Gedenken an Massaker bei Gardelegen Auf den Spuren der Opfer von Todesmärschen

Vor genau 74 Jahren wurden an der Feldscheune Isenschnibbe Tausend KZ-Häftlinge ermordet. Sie befanden sich auf einem der Todesmärsche. In Erinnerung an die Opfer begeben sich Jugendliche aus der Altmark an diesem Wochenende auf eine Spurensuche in die Vergangenheit. Am Sonntag wird an der Gedenkstätte Isenschnibbe den Ermordeten gedacht.

Eine Gruppe von Jugendlichen betritt eine Kirche
60 Jugendliche gedenken an die KZ-Häftlinge, die 1945 bei Gardelegen ermordet wurden. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Der Wind pfeift eisig, als etwa 60 Jugendliche das Dorf Sichau bei Gardelegen erreichen. Sichau war einer der Orte, durch die vor 74 Jahren rund Tausend KZ-Häftlinge auf einem der Todesmärsche getrieben wurden. An diese Menschen erinnern die Schüler an diesem Wochenende. Sie laufen den Weg des Todesmarschs nach, 40 Kilometer legen sie zu Fuß zurück.

Ihr Ziel ist die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe. Dort wurden am 13. April 1945 insgesamt 1016 KZ-Häftlinge ermordet. Sie waren auf einem der Todesmärsche, auf denen in den letzten Monaten der nationalsozialistischen Herrschaft hunderttausende Häftlinge ums Leben kamen. Heute erinnert die Gedenkstätte an das Massaker bei Gardelegen.

"Es ist bedrückend"

Unterwegs hören die Jugendlichen Geschichten von Zeitzeugen. Die Erlebnisse gehen ihnen dabei sichtlich nahe. "Es bedrückt einen schon, wenn man merkt, dass die Leute gequält und erschossen worden, wenn sie nicht gelaufen sind", sagt einer der Jugendlichen. Ein Mädchen freut sich, diese Spurensuche in die Vergangenheit mit Freunden teilen zu können. Doch bemerkt sie auch: "Es ist traurig, dass hier Menschen langgegangen sind, die nichts zu essen und trinken hatten und frieren mussten."

Es bedrückt einen schon, wenn man merkt, dass die Leute gequält und erschossen worden, wenn sie nicht gelaufen sind.

Teilnehmer des Projektes
Eine Gruppe von Jugendlichen auf einer Straße
Das Dorf Sichau bei Gardelegen ist eine der Stationen die die Schüler auf dem Weg zur Gedenkstätte passieren. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Spurensuche und Gedenken kommen hier zusammen, gefördert wird das Projekt durch das Programm "DemokratieErleben". Die Erinnerungen an die NS-Verbrechen lebendig zu halten, ist für den Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, Andreas Froese, besonders wichtig: "Lebendiges Gedenken bedeutet, sich selbst die Frage zu stellen: 'Was hat die Geschichte des Nationalsozialismus mit mir heute zu tun?'" Damit sei es auch immer eine kreative Herausforderung nach Wegen zu suchen, wie an diese Zeit erinnert werden kann.

Gedenken zum 74. Jahrestag des Massakers

Am Sonntagnachmittag wird an der Isenschnibbe im Rahmen einer Gedenkveranstaltung erinnert. In diesem Jahr steht vor allem das Gedenken an jüdische Häftlinge im Mittelpunkt. Der Gedenkstellenleiter Froese ist erfreut, dass zwei neue Namen dem Gedenkbuch hinzugefügt werden können. "Es handelt sich um Biografien, die bis vor wenigen Monaten noch völlig unbekannt waren. Wir haben sie erst kürzlich für Recherchen für die neuen Dauerausstellung ermittelt", so Froese. Zudem werde eine Enkelin eines ermordeten Häftlings  anreisen und vom Leben ihres Großvaters berichten.

Die Gedenkstätte wollen die 60 Schüler bereits am Samstag erreichen. Auf dem Weg dahin teilen sie weiter ihre Gedanken über die bedrückende Vergangenheit.

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Bildrechte: MDR/UFA FICTION

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. April 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2019, 12:46 Uhr

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10 Kommentare

15.04.2019 11:27 mattotaupa 10

@#8: nun, ihre wortwahl bei #4 läßt auch rückschlüsse zu. die lager auf den rheinwiesen waren KEIN massenmord, sondern folge von überforderung und fehlplanung eines kriegsgegners infolge eines angriffskrieges. der verteidiger darf unvorbereitet sein. eine mordabsicht oder gar ein plan zum massenmord lag da nicht vor. die nur von ihnen "gern auch als "Reifeverzögerte"" genannten schüler haben ihnen da einiges voraus. die an sich kapitulationserfahrenen deutschen soldaten hätten frühzeitig ohne zerstörte heimat kapitulieren (wie im 1. weltkrieg) und so ihrem schicksal entgehen können. der jüdische oder politisch unangenehme staatsbürger hatte diese chance nicht, da ihn der zum schutz verpflichtete eigene staat geplant ermorden wollte. die sache ist tatsächlich einseitig, weil diese medaille keine 2 seiten hat und äpfel nunmal schlecht mit birnen verglichen werden können.

15.04.2019 08:16 Mediator an SGDHarzer66(8) 9

Was ist beschämend daran, dass ich es süß finde wie plump und offensichtlich sie vom industriellen Massenmord der Nazis in den Konzentrationslagern ablenken wollen.

Ich finde es übrigens auch lächerlich, wenn sie von Schülern Vorbildung verlangen bei einem Thema, dass sie just in diesem Moment in der Schule behandelt um sich eben genau diese Bildung anzueignen.

Sie können davon ausgehen, dass die historische Bildung in den Schuln ausgewogener erfolgt, als ich es bei ihnen annehme.

Was stört sie so an dem Gedankmarsch auf den Spuren der KZ Todesmärsche, dass sie die Schüler als "unfähig" hinstellen müssen und von den VErbrechen der Nazis ablenken?

14.04.2019 20:22 SGDHarzer66 8

6., Mediator - schon ihre Wortwahl am Beginn des Satzes ist beschämend und lässt Rückschlüsse auf ihre Haltung zu.
Guten Abend.

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