Auf einer Bank vor ihrer Unterkunft sitzen Flüchtlinge am 10.09.2015 während eines offiziellen Presserundgangs durch die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gieߟen.
Für ankommende Flüchtlinge richtet das Land Sachsen-Anhalt in Stendal eine neue Unterkunft ein (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt Land baut neue Erstaufnahmeeinrichtung in Stendal

Um weitere Flüchtlinge unterbringen zu können, bekommt das Land in Stendal eine neue Erstaufnahmeeinrichtung. Andere Unterkünfte sollen dafür schließen.

Auf einer Bank vor ihrer Unterkunft sitzen Flüchtlinge am 10.09.2015 während eines offiziellen Presserundgangs durch die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gieߟen.
Für ankommende Flüchtlinge richtet das Land Sachsen-Anhalt in Stendal eine neue Unterkunft ein (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Zur Unterbringung von Flüchtlingen will Sachsen-Anhalt in Stendal eine zweite Erstaufnahmeeinrichtung bauen. Das ist das Ergebnis des Kabinettsbeschlusses am Dienstag in Magdeburg, wie das Innenministerium MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte. Demnach soll die Einrichtung auf einem alten Bundeswehr-Gelände entstehen. Laut Planung soll sie fast so groß wie die derzeit einzige Erstaufnahmeeinrichtung Sachsen-Anhalts in Halberstadt werden und Platz für 1.000 ankommende Asylbewerber bieten. Der Bau soll im Jahr 2020 fertig sein.

Umbau kostet rund 30 Millionen Euro

Mit dem Umbau wird ein über Jahre bestehender Plan der Landesregierung umgesetzt. Innenminister Holger Stahlknecht sage MDR SACHSEN-ANHALT, der Umbau des Plattenbaus koste rund 30 Millionen Euro. Der Bund übernehme davon 23 Millionen Euro, den Rest trage das Land.

Man plant in Sachsen-Anhalt für Zugänge zwischen 6.000 bis 9.000 Asylbewerber, gekommen waren im vergangenen Jahr 3.444. Das ist die Prognose des Landes, wie Innenminister Holger Stahlknecht mitteilte. Zwar sind bundesweit viele Sammelunterkünfte nicht ausgelastet, Stahlknecht betonte jedoch, ein gewisser Spielraum sei immer nötig.

Man kann eine Erstaufnahmeeinrichtung, die möglicherweise 1.000 Plätze hat, nie zu 100 Prozent auslasten, weil es immer Ethnien gibt, die man in diesen Einrichtungen trennen muss.

Holger Stahlknecht, Innenminister

Zudem brauche man immer Schwankungsreserven. "Sie haben in einem Monat einen Zugang von 300 Flüchtlingen, im Nächsten einen mit 600 Personen", nannte der Minister als weiteren Grund.

Stahlknecht: Instabile Lage im Nahen Osten bedenken

Außerdem erinnerte Stahlknecht an die Situation vor drei Jahren, als das Land sehr schnell neue Plätze für Flüchtlinge brauchte: "Jedes Land ist jetzt gut beraten, solche Reservekapazitäten vorzuhalten. Immer in dem Wissen, dass wir im Nahen Osten eine instabile Lage haben, dass wir Menschen haben, die auf der Flucht sind, und man kann sich diesen Realitäten nicht verschließen."

Künftig soll es dann laut Ministerium nur zwei Erstaufnahmeeinrichtungen im Land geben: die neue in Stendal und die zentrale Anlaufstelle in Halberstadt. Andere Unterkünfte wie in Klietz und Magdeburg sollen dann wegfallen. Das sei auch wichtig für die Glaubwürdigkeit der Politik, sagte Stahlknecht. So habe man beispielsweise versprochen, dass manche Unterkünfte, wie die in der Breitscheidtstraße in Magdeburg, nur befristet seien. Diese Versprechen halte man jetzt.

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACSHEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Januar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 10:01 Uhr

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64 Kommentare

12.01.2018 14:25 Mediator an Grubenotter (62) 64

Vielleicht schlagen sie einfach einmal den Begriff 'Interkulturelle Kompetenz' nach. In vielen Konfliktgebieten aus denen Flüchtlinge zu uns kommen verlaufen die Konfliktlinien entlang ethnischer oder konfesioneller Grenzen. Da in Flüchtlingeeinrichtungen durch fehlende Privatsphäre, Langeweile, Angst um die Familie und Frust über unklare Zukunftsaussichten eh schon ein brisantes Klima herrscht, muss man dies nicht noch dadurch anheizen, Konfliktparteien aus dem Herkunftsland zusammen unterbringt.

Deutsche würden übrigens völlig identisch austicken, wenn man sie nur lange genug den gleichen Stressfaktoren aussetzt. Also sparen sie sich bitte ihre Polemik. Vielleicht schlagen sie bei der Gelegenheit auch einfach einmal das Zitat "wertvoller als Gold" nach statt sich hier über Dinge lustig zu machen die sie vermutlich nicht einmal kennen.

