Kopfstein oder Asphaltpiste? Nach Hochwasser: Fischbeck streitet über Straßenneubau

Der Steuerzahlerbund hat in seinem aktuellen Schwarzbuch eine Straßensanierung in Fischbeck als Steuersünde angeprangert. Nun ist über die Erneuerung der alten Fährstraße ein Streit entbrannt. Statt einer einfachen Asphaltstraße wollen traditionsbewusste Bürger die sogenannten Katzenkopf-Pflastersteine erhalten. Damit würde die notwendige Komplettsanierung der Straße allerdings noch teurer werden.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

Kopfsteinpflasterstraße im Grünen.
Bauexperten sind überzeugt: Die Straße muss komplett neu aufgebaut werden. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die Fährstraße in Fischbeck ist berühmt. Beim Hochwasser 2013 führte sie zu jener Stelle an der Elbe, wo schließlich der Deich brach. Jahrhunderte zuvor war die alte Handelsstraße die Verbindung über den Fluss nach Tangermünde. Und heute ist sie zu einem Politikum geworden. Man ist uneins über ihre Sanierung.

Hochwasser hinterlässt Spuren

Kaputte Brücke an Dorfstraße.
Die Straße aus dem Mittelalter wurde tagelang von einem reißenden Strom über- und unterspült. Die Brücke kann nicht mehr repariert werden. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Während des Hochwassers rollten ungezählte Laster mit Sandsäcken über das historische Pflaster zum Deich. Doch er konnte nicht gerettet werden und brach. Die Einsatzkräfte konnten sich gerade noch über die Fährstraße retten. Tagelang wurde alles wie von einem Wasserfall über- und unterspült. Längst stehen aus dem Hochwasser-Sonderprogramm des Bundes die Mittel bereit, um die Straße zu sanieren. Nach einem ersten Gutachten sollte das knapp eine Million Euro kosten.

Kritik an Sanierungsplänen

Der Gemeinderat hatte dazu schon den Grundsatzbeschluss gefasst, wonach die Straße von Grund auf erneuert werden soll. Am wirtschaftlichsten erschien die Variante, die 1,2 Kilometer mit Asphalt und am Ende vor dem Deich mit Spurplatten zu belegen.

Plattenweg in Wald.
Das wäre eine Variante: Spurplatten. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Das jedoch treibt traditionsbewusste Bürger auf den Plan. Sie wollen die sogenannten Katzenkopf-Pflastersteine erhalten, die der Straße seit Jahrhunderten ein Gesicht geben. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben sie den Steuerzahlerbund als Partner gewonnen. Der moniert daraufhin, dass der Neuaufbau der Straße viel zu teuer und außerdem unnötig sei. Es müsse genügen, das alte Kopfsteinpflaster auszubessern.

Experte: Straße muss komplett erneuert werden

Kopfsteinpflaster
Das historische Kopfsteinpflaster gibt der Straße ein unverwechselbares Gesicht. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die Vorwürfe aus Magdeburg haben der Diskussion über die Zukunft der Fährstraße neu entfacht. Für Bauexperten steht fest: Die uralte Straße stellenweise auszubessern, wäre Steuerverschwendung. Nach den Hochwasserschäden müsse sie von Grund auf erneuert werden. Bauamtsleiter Ulf Wabbel sagte, er kenne die Forderung der Pflasterstein-Anhänger. Er sei durchaus bereit, das Thema im Gemeinderat noch einmal zu besprechen. Natürlich sei es möglich, die sanierte Straße auch mit den alten Steinen zu pflastern. Allerdings würde das nochmals deutlich teurer werden. Außerdem würde sich die Sanierung der Straße damit erneut verzögern.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Dezember 2018 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2018, 10:34 Uhr

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4 Kommentare

02.12.2018 09:40 DiDi 4

Hallo Gert das hat mit 14.Jahrhundert nichts zu tun. Es gibt in dieser Gesellschaft nur noch das eine weg damit und neu. Ich komme aus diesem Beruf und hab es noch gelernt als Steinsetzer es hat jedes mal weh getan wenn man dieses weggerissen wurde. Es liegt in der Natur und dort sollte man es lassen hat auf jeden Fall jedes Hochwasser überstanden. Schwarzdecke o.Beton hält auf keinen Fall solange siehe Autobahn A14. Hat nicht mal 15 Jahre gehalten. Schnell schneller Chemie rein dann geht's schneller u.dann mit ausreden Betonkrebs es darf gelacht werden. Und wie gesagt die hält nochmal 200 Jahre

01.12.2018 16:22 jackblack 3

Ja Gert, aber die Kopfsteine halten HUNDERTE Jahre länger, ausbessern reicht.

01.12.2018 13:21 Stadtfreund 2

"Für Bauexperten steht fest: Die uralte Straße stellenweise auszubessern, wäre Steuerverschwendung."

Diese Heuchelei ist unerträglich. Das ist in etwa so wie für den Fleischer steht fest, dass eine vegetarische Ernährung schlecht für die Gesundheit ist.

Aber noch besser wäre es doch bestimmt, die Straße vierspurig auszubauen und die Deckschicht zu vergolden, da sind sich die Bauexperten sicherlich einig...

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