Jugendliche beim Jugendfilmcamp Arendsee
Während des JugendFilmCamps drehen die Jugendlichen ihre eigenen Filme. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Themenwoche "Filmlandschaft Sachsen-Anhalt" Filmnachwuchs aus der Altmark

Sachsen-Anhalt hat zwar keine Filmhochschule, aber trotzdem lohnt sich für den Filmnachwuchs ein Blick nach Mitteldeutschland. Denn in Arendsee wird seit vier Jahren das JugendFilmCamp veranstaltet. Vom Drehbuch über Schauspielerei bis hin zu visuellen Effekten können die jungen Teilnehmer in alle Aspekte des Filmemachens hineinschnuppern.

von Florian Leue, MDR SACHSEN-ANHALT

Jugendliche beim Jugendfilmcamp Arendsee
Während des JugendFilmCamps drehen die Jugendlichen ihre eigenen Filme. Bildrechte: MDR/Heike Bade

"Es gibt keine Filmhochschule in Sachsen-Anhalt."So formulierte Torsten Giewat von ARRI Media seine Bedenken zu fehlendem Nachwuchs in der hiesigen Postproduktionsbranche. Im Kern hat er mit der Aussage recht. Denn eine Universität, die im Bereich Film ausbildet, sucht man in Sachsen-Anhalt vergebens. Aber trotzdem hält das Land für junge Filmemacher Möglichkeiten bereit.

Von Schauspiel bis zu visuellen Effekten

Ein Ort, den man auf den ersten Blick damit nicht in Verbindung bringen würde, ist Arendsee in der Altmark. Hier hat sich in den vergangenen vier Jahren eine Veranstaltung etabliert, die sich um den Filmnachwuchs kümmert: das JugendFilmCamp. In dem Camp können sich Interessierte von 16 bis 25 Jahren anmelden. Dabei haben sie die Gelegenheit, zwischen elf Fachbereichen und Spezialmodulen zu wählen. Von Regie, Kamera, Ton, Schauspiel, über Filmmusik bis hin zu Stunts und visuellen Effekten versucht das JugendFilmCamp, ein möglichst breites Interessenfeld abzudecken. Mit Erfolg.

Ein Mann mit Technik in der Hand steht zwischen zwei Jugendlichen, die sich anlächeln.
Campleiter Norman Schenk (Mitte) ist nicht nur Initiator des JugendFilmCamps, sondern leitet selbst Workshops zu Schauspielerei und Regie. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

"Wir sind in den letzten Jahren mit den Sommercamps enorm gewachsen", erklärt Campleiter und Mitbegründer Norman Schenk. Haben im ersten Jahr 131 Jugendliche an dem Camp teilgenommen, so verzeichnete man in diesem Jahr schon 370 Teilnehmer. Das spiegelt sich auch in den Produkten wider. Im Jahr 2014 entstanden gerade einmal neun Kurzfilme. Dieses Jahr gab es hingegen insgesamt 37 Produktionen, die die jungen Filmemacher während der Zeit drehten.

Die Resonanz auf unsere Arbeit ist am Anfang aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland viel stärker gewesen als aus der direkten Umgebung.

Norman Schenk, Leiter des JugendFilmCamps

Dabei ist es vor allem die enge Bindung zu den Teilnehmern, die Norman Schenk freut: "Die Reaktionen der jungen Leute sind großartig, viele kommen jeden Sommer wieder, manche waren in diesem Jahr schon zum vierten Mal dabei." Außerdem höre der Kontakt mit dem Ende des Camps auch nicht aus. Mit einigen der Teilnehmer sei man das ganze Jahr über in Kontakt und begleite sie sogar bei weiteren Projekten.

Profis als Wegbegleiter

Der Erfolg des Sommercamps liegt an der professionellen Verwirklichung. Den Jugendlichen werden während ihres Aufenthalts fachkundige Dozenten an die Seite gestellt. Neben Norman Schenk, der selbst als Regisseur und Schauspieler tätig ist, begleiten 15 weitere Lehrkräfte das JugendFilmCamp. Zu jedem Bereich wird ein Mentor geholt, der aus der Praxis kommt und damit weiß, worauf die Nachwuchs-Filmemacher achten müssen.

Motivation und Bildung

Ein Junge sitzt vor einem Rechner mit zwei Monitoren.
Im JugendFilmCamp werden die Jugendlichen auch in Aspekten der Postproduktion geschult. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Wenn die Sommercamps abgeschlossen sind, organisieren Norman Schenk und sein Team als Höhepunkt jeweils noch das "Filmfestival Arendsee". Hier werden die über den Sommer gedrehten Werke gezeigt und die besten von ihnen mit dem Preis "Die Perle der Altmark" prämiert. Doch das ist nicht alles. "Viele der bei uns entstandenen Filme laufen auf Festivals im In- und Ausland, einige haben auch schon Preise gewonnen", so Schenk. Sie wollen damit auch ihren Beitrag zu der großen und vitalen Kurzfilmszene in Deutschland leisten und junge Leute für die Zukunft motivieren.

Es gibt keine Ablenkungen, aber viele Möglichkeiten.

Norman Schenk, Leiter des JugendFilmCamps

Dabei will er die jungen Nachwuchstalente vermehrt für den Umgang mit Filmen sensibilisieren. Da heute jeder eine Kamera in seinem Smartphone habe, gehe das Thema Filmkompetenz jeden an. Ganz egal, was er sonst mache. "Eigentlich ist die spielerische Annäherung an das Filmemachen vor und hinter der Kamera ja eher ein Bildungsthema", so Schenk. Und mit seiner Arbeit in Arendsee hofft er, dieses Segment zu fördern.

Ort der Abgeschiedenheit und Ruhe

Jugendliche beim Jugendfilmcamp Arendsee
In diesem Jahr konnten die 370 Teilnehmer zwischen insgesamt elf Fachbereichen und Spezialmodulen wählen. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Warum er sich aber gerade für Arendsee als Standort entschieden hat? "Hauptgrund war die besondere Atmosphäre am Arendsee, diese Ruhe und Abgeschiedenheit hier macht ein konzentriertes Arbeiten erst möglich", erklärt Norman Schenk. Aber natürlich haben auch die Landschaft und der See als Drehorte ihren Teil beigetragen. Einen Haken gibt es aber doch am Standort Sachsen-Anhalt. "Mit schnellem Internet, welches flächendeckend verfügbar sein müsste, wäre schon viel gewonnen."

Film als Kur?

Für die Zukunft wäre dies von Vorteil für das JugendFilmCamp, denn Norman Schenk und seine Mitstreiter haben noch große Pläne. "Inzwischen arbeiten wir auf die Ganzjährigkeit unseres Projekts hin." Dafür müssen aber noch einige Bauarbeiten auf dem Gelände erledigt werden. Man hoffe jedoch, auch dort bald einen großen Schritt voranzukommen.

Wenn alles gut läuft, dann erwarte man sich einen gesamtregionalen Effekt: "Nicht umsonst ist Arendsee ja auch schon lange Kurort und soll es vielleicht auf eine ganz neue Weise wieder werden. Dazu möchten wir unseren Beitrag leisten."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – HEUTE | 20.10.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/fl

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 16:50 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

20.10.2017 09:51 Altmärker 1

Klasse, da sieht man mal wieder, wie mit Herzblut und Enthusiasmus ein kleines aber dennoch feines Projekt sich etablieren kann.
Ich wünsche den Verantwortlichen weiterhin viel Erfolg!