12.01.2018 12:05 Berlinerin 63

An alle "besorgten Bürger" die der Ansicht sind, dass Flüchtlinge dem deutschen Staat auf der Tasche liegen:
Das absolute Beschäftigungsverbot für Flüchtlinge beträgt 3 Monate. Nach 15 Monaten können sie auch ohne die sogenannte Vorrangprüfung eine Arbeit aufnehmen.Die Vorrangprüfung besagt, dass ein Asylbewerber nur dann beschäftigt werden darf, wenn kein Deutscher oder EU-Angehöriger den Job machen will. Das bedeutete in der Vergangen oftmals ein faktisches Arbeitsverbot.
Das bedeutet, selbst wenn ein Flüchtling sofort nach Ankunft in Deutschland arbeiten will, darf er das für einen bestimmten Zeitraum nicht.
M.E. ist es jedoch um einiges zweckmäßiger dass zunächst ein Deutschkurs besucht wird, eine Wohnung zur Verfügung gestellt wird, die Kinder einen KiTA-Platz haben oder auch eine Schule besuchen können.
Das sind die ersten wichtigen Schritte zur Integration.
Eine finanzielle Unterstützung ist doch gerechtfertigt.

12.01.2018 11:47 Grubenotter 62

Ethnien, die man trennen muss??? Komisch - ich dachte, die Toleranz und der unbedingte Wille zu einem friedlichen Miteinander sind bei unseren Menschen, die wertvoller sind als Gold, über jeden Zweifel erhaben. Warum muss dann separiert werden?

12.01.2018 10:49 Bernd L. 61

Manuel 60:
Unser Sozialstaat ist ein Solidarsystem wie eine (gute) Familie auch. Das heißt, man kommt für andere im Solidarsystem auf, wenn diese in Not geraten oder nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen, Das funktioniert nur und ist akzeptiert, wenn das System geschlossen ist. Also, für jeden in meiner Familie komme ich jederzeit auf, aber nicht für die Menschen im Nachbarhaus.
So ist das auch mit Migranten. Unsere Sozialsysteme sind für unsere Bürger und nicht für Migranten. Es ist wie mit der Familie, wir könnten gar nicht alle aufnehmen und es gibt auch keinen Grund dafür. Die Öffnung der Sozialsystem für Migranten zerstört etwas ganz Wichtiges in unserer Gesellschaft, den Solidargedanken.
Große Zahlen von Menschen ohne Qualifikation in Arbeit zu bringen ist bei uns unmöglich, wir haben auch keine moralische Pflicht, das bei Migranten zu tun.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Deutschland muss nicht "alle" aufnehmen. Das ist reiner Populismus. Die meisten Flüchtlinge bleiben in Asien oder Afrika. Und dass das Helfen von Schutzsuchenden, also soziales Handeln, das bestehende Sozialsystem zerstört, ist falsch und erinnert sehr stark an gängige NPD-Rhetorik.

12.01.2018 03:15 Manuel 60

@50 Bernd
"Ein durchschn. Migrant kostet uns 450 T Euro, ein durchschn. Bayer zahlen gewaltig in die Sozialkassen ein. Menschen ohne bei uns relevante berufliche Qualifikationen können kaum in Arbeit gebracht werden."
1.Ob nun Bayer,Niedersachse, Stendaler oder Magdeburger ist doch vollkommen egal. Fakt ist, dass es immer Menschen gibt die nicht in ein System einzahlen wollen oder können. Und denen wird geholfen. Das nennt man Sozialstaat!
2. 83TEUR Nettovermögen besitzt jeder in D lebende Erwachsene...im Durchschnitt. Sie, ich, der arbeitsscheue junge Erwachsene, der Banker...was sagt das also aus, wieviel ein durchn.Bayer irgendwo einzahlt?
3.Menschen mit geringer Quali.sind eine Herausforderung, vollkommen richtig. Das trifft aber auch auf Menschen zu, die hier in D geboren wurden und ebenfalls noch nie in irgendeine Sozialkasse eingezahlt haben! Was sollte man mit diesen Deutschen Ihrer Meinung nach machen? Verhungern lassen? Arbeitslager? Oder womöglich sogar helfen?

