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Ein Uhu-Paar hat sich in einem Storchenhorst im Elb-Havel-Winkel niedergelassen. Es zieht bereits Junge auf. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Ansiedlung erfolgreich Uhu erobert Storchenhorst im Elb-Havel-Winkel

In einen Dorf im Landkreis Stendal verzückt eine ornithologische Seltenheit Einwohner und Vogelkundler. Erstmals nach hunderten Jahren hat sich ein Uhu-Paar angesiedelt und dabei eine Storchenfamilie vertrieben. Nataurschützer mussten den Störchen innerhalb eines Tages in der Nachbarschaft ein Ausweichquartier bauen. Der neue Nistplatz wurde von Anwohnern zur Verfügung gestellt.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

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Ein Uhu-Paar hat sich in einem Storchenhorst im Elb-Havel-Winkel niedergelassen. Es zieht bereits Junge auf. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die größte europäische Eule scheint den Elb-Havel-Winkel neu zu entdecken. Nach Nistversuchen in den Vorjahren ist das Glück in diesem Jahr perfekt. Das Uhu-Paar hat vermutlich schon zwei Jungtiere im Nest auf einem Schornstein. Dort schaut nur der Kopf des Muttertieres mit den markanten Federohren heraus. Ab und zu ist daneben ein Federknäuel zu sehen.

Genauer Nist-Standort soll unbekannt bleiben

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Naturschutzbeauftragter Manfred Kuhnert Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Der Naturschutzbeauftragte im Elb-Havel-Winkel, Manfred Kuhnert, spricht von einer doppelten Sensation. Eine erfolgreiche Uhu-Brut habe es im Landkreis Stendal und vermutlich in der gesamten Altmark seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben. Er empfehle, den Neuankömmling nicht zu stören und den genauen Standort nicht zu benennen. Allerdings nistet "Bubo Bubo" – so der lateinische Name – mitten in einer Siedlung. Und dort hat er sich mit einem Storchenhorst einen besonderen Nistplatz gesucht. Die angestammten Störche haben den Kürzeren gezogen.

"Die Ansiedlung ist spektakulär"

Der renommierte Tierfilmer und Freilandbiologe Wolfgang Lippert nennt das Geschehen spektakulär. In Schleswig-Holstein habe der Mensch Uhus ausgewildert und damit wieder angesiedelt. Da sei es nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis die Greifvögel auch die Auenlandschaft im Landkreis Stendal zurückerobern.

Da hat der Storch wohl Pech gehabt. Uhus sind nachtaktiv. Offenbar saß der seltene Eulenvogel schon auf dem Nest, als der Storch eintraf. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Ornithologe Wolfgang Lippert

Allerdings haben Tierschützer helfend eingegriffen. Innerhalb von 24 Stunden nach der feindlichen Übernahme wurde der Storchenfamilie auf einem Nachbarhaus eine "Ersatznisthilfe" errichtet. Vogelkenner Manfred Kuhnert berichtet, dass sich die Blitzaktion der Naturschutzbehörde des Landkreises Stendal, des Elbe-Biosphärenreservates und eines äußerst aufgeschlossenen Hausbesitzers gelohnt habe. Das neue Storchennest ist bereits bewohnt.

Uhu nistet im Landkreis Stendal

Im Landkreis Stendal nistet erstmals seit mehreren hundert Jahren wieder erfolgreich ein Uhu. Ein Paar hat sich in einem Storchenhorst im Elb-Havel-Winkel niedergelassen. Es zieht bereits Junge auf.

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Der Uhu hat Gefallen gefunden an dieser dünn besiedelten Landschaft mit Wiesen, Wäldern und Wasserläufen im Landkreis Stendal. Für die Wildgänse könnte die Rückkehr des Greifvogels allerdings gefährlich werden. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Der Uhu hat Gefallen gefunden an dieser dünn besiedelten Landschaft mit Wiesen, Wäldern und Wasserläufen im Landkreis Stendal. Für die Wildgänse könnte die Rückkehr des Greifvogels allerdings gefährlich werden. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Die Federohren sind das Markenzeichen  des Uhus.  Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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In dieser Region sind  bereits die seltenen Fischadler und sogar Seeadler zu Hause. Jetzt gesellt sich erstmals auch eine Uhufamilie zu ihnen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Die Havelberger Töpferei am Dom hat aufgrund mehrerer Anfragen einen lebensgroßen Uhu entworfen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Uhu-Fieber in der Havelberger Töpferei Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Dieses Uhu-Exemplar kann gefahrlos geknuddelt werden. Töpferin Ute Schröter ist glücklich über die Wiederkehr des Vogels der Weisheit.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04.05.2018 | 11:10 Uhr

Quelle: MDR/ahr
Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Manfred Kuhnert wurde vom Land als ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter mit besonderen Aufgaben berufen. Er hat das Uhupaar im Blick. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Mindestens ein Junges hat er ausgebrütet. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Unter dem Storchenhorst wohnt der Rentner Marius Elling. Er ist aus Holland in den Elb-Havel-Winkel gezogen. Als früherer Theaterdramaturg in Amsterdam kennt er sich mit spektakulärem Schauspiel aus. Beim Blick aus seinem Dachfester auf den Uhu im Storchennest jedoch gerät er ins Schwärmen.

Ein solches Bild hat vermutlich noch nie jemand gesehen. Es kamen schon Ornithologen von weither, die es nicht glauben wollten. Das ist phantastisch. Der Uhu ist ein sehr seltener Vogel. Er muss geschützt werden. Ich beobachte täglich, wie sich die Eulenfamilie entwickelt.

Marius Elling, Anwohner

Töpferei reagiert mit neuem Sortiment

Als Reaktion auf die Rückkehr des Uhus und zahlreiche Anfragen hat jetzt sogar eine Havelberger Töpferei ihr Sortiment erweitert. Sie fertigt kleine Eulen und lebensgroße Uhus, die inzwischen Gärten von Berlin bis Havelberg zieren.

Wissenswertes über den Uhu: Uhus können in Gefangenschaft bis zu 60 Jahre alt werden. Sie gelten als besonders standorttreu und sind die größten europäischen Eulenvögel. Ihre Flügelspanne kann gut 1,70 Meter erreichen. Im Volksmund wird der Uhu auch "König der Nacht" genannt. Er symbolisiert Weisheit. In Sachsen-Anhalt gibt es vermutlich etwas mehr als 30 Paare, die zum Beispiel in Steinbrüchen nisten. Die Anwohner des Storchennest-Uhus im Landkreis Stendal haben beobachtet, dass das Vatertier in der Dämmerung geschlagene Krähen, Hasen, Kaninchen und auch Fisch bringt.

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Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Mai 2018 | 11:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2018, 14:31 Uhr

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1 Kommentar

04.05.2018 17:08 AufmerksamerBeobachter 1

Das ist ja wirklich sensationell - aber ein richtiges Bild von so einem Uhu waere wohl angesichts der Tatsache, das es hier nur um diesen seltenen Uhu geht, nicht schlect gewesen, oder?

8-(