Blumen, Kerzen und Steine auf Stolpersteinen.
Auch erst vor zwei Wochen verlegte Stolpersteine hat es getroffen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler

Erinnerung an Holocaust Betrunkener reißt in Gardelegen Stolpersteine aus dem Boden

Ein Betrunkener hat in Gardelegen Erinnerungssteine gewaltsam aus dem Gehweg herausgebrochen, die an das Schicksal jüdischer Bürger der Hansestadt erinnern. Die Motivation des 44-jährigen Mannes ist derzeit noch unklar.

Blumen, Kerzen und Steine auf Stolpersteinen.
Auch erst vor zwei Wochen verlegte Stolpersteine hat es getroffen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Reinhard Stremmler

In Gardelegen hat sich ein Betrunkener an sogenannten Stolpersteinen zu schaffen gemacht. Die Steine sollen an jüdische Bürger erinnern, die während des Nationalsozialismus ermordet worden sind. Laut Polizei hat der 44-Jährige am Sonntagabend neun dieser Erinnerungssteine mit einer Brechstange aus dem Gehweg in der Sandstraße gehebelt. Betroffen sind davon auch die erst vor wenigen Tagen mit Schülern in den Boden gebrachten Steine.

Beobachtet wurde der Mann dabei von Zeugen. Eine Frau schilderte, der Mann habe die Stolpersteine in eine weiße Plastiktüte gestopft und in einen Papierkorb an der Straße gesteckt. Daraufhin habe sie die Polizei alarmiert, die den Angaben zufolge die neun Stolpersteine sicherstellte.

Vorfall zur Anzeige gebracht

Der Polizei zufolge hat der 44-Jährige einen verwirrten Eindruck gemacht und die Tat abgestritten. Die Beamten stellten bei ihm einen Atemalkoholwert von 2,58 Promille fest. Zudem sagte ein Sprecher, die "Schändung der Stolpersteine" sei zur Anzeige gebracht worden. Wie die Polizei weiter mitteile, ist die Motivation des Täters derzeit noch unklar. Der Staatsschutz habe den Fall übernommen und ermittele in alle Richtungen.

Der Gardelegener Karl-Heinz Reuschel, der die Geschichte der Juden in der Stadt erforscht, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er sei fassungslos, dass so etwas in Gardelegen passiere. Schon die Nazis hätten versucht, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger auszulöschen.

Ein Stolperstein liegt zum Verlegen bereit.
Auf den Pflastersteinen sind kleine Messingtafeln angebracht, mit den biografischen Angaben der Ermordeten. (Archivbild) Bildrechte: Matthias Strauß/MDR

Das Projekt Stolpersteine Mit seinem bekanntesten Projekt will der Aktionskünstler Gunter Demnig die Menschen über den Nazi-Terror in ihrer unmittelbaren Umgebung stolpern lassen. Er fertigt seit rund 25 Jahren etwa zehn mal zehn Zentimeter große Pflastersteine, die an die Opfer der Diktatur erinnern sollen. Diese Stolpersteine werden dafür vor früheren Wohnhäusern oder Geschäften von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen oder Widerstandskämpfern in den Boden eingelassen.

Auf den Steinen sind kleine Messingtafeln mit biografischen Angaben der Ermordeten angebracht. Bislang gibt es laut Demnig rund zehntausende solcher Miniatur-Denkmäler in 1.265 Orten Deutschlands und in 21 Ländern Europas. Der Initiator verlegt die Gedenksteine grundsätzlich selbst. Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Steins übernehmen. Quelle: dpa

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Juni 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 21:10 Uhr

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66 Kommentare

27.06.2018 20:27 Benutzer 66

27.06.2018 13:50 Eulenspiegel

Für,Linke ist auch alles Rechts was nicht ihrer Meinung ist. Also weinen sie mal nicht. Das man sie als Links betitelt.

Und Bürger mussten auch einiges unter der Herrschaft der Roten erdulden. Was ja die Linke vergessen machen will. Deshalb immer dieser versuch des schuld aufdrückens wegen Rechts.

Und die Rote Diktatur will auch niemand mehr. Ala Stalin, Mao. Da kann die Linke noch so sehr versuchen.

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27.06.2018 19:21 Hans Reinhard 65

@57 Mare monstrum
Der Staat Israel feiert heute seinen 70 .Geburtstag.
Liebes Mare Monstrum.
Ich habe auch in Ihrem Namen gratuliert.

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27.06.2018 19:12 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 64

@ 63:
Zitat "Der Kerl war besoffen! Woher nimmt man nur die Belege für eine Gesinnung des Täters?"

1.: Wer mit Alkohol nicht umgehen kann, sollte die Finger von dieser gefährlichen Droge lassen!

2.: Wer mit Alkohol nicht umgehen kann und im Drogenrausch Stolpersteine ausgräbt und sie dann wegschmeißt, der macht sich mittlerweile eigentlich schon zu einer Gefahr für die Gesellschaft, weil er bei seichten Gemütern Zuspruch für seine Tat generiert und damit die jämmerlichen Diskussionen um erinnerungskulturelle 180°-Wenden befeuert.

3.: Wer Stolpersteine (und damit die Erinnerung an vernichtete Menschen) ausgräbt und "entsorgt", macht sich eigentlich ein zweites Mal der Judenvernichtung schuldig.