11.01.2018 20:59 Bernd L. 59

MDR-Redaktion:
Oje, oje: Geldausgaben an Personen, die nichts erarbeiten oder einzahlen, ohne Gegenleistung müssen von uns allen erarbeitet werden- das Geld können wir alle weniger ausgeben. Da die gekauften Waren aber an diese Personen gehen, ist das für die Erarbeitenden immer ein Verlustgeschäft und damit ökonomisch nachteilig (einfach gesagt: die einen bezahlen, die anderen bekommen- wie bei dem Geld für mein Auto). Ein positiver ökon. Effekt würde nur bei Umverteilungen oder Verschiebungen innerhalb des Systems eintreten. Ebenso sind Zahlungen unseres Steuergeldes an andere Länder, von dem diese Waren bei uns einkaufen, ökonomische Verluste und kein Konjunkturprogramm.
Der Vergleich mit einem Hartz IV Empfänger passt nicht, weil dieser innerhalb des ökon. Systems wirkt.
Man kann sich das gut mit dem Familienbudget klar machen: Zahlungen daraus an den Nachbarn sind für mich Verlustgeschäft, auch wenn der davon mein Auto kauft.


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

"Geldausgaben an Personen, die nichts erarbeiten oder einzahlen, ohne Gegenleistung müssen von uns allen erarbeitet werden- das Geld können wir alle weniger ausgeben." Das stimmt und es gilt nicht nur für Geld, das an Flüchtlinge geht.
"Der Vergleich mit einem Hartz IV Empfänger passt nicht, weil dieser innerhalb des ökon. Systems wirkt." In welchem anderen System wirken in Deutschland anerkannte Flüchtlinge? Sie scheinen außerdem auszuschließen, dass anerkannte Flüchtlinge in Deutschland arbeiten – und dann selbst Steuerzahler werden. Warum?

11.01.2018 18:33 Bernd L. 58

An MDR-Redaktion und Eulenspiegel 57:
1. Das war ein Analogieschluss mit der gleichen ökonomischen Logik wie im Kontrastebeitrag, auf den Sie sich berufen haben. Kontraste und Eulenspiegel sollte eine ökonomische Fortbildung besuchen.
2. Natürlich erhält ein Flüchtling insgesamt weit mehr als die 30 T.
Also, steht der Deal verehrter MDR oder verehrter Eulenspiegel? Das Geld würde bei mir sofort zurückfliessen.


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Ein anerkannter Flüchtling, sofern er keine Arbeit hat, ist einem Hartz-IV-Empfänger gleichgestellt. Nachzulesen ist das zum Beispiel hier: https://www.br.de/nachrichten/fluechtlinge-leistungen-begruessungsgeld-100.html
Hartz-IV wäre somit der "Deal".

11.01.2018 16:42 Eulenspiegel 57

Hallo Hor Es Te 53
"In den von Ihnen genannten Artikeln steht übrigens außerdem, dass bis zu 90 Prozent der 22 Milliarden Euro – bis zu 19,8 Milliarden Euro also – in die deutsche Wirtschaft zurückfließen.“
Diesen Satz brauchen sie nicht glauben. Es genügt wenn sie Beweisen können das er nicht stimmt.
Ich denke genau da fängt der ganze Blödsinn an. Fakten die einem nicht passen glaubt man einfach nicht. Dabei ist es schon lange bekannt das dieses Flüchtlingsproblem sich in Wirklichkeit zu einem kleinen Konjunkturpaket entwickelt hat. Um das zu begreifen benötigt man natürlich einige Erkenntnisse von den Volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.

11.01.2018 15:43 Bernd L. 56

"ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

In den von Ihnen genannten Artikeln steht übrigens außerdem, dass bis zu 90 Prozent der 22 Milliarden Euro – bis zu 19,8 Milliarden Euro also – in die deutsche Wirtschaft zurückfließen. Denn die Flüchtlinge kaufen damit hierzulande ein und zahlen Miete. "

Da schlage ich folgenden Tausch vor: Staat oder MDR S-A geben mir 30 T Euro, ich kaufe mir davon ein deutsches Auto, also fließen 100% wieder in die deutsche Wirtschaft zurück. Einverstanden?


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Kein Flüchtling erhält 30.000 Euro, um sich ein Auto zu kaufen.

11.01.2018 15:30 Mediator 55

Wenn man keine Flüchtlinge aufnehmen will, dann sollte man das auch einfach so deutlich sagen und nicht immer Schwachsinnsargumente vorschieben.

Ein Staat trifft auf vielen Gebieten Vorsorgemaßnahmen und all diese Maßnahmen kosten nun einmal Geld. Wer sich von diesem Geld keinen direkten Nutzen erhofft, der ist schnell dabei diese Ausgaben als sinnlos zu erachten. Da unser Staat sich aber im Grundgesetz die Verpflichtung auferlegt hat Verfolgten Asyl zu gewähren und in weiteren internationalen Verträgen sich auch zum Schutz von Kriegsflüchtlingen bereit erklärt hat, wird man nicht ganz ohne Ausgaben für diesen Beriech davonkommen.

Wer keine Flüchtlinge aufnehmen will, der wird übrigens immer meckern. Sei es weil man teure Unterkunftskapazitäten anmieten muss, oder weil man diese Kapazitäten selbst schafft.

Es ist ja nicht so, dass man solch ein Gebäude zur Not nicht auch anders nutzen kann.