Unterrichtsausfall Havelberger Schüler mit Flyer auf Lehrersuche

In Havelberg nehmen Schüler der Sekundarschule "Am Weinberg" das Problem Lehrermangel selbst in die Hand. Mit einem selbst erstellten Flyer suchen sie dringend neue Lehrer für ihre Schule. Das Faltblatt soll künftig an Universitäten für die Domstadt am Wasser werben. In Havelberg kommt die Idee gut an.

Schüler halten einen Banner in den Händen, auf dem steht: Wo sind unsere Lehrer?
Größte Sorge der 7a: "Wo sind unsere Lehrer?" Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Mit einer ungewöhnlichen Idee wollen Havelberger Schüler selbst etwas gegen den Lehrermangel an ihrer Schule unternehmen. Sie wollen einen Flyer erstellen, um bundesweit für neue Lehrer zu werben.

Zu der unkonventionellen Werbemaßnahme kam es, weil in der Klasse 7a der Sekundarschule "Am Weinberg" nahezu täglich die sechste Stunde ausfällt. Das habe die Schüler interessiert und sie hätten sich gefragt, woran es liegt, dass Havelberg so wenig Lehrer hat und warum Unterricht zusammengelegt werden müsse, sagt Klassenlehrerin Ute Seemann.

Werbung an Universitäten

Auch weil die Schüler den Stundenausfall leid sind, haben sie das Problem schließlich selbst in die Hand genommen. Aktuell sammeln sie Fotos und entwerfen ein Konzept für ihren Flyer. Der soll dann zum Beispiel an Universitäten ausgelegt werden und für einen Job als Lehrer in Havelberg werben.

Idee kommt gut an

Die Idee mit dem Flyer kommt auch in Havelberg gut an. Eltern und Havelberger Wohnungsbauunternehmen haben ihre Unterstützung zugesagt. Und die Stadtverwaltung will den Schülern mit ihren Fachleuten beim Produzieren des Flyers helfen. Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski ist beeindruckt: Er halte es für bemerkenswert, dass die Schüler selbst die Initiative ergreifen und nicht etwa das Lehrerkollektiv oder der Stadtrat.

Bernd Poloski (parteilos), Bürgermeister Havelberg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jeder Versuch ist ungeheuer wichtig. Wenn man nicht für sich wirbt, wird auch niemand kommen.

Bernd Poloski, Bürgermeister von Havelberg

Warum das Projekt mit dem Faltblatt so wichtig ist, erklärt Klassensprecherin Noelia. So soll die Klasse künftig aufgeteilt werden und dafür brauche man schließlich Lehrer. Ihre Lehrer jetzt hätten allerdings alle Stunden zugeplant. Für potenzielle Lehrkräfte fügt die Schülerin noch hinzu, was Havelberg alles zu bieten hat. Stadt und Landschaft seien einfach wunderschön.

Es geht ja letztendlich auf uns zurück, wenn uns diese Stunden fehlen.

Noelia, Klassensprecherin

Bei dem Projekt werden die Siebtklässler von ihrer Klassenlehrerin unterstützt. Nachdem etliche Kollegen in Rente gegangen und keine neuen Kollegen gefolgt seien, brauche die Schule in Havelberg dingend Verstärkung für das Lehrerteam, erklärt Ute Seemann.

Wir brauchen Nachwuchs. Unbedingt. Und so schnell wie möglich. Wir würden auch sofort jemanden nehmen. Quereinsteiger sind auch willkommen. Wir haben im Moment nur noch 80 Prozent Auslastung und können nicht mehr alles unterrichten, was wir möchten.

Ute Seemann, Klassenlehrerin

Für Lehrer, die die Einladung der Havelberger Kinder annehmen oder zumindest ausprobieren möchten, will die Stadt für den Anfang Gästewohnungen zur Verfügung stellen. Auch dieses Angebot kommt mit auf den Flyer.

Erste Bewerbung nach Radiobeitrag

Übrigens zeigte das Schülerprojekt schon einen Tag, nachdem MDR SACHSEN-ANHALT darüber im Radio berichtet hatte, Erfolg. Wie der stellvertretende Schulleiter Ulrich Gruber per Telefon mitteilte, hat sich bereits eine studierte Seiteneinsteigerin auf eine Lehrerstelle an der Havelberger Schule beworben. "Das ist wirklich eine tolle Geschichte", findet Gruber.

Sachsen-Anhalt fehlen 600 Lehrer

Erst am Dienstag hatte Bildungsminister Marco Tullner die aktuellen Zahlen zum Lehrermangel bekanntgegeben. Demnach fehlen in Sachsen-Anhalt 600 Lehrer. Insgesamt will das Land mehr als 850 neue Lehrer einstellen. Die fünfte Ausschreibungsrunde in diesem Jahr läuft bis zum 27. November.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. November 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 15:53 Uhr

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