Familienbetrieb Kiebitzberg-Werft Emissionsfrei und gefragt: Schiffe aus Havelberg für Berlin

Berlin und seine Besucher können sich auf zwei neue Fahrgastschiffe freuen. Sie bieten Platz für jeweils 180 Passagiere und werden derzeit auf der Kiebitzberg-Schiffswerft in Havelberg gebaut. Das Besondere: Die Schiffe werden völlig abgasfrei mit Elektroantrieb durch die Hauptstadt fahren.

Großes neues Schiff auf dem Trockendeck
Das Elektroschiff ist in Weiß und Silber gehalten. Dabei wurde das Äußere mit Folie geklebt und nicht gestrichen. So dampfen während der Verarbeitung weniger Gase aus. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die Kiebitzberg-Werft in Havelberg hat sich mit außergewöhnlichen Schiffen einen Namen gemacht. Sie baute schon einen stilisierten Raddampfer oder ein Ausflugsschiff für den kasachischen Präsidenten. Auch Hausboote, Forschungsschiffe und eine schwimmende Sauna wurden bereits in der Werft im Norden des Landes gefertigt.

Nun soll ein weiteres zukunftsweisendes Havelberger Unikat hinzukommen. Es ist fast 37 Meter lang, sieben Meter breit und metallic glänzend: ein Katamaran mit zwei Kielen und komplett aus leichtem Aluminium. Zurzeit wird das Schiff, das mehr als zwei Millionen Euro kostet, auf der Betonplattform am Havelkai vollendet.

Abgasfrei durch Elektroantrieb

Das Besondere: Das Schiff fährt völlig abgasfrei. Betrieben wird es durch ein Elektroantriebssystem, sagt Florian Lewerken vom Kiebitzberg-Schiffbaubetrieb. Eine 550-Volt-Elektroanlage mit zwei Doppelmotoren treibe das Schiff komplett emissionsfrei an. Dabei komme die Energie für das Bordnetz direkt von der Sonne über eine Solaranlage. Für die Antriebe werde es dann nachts mit grünem Strom aufgeladen.

Schon vor 15 Jahren hätten die Havelberger begonnen, Elektroantriebe in ihren Schiffen zu erproben, sagt Werftleiter Andreas Lewerken. In dem Familienbetrieb habe man sich schon früh gesagt, man wolle vom Dieselmotor weg, längst bevor es politisch aktuell war.

Havelberger bauen Elektroschiffe für Berliner Reederei

Entwurf Fahrgastsschiff mit Solardach auf Wasser
Entwurf für das Havelberger Schiff, das mit reinem Elektroantrieb bis zu 180 Passagiere befördern kann. Bildrechte: Kiebitzberg-Schiffswerft
Entwurf Fahrgastsschiff mit Solardach auf Wasser
Entwurf für das Havelberger Schiff, das mit reinem Elektroantrieb bis zu 180 Passagiere befördern kann. Bildrechte: Kiebitzberg-Schiffswerft
Großes neues Schiff auf dem Trockendeck
Das Elektroschiff ist in Weiß und Silber gehalten. Dabei wurde das Äußere mit Folie geklebt und nicht gestrichen. So dampfen während der Verarbeitung weniger Gase aus, und Folie lässt sich leicht wieder abziehen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Schiffsschraube eines großen Schiffs auf dem Trockendeck
Das 37 Meter lange Schiff lässt sich um 360 Grad drehen. Die Propeller helfen dabei. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Männer neben großem neuen Schiff auf dem Trockendeck
Andreas und Florian Lewerken sind stolz auf ihr innovatives Schiff. Schon seit Jahren erproben sie Elektroantriebe in ihren Schiffen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Solardach eines großen Schiffs an der Havel in Havelberg
Auf dem Dach des neuen Schiffes befindet sich die Solaranlage, mit der das Bordnetz betrieben wird. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Entwurf Fahrgastsschiff auf Wasser
Künftig sollen zwei dieser Fahrgastschiffe Berlin-Besucher durch die Gegend schippern.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Oktober 2019 | 09:30 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: Kiebitzberg-Schiffswerft
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Zwei Ausflugsschiffe für Berlin

Das Fahrgastschiff mit Solardach und ganz viel Glasflächen wird umgerechnet die Energie von 52 Tesla-Elektroautos an Bord haben, erklärt Lewerken Senior. In Weiß und Silber wird es 180 Passagiere durch Berlin schippern: zu Rundfahrten, Tagungen oder Festen.

Das Elektroschiff sei zwar kein Ganzjahresschiff, aber bei den aktuellen klimatischen Verhältnissen werde es mit Sicherheit noch in der Weihnachtszeit fahren können, so der Werftleiter.

Wir sind wirklich stolz darauf. Wenn ich in Berlin bin und sehe zufällig den 'Fliegenden Holländer' an mir vorbeischwimmen, der ja auch hier aus Havelberg kommt, da schlägt einem das Herz immer höher.

Florian Lewerken

Der Stapelhub sei für den 22. Oktober geplant, so Lewerken. Dann geht es ins Wasser. Mitte November soll das Schiff dann auf der Havel Richtung Berlin aufbrechen. Gesucht würden noch Steckdosen, an denen es unterwegs aufgeladen werden kann. Folgen wird übrigens noch ein weiteres Schiff gleicher Bauart. Daran wird aber noch in einer anderen Halle gebaut.

Schiffbau in Havelberg

Die Havelberger Unternehmerfamilie Lewerken hatte die Schiffswerft 1998 aus dem Konkurs übernommen. Das Unternehmen knüpfte damit an eine 300 Jahre alte Schiffbau-Geschichte in der Stadt an. Zur Kiebitzberg-Gruppe gehören auch ein Unternehmen zur Verarbeitung von Mineralwerkstoffen in der Innenarchitektur sowie eine Werkstatt für den Möbel- und Innenausbau. Die Gruppe hat rund 100 Beschäftigte.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Oktober 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 10:45 Uhr

10 Kommentare

Eulenspiegel vor 7 Wochen

Hallo Silvio
Das stimmt nicht die Schneisen müssen nicht frei gehalten werden. Dort dürfen zwar nur noch Büsche bis zu einer bestimmten Höhe Wachsen aber sie müsse nicht frei gehalten werden.
Das ist doch genau was ich sage. Sie nehmen zwar Anstoß daran das da zu einen geringen Teil Lebensmittel zur Energiegewinnung genutzt werden. Aber das tun sie aus rein ideologischen Gründen. Die Lebensmittel sind ihnen dabei im Grunde scheiß egal.
Weiter die Kernenergie spielt praktisch keine Rolle mehr. Somit geht es um den Kohleausstieg. Und die Kohle hat heute einen Anteil von etwa 35 % Und der Kohleartig ist nicht Morgen

der_Silvio vor 7 Wochen

Und mehr als die Hälfte des derzeit erzeugten Stromes kommt von Kohle, Öl, Gas und AKW's.
Das soll wegfallen während zugleich der Strombedarf durch e–Mobilität steigt.
Daher ist die Warnung vor einer instabilen Versorgungssicherheit nicht aus der Luft gegriffen.

der_Silvio vor 7 Wochen

Die Schneisen werden nicht geschnitten sondern gerodet und müssen freigehalten werden.
Was hat die Lebensmittelproduktion hiermit zu tun? Lebensmittelverschwendung ist eine Schweinerei, nur um das klarzustellen

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