Untersuchung läuft Tote Schafe bei Gardelegen: Bisse weisen auf Wolf hin

In Lindstedt bei Gardelegen sind mehrere Schafe offenbar durch einen Wolf gerissen worden. Das Bundesumweltministerium will nun den strengen Schutz der Wölfe offenbar lockern. Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert hält von diesem Vorschlag allerdings nichts.

In Lindstedt bei Gardelegen sind sieben Schafe offenbar durch einen Wolf gerissen worden. Die Biss- und Fraßspuren ließen auf Wölfe schließen. Das sagte der Leiter des Wolfskompetenzzentrums, Andreas Berbig, MDR SACHSEN-ANHALT. Ein genetischer Nachweis liege erst in zwei bis drei Wochen vor.

Lindstedts Ortsbürgermeister Siegfried Jordan sagte MDR SACHSEN-ANHALT, in der Region rund um den Secantsgraben seien schon öfter Wölfe gesichtet worden. Er selbst habe sogar schon Fotos von den Tieren gemacht. Am Montagmorgen hatte ein Schäfer, der eine Herde von 80 Schwarz-Kopfschafen hat, beim Kontrollbesuch auf seiner Weide die toten drei Muttertiere und vier Lämmer entdeckt.

Bislang gab es in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt zehn Wolfsangriffe. Erst vergangene Woche hat es einen möglichen Wolfsriss in Leipa bei Jessen gegeben. Elf Schafe wurden getötet, mehrere verletzt. Auch hier steht der genetische Nachweis laut Wolfskompetenzzentrum in Iden noch aus.

Bundesumweltministerin will Abschuss erleichtern

Der Wolf steht unter Naturschutz. Dennoch wird seit einigen Tagen diskutiert, ob der Abschuss der Tiere erleichtert werden sollte. Das hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ins Gespräch gebracht.

Claudia Dalbert
Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis90/Die Grünen) Bildrechte: IMAGO

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert hält von diesem Vorschlag allerdings nichts. Sie wies die aktuelle Debatte über die Frage, ab wann man Wölfe abschießen dürfe, als "schädlich und wenig hilfreich" zurück. Die Grünen-Politikerin sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Voraussetzungen für Wolfsabschüsse seien klar geregelt. Wenn der Wolf ein "problematisches Verhalten" zeige – etwa, indem er Menschen bedrohe – dann könne er getötet werden. Es gebe keinen weiteren Handlungsbedarf.

Bauernverband geht Vorschlag nicht weit genug

Bundesumweltministerin Schulze hatte zuletzt angekündigt, sich für eine Veränderung des Naturschutzgesetzes einsetzen zu wollen. Schulze sagte, sie wolle den Abschuss von Problemwölfen erleichtern. Dalbert sprach von einem Vorstoß, der Unruhe schaffe und Erwartungen wecke, die "nicht erfüllt werden können".

Vom Bauernverband Sachsen-Anhalt hieß es auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, die Vorschläge von Svenja Schulze gingen nicht weit genug. Bei einer "beständig wachsenden Wolfspopulation" müsse endlich entschieden werden, ob die Zahl der Wölfe begrenzt wird. "Wenn die Zahl der Wölfe weiter steigt, wird auch die Zahl der Übergriffe jährlich weiter ansteigen, insbesondere auf Nutztiere", sagte ein Sprecher des Verbandes.

So viele Wölfe leben in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es mit grenzüberschreitenden Rudeln zwölf nachgewiesene Wolfsrudel. Jedes Jahr wird der sogenannte Wolfsmonitor über die Entwicklung der Population im Land veröffentlicht. Der letzte Bericht umfasst den Zeitraum Mai 2017 bis Ende April 2018.

Karte und Übersicht der Wolfsrudel und Wölfe in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt | MDR/Schörm/Paul

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. März 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 19:44 Uhr

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33 Kommentare

06.03.2019 21:01 maheba 33

Die Krux an der Sache ist die, das die Mitarbeiter im geschaffenen Wolfskompetenzzentrum nur "pro-Wolf " handeln und arkumentieren können.
Sie sind eigentlich befangen zum Thema Wolf. Immerhin hängt vom Wolf ihre Tätigkeit ab. Wolf weg - kein Wolfskompetenzzentrum.
Es ist also keine unabhängige Betrachtung aus dieser Sicht möglich.

06.03.2019 20:37 Roskaulitz 32

Der Wolf ist ein Raubtier, das sich durch das Töten anderer Lebewesen ernährt. Ähnlich wie Tiger oder Löwen.

Wer den Wolf unbedingt in unserer zivilisierten Welt ansiedeln will, der muss zwangsläufig mit solchen Massakern rechnen.

Ein Raubtier geht nicht im Supermarkt einkaufen, um sich zu ernähren. Sondern es nimmt sich, was es haben will. Und zwar mit Gewalt.

06.03.2019 17:04 Meier @Lutz 30 31

Sie vergleichen Äpfel mit Blumenkohl. Der Wildschweinbestand z.B. liegt bei etwa 1,5 Millionen. Wölfe haben wir etwa 700. Kein Grund, beim (nicht gefährdeten) Wolf zu warten, bis das Problem ebenfalls nicht mehr regulierbar ist.

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