Fünfteilige Reihe Sommer am Kanal: Unterwegs am und auf dem Elbe-Havel-Kanal

André Strobel
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Er ist 55 Kilometer lang und neben dem Mittellandkanal die wichtigste Binnenschifffahrtsstraße Deutschlands. Über ihn gelangt man vom Ruhrgebiet bis nach Berlin, Tausende Frachter und Sportboote befahren ihn. Er ist Heimat für Skipper, Sportler, Polizei – sie alle leben oder arbeiten auf oder am Elbe-Havel-Kanal. MDR SACHSEN-ANHALT war eine Woche lang an der viel befahrenen Wasserstraße unterwegs – und hat viele interessante Begegnungen gehabt.

Martin Schniebert am Steuer seines Kahns MS Marcel
Martin Schniebert am Steuer seines Kahns "MS Marcel". Vor ihm Monitore mit Sonar, Karte, Tiefenmesser. Bildrechte: MDR/André Strobel

Martin Schniebert startet den Motor, die 800 PS-Maschine rattert los und Ehefrau Helga macht die Leinen los. Ein Tag auf dem Transportschiff "MS Marcel" beginnt. Martin und Helga Schniebert sind auf dem Weg nach Berlin – in Elbe-Parey bei Genthin haben sie 900 Tonnen Kies geladen. Zweimal pro Woche fahren sie die Strecke Berlin-Elbe-Parey, das "Kies-Pendel" nennen die beiden das.

Das "Kies-Pendel" auf dem Elbe-Havel-Kanal

Das Ehepaar ist auf Deck ein eingespieltes Team. Martin ist 68 Jahre alt, seine Frau Helga 63, seit mehr als 20 Jahren sind sie gemeinsam auf den Flüssen Deutschlands unterwegs. Während der Kapitän oben in seinem Führerhaus sitzt, vor ihm unzählige Monitore und Anzeigen, ist Helga auf dem Kahn unterwegs.

Ich fahre auch selbst sehr gerne, bin ja auch ausgebildete Steuerfrau. Ich mag es aber mehr hier draußen zu sein, während mein Mann dort oben das Schiff lenkt. Nur im Winter kann es auch mal sehr ungemütlich werden. Dann ist es manchmal sehr glatt auf Deck.

Helga Schniebert

Blick vom Schiff auf den Elbe-Havel-Kanal
900 Tonnen Kies kann die "MS Marcel" maximal laden. Bildrechte: MDR/André Strobel

Romantik auf dem Kanal

Der Elbe-Havel-Kanal ist ihr zweites Zuhause, denn sie sind jede Woche hier unterwegs. An den Wochenenden fahren sie in ihr Haus, das nördlich von Berlin steht. Und so haben sich die beiden auch sehr gemütlich unter Deck eine kleine Wohnung eingerichtet. Helga bereitet gerade das Mittagessen zu, es gibt Schmorgurken mit Kartoffeln, da kommt sie ins Plaudern.

Helga Schniebert am Steuer seines Kahns MS Marcel
Auch Helga Schniebert fährt das Binnenschiff ab und an. Bildrechte: MDR/André Strobel

Es ist ein schönes Leben hier auf dem Wasser. Und ab und zu auch romantisch. Wir machen uns was zu essen, setzen uns dann oben auf Deck, machen eine Kerze an und gucken über das Wasser. Das ist sehr schön.

Helga Schniebert

Während Helga das erzählt, sitzt Martin Schniebert oben und steuert den 67 Meter langen Kahn, den er schon 1993 erworben hat, mit viel Fingerspitzengefühl. Er kommt aus einer Schifferfamilie, ist mit alledem aufgewachsen – er kennt den Rhythmus auf dem Wasser. Etwas anderes kam für ihn nie so richtig in Frage.

Ich bin kein Seebär, eher einen Binnenseebär. Das trifft eher zu. Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.

Martin Schniebert

Obwohl das Schiff nur knapp zehn Kilometer pro Stunde fährt, geht alles sehr schnell. Rechts und links fliegen Häusersiedlungen vorbei, man sieht große Werke und Schornsteine, Industrieruinen, kleine Häfen, Radfahrer, auf dem gut ausgebauten Weg entlang des Kanals. Viel ist hier passiert seit 2000, denn der Elbe-Havel-Kanal wurde umfassend saniert. Was auffällt: Immer wieder sieht man viele Sportboote, eher weniger zur Freude von Martin Schniebert, der einiges zu berichten hat von seinen Touren.

Die kleinen Sportboote sind unberechenbar und es werden immer mehr. Da muss man echt vorsichtig sein. Ich finde das auch alles nicht gut, denn wir – die Profis – müssen die ganze Zeit aufpassen. Das wäre ein bisschen so, wie wenn Radfahrer auf der Autobahn unterwegs sind und die Lkw-Fahrer sollen aufpassen, dass sie niemanden umfahren.

Martin Schniebert

Einen schlimmen Unfall hatte Martin Schniebert zum Glück noch nie und er hofft auch, dass es dabei bleibt.

Ende des Kanals – rein in die Brandenburger Seen

An der Schleuse im Brandenburgischen Wusterwitz ist die Reise auf dem Elbe-Havel-Kanal fast zu Ende. Nur noch wenige Kilometer, dann beginnen die Seen. Martin und Helga Schniebert wissen nicht, wie lange sie noch als Binnenschifferpaar unterwegs sein werden. Ein wenig Geld möchten sie noch verdienen, den Kahn verkaufen und dann ihren Lebensabend genießen.

Fünfteilige Serie "Sommer am Kanal" bei SACHSEN-ANHALT HEUTE

Martin und Helga Schniebert sind nur zwei von ganz vielen interessanten Menschen, die ein MDR-Kamerateam am Elbe-Havel-Kanal gefunden und begleitet hat. "Sommer am Kanal" heißt die Serie, die bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE am 3. August 2020 um 19 Uhr startet. Moderator Sascha Fröhlich ist ebenfalls am Elbe-Havel-Kanal unterwegs, auf dem Fahrrad. Das sehen Sie dann am 8. August ab 16 Uhr bei MDR vor Ort.

Blick vom Schiff auf den Elbe-Havel-Kanal
Der Blick vom Schiff auf den Elbe-Havel-Kanal Bildrechte: MDR/André Strobel
André Strobel
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor André Strobel wurde 1984 in Schönebeck geboren, aufgewachsen ist er in Barby an der Elbe. Seit 2010 arbeitet er für MDR SACHSEN-ANHALT, wo er vor allem über Kultur, Gesellschaft und Sport berichtet. Neben seinen Berichten für Fernsehen und Online arbeitet er hin und wieder auf für MDR-Redaktionen in Leipzig. Bevor Strobel zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat er in Hamburg Angewandte Medienwirtschaft studiert – und in dieser Zeit viele Praktika gemacht, unter anderem bei Sport1 (damals doch DSF), RTL Nord und sportdigital.tv. Anschließend hat bei einer Münchner TV-Produktionsfirma volontiert. Mag das Wandern im Harz, die Abgeschiedenheit der Altmark und ist besonders großer Fan der Elbauen – vor allem in seiner Heimatstadt Barby.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. August 2020 | 19:00 Uhr

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