Lautes Warnsignal Corona: Warum ein Busunternehmer aus der Altmark für die Hoffnung hupt

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Corona-Beschränkungen werden in vielen Bereichen gelockert. Ein Busunternehmen aus der Altmark merkt davon noch nichts. Als Zeichen seiner Sorge hat der Inhaber nun in Berlin mit Hunderten anderen zusammen gehupt.

Busprotest in Berlin
Hunderte Busse protestierten am Donnerstag in Berlin. Bildrechte: MDR/ Christoph Schlüsselburg

Schlag 11:55 Uhr wurde es laut am Brandenburger Tor in Berlin. Hunderte Busse begannen gleichzeitig zu hupen. Ohrenbetäubender Lärm war die Folge. Krach, der aufwecken soll. Der den Blick auf die schlechte Situation von Busunternehmen richten soll. Der zugleich aber auch ein Hoffnungssignal senden soll, erzählt Christoph Schlüsselburg über die Aktion "honk for hope – Hupen für die Hoffnung". Bereits am Vortag wurde an gleicher Stelle lautstark für mehr Engagement beim Erhalt der Reisebüros geworben. Auch daran beteiligten sich viele Reisebusse.

Der 37-jährige Schlüsselburg leitet in dritter Generation ein auf Tourismus spezialisiertes Familienunternehmen in der Altmark. Schon morgens um 7 hat er sich an diesem Donnerstag auf den Weg nach Berlin gemacht, um seinen Unmut und seine Sorgen zu äußern. Gemeinsam mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, die aus ganz Deutschland anreisten. Knapp drei Stunden später hat er sein Ziel erreicht.

Erwartete Kontrollen bleiben aus

Nicht ganz selbstverständlich, erklärt der Unternehmer. "Die ursprünglich geplante Veranstaltung des Busverbands Deutscher Omnibusunternehmer wurde abgesagt. Und anschließend wurde nur eine Demonstration mit 50 Bussen genehmigt." Zudem habe die Berliner Polizei Kontrollen angekündigt, um diese Zahl durchzusetzen. Zu merken war davon auf der Anreise Schlüsselburgs jedoch nicht. "Das lief alles reibungslos."

Vor allem zwei Probleme waren es, die den Unternehmer bewogen, nach Berlin zu fahren. Zum einen ist es die schwierige wirtschaftliche Situation fast aller Busreisefirmen in Deutschland. Dabei hat Schlüsselburg selbst noch Glück. Neben Fernbusreisen und Mietbussen organisiert er mit seinem Team auch den Linienverkehr in der Altmark. "Das läuft weiter und hält uns derzeit über Wasser. Aber es natürlich auf Dauer nicht tragbar, dass etliche Busse in der Halle herumstehen."

Busprotest in Berlin
Schon früh am Morgen ist Christoph Schlüsselburg mit seinem Bus nach Berlin aufgebrochen. Bildrechte: MDR/ Christoph Schlüsselburg

Enttäuschung über Omnisbusverband

Zum anderen wollen die Busunternehmer auf die schwierigen Bedingungen aufmerksam machen, unter denen Busfahrten in manchen Bundesländern schon wieder erlaubt sind. "In Hessen etwa soll jeder Fahrgast fünf Quadratmeter für sich alleine haben. Aber wenn nur acht Passagiere in den Bus dürfen, rechnet sich die Fahrt nicht. Da wünschen wir uns mehr Realismus." Auch die fehlende Einheitlichkeit der Regelungen stört Schlüsselburg.

Deswegen ist er auch enttäuscht, dass sich der Bundesverband aus der Organisation der Demonstration ausgeklinkt hat. "Das nehme ich ihnen schon übel", erklärt Schlüsselburg. "Wenn sie nach Gesprächen in Berlin gesagt hätten, es gibt Signale, dass an uns gedacht wird, hätten wir nicht herfahren müssen." Positive Signale habe es nicht gegeben, stattdessen aber dramatische Szenen. "Die ersten Unternehmen mussten Insolvenz anmelden", berichtet der Altmärker.

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Heimreise mit gutem Gefühl

Doch die lautstark vorgetragene Nachricht an die Politik ist angekommen, glaubt Schlüsselburg. Nach etwa einer halben Stunde war das Hupkonzert beendet – und der Unternehmer machte sich zurück auf den Weg nach Gardelegen. Schon am Vortag hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer angekündigt, der Busbranche mit 170 Millionen Euro helfen zu wollen. "Bricht man das auf die einzelnen Firmen herunter, ist es ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Schlüsselburg.

Ob sein Ausflug nach Berlin tatsächlich etwas ändert, möchte er nicht bewerten. "Aber ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause. Denn ich kann mir zumindest nicht vorwerfen, nichts getan zu haben."

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Mai 2020 | 07:40 Uhr

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