Kleinstadthelden Gardelegen bezahlt Studierende, die sich als Lehrer für den Ort verpflichten

Gardelegen finanziert mit einem Projekt die Lehramtsstudien von jungen Leuten, die sich dann dafür verpflichten, später in der Stadt zu arbeiten. Die "Gardelehrer" bekommen 300 Euro im Monat und werden bei der Wohnungssuche unterstützt.

Blonde junge Frau mit Fußball in weißem T-Shirt
Milena Schulze ist "Gardelehrerin". Sie studiert in Halle und wird danach zurück nach Gardelegen kommen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Gardelegen sucht nach Lehrerinnen und Lehrern, die in Gardelegen leben und arbeiten wollen. Die Stadt unterstützt deshalb Lehramtsstudierende durch ein kommunales Stipendium.

Ein Stipendium sind je 300 Euro monatlich bis zum Ende des Studiums. So lange wie jemand das Stipendium bezieht, so lange verpflichtet sich die Person, nach dem Studium in Gardelegen mindestens zu unterrichten.

Die nächsten Stipendien vergibt Gardelegen im Oktober oder November 2020. Die aktuelle Ausschreibung läuft noch bis 15. September.

Aber Geld ist nicht alles: Stipendiaten bekommen Hilfe von der Stadt bei der Wohnungs- und Kitavermittlung, auch Hilfe bei der Jobvermittlung für Partner. Es gibt eine möblierte Wohnung bei der WOBAU, die extra für die sogenannten "Gardelehrer" eingerichtet wurde und freigehalten wird. Gardelegen hilft den Gardelehrerinnen und -lehrern auch bei der Vermittlung in Vereine, damit sie sich in das gesellschaftliche Leben integrieren können.

Stipendium holt junge Gardelegerinnen zurück

Milena Schulze ist "Gardelehrerin". Sie studiert in Halle Förderlehramt für Deutsch und Sport mit den Schwerpunkten Sprachbehindertenpädagogik und Pädagogik bei körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen. Sie sagt: "Für mich ist der Hauptgrund, dass meine Familie und Freunde hier leben und ich später gerne im ländlichen Raum leben möchte."

Aber das Stipendium sei auch praktisch – so müsse die Studentin nicht nebenbei arbeiten. Vom Studium in Halle pendelt sie am Wochenende nach Gardelegen. Dort trainiert sie eine Fußballmannschaft.

Auch Isabelle Radtke hat das Stipendium in Anspruch genommen. Sie kommt ebenfalls aus Gardelegen, es stand jedoch nicht fest, dass sie zurückkehren würde. Das Stipendium hat diese Option für sie zur Wahl umgewandelt. Sie sagt: "Ich finde es schön, an einer Schule zu arbeiten, wo nicht so viele Schüler sind und man alle kennt und da bietet es sich einfach an, in einer Kleinstadt zu arbeiten."

Dass eine Kommune ein Stipendium zahlt, ist deutschlandweit in der Form einmalig. Normalerweise ist Bildung – und damit auch die Lehrerausbildung und -rekrutierung – Ländersache. In Gardelegen wurden in den zwei Jahren, in denen das Projekt schon besteht, fünf Lehrerinnen und Lehrer in Ausbildung gefördert.

Mehr als eine Finanzspritze

Rotes Backsteinhaus mit Schild Grundschule Otto Reutter
Die Grundschule "Otto Reutter" in Gardelegen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Das Projekt greift auch über das Stipendium hinaus. Lehrern, die bereits woanders unterrichten, wird geholfen, wenn sie in die Heimat zurückkehren wollen. Dafür ist zum Beispiel die Vermittlungshilfe da.

Gardelegen sucht seit September 2017 nach immer neuen Möglichkeiten, um Lehrerstellen schneller zu besetzen und langfristig Schulpersonal im Ort zu behalten. Die Stadt denkt dabei nachhaltig: Sie organisiert, dass Schülerinnen und Schüler Praktika in der Schule absolvieren können, und macht in den höheren Klassen auf die Lehramtsausbildung aufmerksam. 

Zum Gardelehrer-Konzept gehört auch Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem über digitale Kanäle, darunter eine eigenen Webseite und Soziale Medien.

Quelle: MDR/jh

2 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 5 Wochen

Das liest sich wunderschön. Demnächst macht jede Stadt das Projekt nach. Dann kommt die Klage der Gemeinden über den Geldmangel. Ist Lehrerausbildung nicht Sache des Landes?

Atheist vor 5 Wochen

Das System Neulehrer hat ja schon mal funktioniert, leider bekommen wir heut Neugrüne Lehrer.

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