stehen wir hier für unsere ländliche Region" auf einem Banner.
Die Demoteilnehmer versuchten mit verschiedenen Mitteln, auf das Dilemma aufmerksam zu machen. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Deutlich kritischer äußerte sich Krankenschwester Carola Schulze. Sie ist skeptisch, ob es überhaupt zu anderen Lösungen im Raum Havelberg für die medzinische Versorgung kommen wird. "Wir sind enttäuscht von der Politik und fühlen uns missbraucht, hintergangen und vorgeführt." Seit Anfang des Jahres sei den Menschen gesagt worden, sie müssten um das Krankenhaus kämpfen. Doch von der Politik komme nichts, resignierte Schulze im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Für Havelberg ist unsere Hoffnung gleich Null. Wenn dieses Krankenhaus hier erst einmal weg ist, dann kommt hier auch nichts mehr.

Carola Schulze Krankenschwester am Klinikum Havelberg

Krankenhausschließung wegen roter Zahlen

Außenansicht des KMG-Krankenhauses in der Hansestadt Havelberg
Das KMG-Krankenhaus in Havelberg wird es ab Oktober wohl nicht mehr als solches geben. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Das Havelberger Krankenhaus dient der Grund- und Akutversorgung. Es beschäftigt 50 Mitarbeiter und hat 37 Betten. Jährlich werden etwa 2.000 Patienten ärztlich versorgt. Die Klinik wurde 2002 in den KMG-Klinik-Verbund Pritzwalk, Kyritz und Wittstock aufgenommen. Grund für die Schließung sind dem Klinikbetreiber KMG zufolge vor allem rote Zahlen. Diese schreibe das Haus bereits seit einigen Jahren. Gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT war im Januar von einem jährlichen Minus von 1,5 Millionen Euro die Rede – seit 2015. Auch seien Patientenzahlen und schwere medizinische Fälle zurückgegangen.

Der Konzern will das Klinikum jetzt in eine Pflegeeinrichtung umwandeln. Über die Pläne hatte der Konzern erstmals Anfang Januar informiert. Die Umbauarbeiten laufen bereits seit Anfang des Jahres.

Die Klinikgruppe KMG

Die Klinikgruppe KMG ist nach eigener Darstellung ein Gesundheitskonzern mit Standorten im Nordosten und in der Mitte Deutschlands und verfügt über insgesamt 3.400 Betten. Das Unternehmen ist 1991 gegründet worden und baut laut eigenen Angaben auf der 100-jährigen Tradition des Kur- und Klinikbetriebes in Bad Wilsnack im Land Brandenburg auf.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 25. Juni 2020 | 12:30 Uhr

4 Kommentare

Haller vor 22 Wochen

Braucht die Elite nicht und sollte tatsächlich mal eine echte Seuche mit täglich Hunderten Verstorbenen im Einzugsgebiet des Krankenhaus Havelberg dann sind die Besten längst auf ihrer Hacienda in Argentinien.

Frank von Broeckel vor 22 Wochen

Die Zusammenlegung von kleineren Krankenhäusern ist grundsätzlich völlig richtig!

Denn woher sollen wir denn zukünftig die für diese vielen kleinen Kliniken benötigten vielen Fachärzte, Krankenpflegerinnen usw denn zukünftig herbekommen?

Nein, die legendären syrischen Ärzte werden von den Syrern innerhalb und außerhalb Syriens wirklich SEHR viel dringender benötigt, als nun ausgerechnet hier in Deutschland!

Rotti vor 22 Wochen

Schuld an der ganzen Misere hat das SPD Sozialministerium. Wer dem Betreiber einen so glatten Umstieg in den profitablen Pflegebereich verschaffte gehört vor Gericht gestellt. Der SPD Landrat Puhlmann stiehlt mit seinem Rumgeeiere den Menschen nur Lebenszeit. Wäre er ein Macher, dann hätte er einen Plan.

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