Symbolbild Kleinbahn - Eine Modellbahn steht auf einem großen Bahngleis.
Eisenbahn in der Altmark – das ist eine sehr lange und wechselhafte Geschichte. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Panthermedia

Nebenstrecken und Kleinbahnen Eisenbahn-Geschichte der Altmark

Der wirtschaftliche Aufschwung der Altmark wäre ohne die Eisenbahn einst nicht möglich gewesen. Die heute noch wichtigen Strecken nach Hannover, Berlin und Hamburg durch die Altmark bestehen bereits seit 150 Jahren. Dazu wurden zahlreichne Nebenstrecken und Kleinbahnen errichtet. Die meisten wurden in den 1970er-Jahren schon wieder aufgegeben, nur ein Teil ist bis heute erhalten.

Symbolbild Kleinbahn - Eine Modellbahn steht auf einem großen Bahngleis.
Eisenbahn in der Altmark – das ist eine sehr lange und wechselhafte Geschichte. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Panthermedia

Stendal und Salzwedel lagen in den 1870er-Jahren bereits an den wichtigen Bahn- und somit Handels-Magistralen nach Berlin, Hannover und Hamburg. Noch kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts wurde die staatliche Nebenbahn Oebisfelde-Salzwedel eröffnet, erst in den 1920er-Jahren folgte die Nebenstrecke Salzwedel-Arendsee-Wittenberge. Tausende Bauernhöfe sorgten für ein gewaltiges Aufkommen an landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide sowie erhebliche Mengen Zucht- und Schlachtvieh. Zudem entstand die chemische Industrie, deren Düngemittel in der gesamten Altmark und darüber hinaus gebraucht wurden. Als günstiges und massentaugliches Verkehrsmittel dienten unzählige Kleinbahnen, die bis Anfang der 1920er Jahre durch verschiedene Bahn-Gesellschaften entstanden und weite Teile der Altmark vernetzten. So hatten schließlich auch Orte wie Lüderitz, Werben oder Kalbe einen Bahnanschluss.

Kleinbahnen in der Altmark (Beispiele)
  Eröffnung Stilllegung
• Tangermünde-Lüderitz 1904 1917 (bis Demker), 1920
• Goldbeck-Werben 1898 1971
• Bismark-Kalbe

weiter nach Beetzendorf

weiter nach Rohrberg-Diesdorf
1899

1899

1903
2001

1993

1973
• Gardelegen-Kalbe 1904 1967
• Salzwedel-Diesdorf 1901 1993 (Dähre-Diesdorf), 1997

sowie zeitweise 1927 (wegen Umspurung) und 1979 (wegen Sanierung)

Das dichte Netz der Kleinbahnen führte einerseits dazu, dass die Altmark bis Mitte des 20. Jahrhunderts fast bis in den kleinsten Winkel per Schiene erschlossen war. Sie förderte mit Telegrafie und Telefon die technische Erschließung ganzer Landstriche, brachte Städte und Dörfer zusammen, ließ Betriebe und Absatzmärkte wachsen. Gleichzeitig brachte das System einen enormen Bedarf an Mitarbeitern mit sich – ob im Lokschuppen oder der Bahnhofsgaststätte.

Auf Netzausbau folgt rascher Niedergang

Den Anforderungen an ein modernes und flexibles Verkehrssystem konnten die Kleinbahnen ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schließlich nicht mehr standhalten. Güter- und Personenverkehr der zu DDR-Zeiten der Deutschen Reichsbahn zugeschlagenen Kleinbahnen wurden nach und nach eingestellt, vor allem in den 60er- und 70er-Jahren. Nach der Wende folgten schließlich auch ganze Nebenstrecken, etwa der Personenverkehr zwischen Schönhausen und Sandau 1993 oder auf der Strecke Salzwedel-Arendsee-Geestgottberg 2004, wobei für diese noch eine Betriebsgenehmigung gilt.

Unter einer Autobrücke verläuft die Spur einer abgebauten eingleisigen Eisenbahnstrecke.
Die Autobrücke der Landesstraße 21 wurde in den 90ern extra für die umverlegte Nebenstrecke Oebisfelde-Salzwedel errichtet. Die Gleise sind seit zehn Jahren verschwunden. Bildrechte: MDR/André Plaul

Ähnlich frisch ist noch die Stilllegung der Nord-Süd-Verbindung zwischen Salzwedel und Oebisfelde. Die Ende 1889 eröffnete Strecke wurde bis zur deutschen Wiedervereinigung vor allem vom Güterverkehr rege genutzt. Und zunächst wurde sie von den Verkehrsplanern auch noch nicht aufgegeben: Mitte der 90er-Jahre wurde ein Teil der Strecke bei Oebisfelde noch einmal verlegt und in die Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin integriert. Zu dieser Zeit fuhren die Personenzüge auf der Verbindung, entsprechend der Nachfrage, nur noch im Zwei-Stunden-Takt. Das schnelle Aus der Strecke kam durch die Verbreiterung des Mittellandkanals und einen nötigen Bahn-Brückenneubau zustande. 2002 wurde der Personenverkehr eingestellt. Ab 2008 ließ die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH die Gleise auf dem Abschnitt Oebisfelde-Kalbe entfernen. Heute sind nur noch vereinzelt Gleisreste der sogenannten Drömlingbahn sichtbar, vor allem auf den Brücken über die Kanäle und Gräben.

Die Hauptbahnen durch die Altmark
  Eröffnung
• Magdeburg-Stendal-Seehausen

weiter: Seehausen-Wittenberge
5. August 1849

25. Oktober 1851
• Stendal-Salzwedel 15. März 1870
• Spandau-Stendal-Gardelegen

weiter: Gardelegen-Oebisfelde-Lehrte
1. Februar 1871

1. November 1871

Quelle: MDR/ap

Literatur: Wolfgang List: Kleinbahnen der Altmark. Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1979

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2019, 18:01 Uhr

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