Schiffbau Tangermünde Eine "grüne" Fähre aus der Altmark

Nicht nur im Norden Deutschlands werden Schiffe gebaut, auch Sachsen-Anhalt hat eine lange Schiffsbau-Tradition. In Tangermünde zum Beispiel werden seit 150 Jahren Schiffe gebaut – und auf das neueste ist man besonders stolz. Die Schiffsbauer in Tangermünde sagen, ihre neueste Fähre mit einem Hybridantieb – in dieser Größe einzigartig in Deutschland – lasse sich besser steuern, sei leiser und zukunftsorientiert.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein nagelneues Schiff hat die Tangermünder Schiffswerft in der Altmark verlassen. Über die Elbe und die Nordsee ist es nach Bremen gefahren. Dort wird es als Fähre Pkw, Lkw und Passagiere über die Weser setzen wird. Es ist der 98. Schiffsneubau des Unternehmens – aber das erste Schiff mit einer Hybrid-Antriebstechnik.

Zukunftsorientierte Technik aus Sachsen-Anhalt

Getrieberaum einer Fähre
Das "Herzstück" der neuen Fähre mit dem Hybridantrieb Bildrechte: MDR/Matthias Bruck

Werftleiter Olaf Deter spricht von einer "grünen" Fähre. Denn im Unterschied zu den zwei zuvor für die Fährgesellschaft Bremen-Stedingen gebauten Fähren wird diese nicht mit vier schweren Dieselmotoren angetrieben, sondern mit vier Elektromotoren. "Diese Mischform ermöglicht erhebliche Einsparungen an Diesel, eine deutlich spürbare Verringerung des Motorengeräuschs und der Abgase", sagt der Manager MDR SACHSEN-ANHALT. Die vier Elektroantriebe seien außerdem deutlicher leiser und sanfter. Weil die Propeller um 360 Grad schwenkbar sind, könne die etwa fünfeinhalb Millionen Euro teure Fähre zentimetergenau manövrieren.

Noch wird Diesel benötigt

Ganz ohne Verbrennungsmotor kommt die neue Fähre allerdings nicht aus. Noch sind zwei Diesel nötig, um über Generatoren die Batterie-Kaskade an Bord aufzuladen. Allerdings laufen sie unter Deck gleichmäßig und ruhig. Die Schiffbauer haben die Anlage so konstruiert, dass sie eines Tages womöglich durch umweltfreundliche Brennstoffzellen ersetzt werden kann.

 Mit dem nachhaltigen Hybridantrieb haben wir die Weichen für eine neue, umweltfreundliche Schiffsgeneration gestellt.

Werftleiter Olaf Deter

In wenigen Wochen beginne in der Werft bereits der Bau eines Schleppers für die Nordsee, der ebenfalls dieselelektrisch angetrieben wird, so Deter. In der Altmark setzt ein weiteres Unternehmen auf die Kombination von Diesel- und Elektroantrieb. Der französische Alstom-Konzern baut in Stendal Hybrid-Lokomotiven, die auch dort entwickelt wurden. 

Einsatzbereit ab Ende Februar

Die innerhalb eines Jahres gebaute neue Fähre aus Tangermünde wird in Bremen nochmals erprobt. Sie soll am 16. Februar übergeben und am 24. Februar auf den Namen "Farge" getauft werden. Er deutet auf den Einsatzort des Schiffes hin, das in Bremen zwischen Farge und Berne übersetzen wird.

Das 60 Meter lange Schiff benötigt nur einen Schiffsführer als Besatzung. Das Deck hat drei Fahrspuren für Lkw und Pkw. Das Tangermünder Unternehmen hatte den Auftrag nach einer europaweiten Ausschreibung bekommen. Es zählt zusammen mit dem Standort in Genthin 120 Beschäftigte. Hinzu kommen zahlreiche Beschäftigte von Fremdfirmen sowie situationsbedingt von Zeitarbeitsfirmen.

Auf dem Werftgelände werden derzeit außerdem mehrere prächtige Fluss-Kreuzfahrtschiffe für die neue Saison fit gemacht. Darunter sind die "Frederic Chopin" und die "Königstein", die einst in Tangermünde gebaut wurden. Die Werft gehört seit elf Jahren zur Heinrich-Rönner-Gruppe, Bremerhaven, die auch in Dessau-Roßlau und Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern produziert.

Schiffbau in der Altmark Tangermünder Werft baut supermoderne Fähre

Neugebaute Fähre an Land in Tangermünder Werft
Das neue Schmuckstück der Tangermünder Werft, 60 Meter lang und 14 Meter breit: Eine Fähre, die künftig ihren Dienst auf der Weser verrichten wird. Bildrechte: SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft
Neugebaute Fähre an Land in Tangermünder Werft
Das neue Schmuckstück der Tangermünder Werft, 60 Meter lang und 14 Meter breit: Eine Fähre, die künftig ihren Dienst auf der Weser verrichten wird. Bildrechte: SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft
Neugebaute Fähre an Land in Tangermünder Werft
Die Fähre ist eine der ersten Hybridfähren dieser Größe in Deutschland. Bildrechte: SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft
Neugebaute Fähre an Land in Tangermünder Werft
Am 24. Februar wird die Fähre auf den Namen "Farge" getauft werden. Er deutet auf den Einsatzort des Schiffes hin, das in Bremen zwischen Farge und Berne übersetzen wird. Bildrechte: SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft
Eine Person auf einer Fähre
Das Schiff benötigt nur einen Schiffsführer als Besatzung. Auf Deck sind drei Fahrspuren für Lkw und Pkw. Bildrechte: MDR/Matthias Bruck
Getrieberaum einer Fähre
Auf das Herzstück im Bauch des Schiffes ist man in der Tangermünder Werft besonders stolz. Die vier Propeller werden nicht mit Diesel, sondern mit Strom angetrieben. Das Ergebnis: bis zu 285 Pferdestärken sind möglich. Bildrechte: MDR/Matthias Bruck
Fähre liegt am Ufer im Wasser
Das Hightech-Schiff soll den Kraftstoffverbrauch und damit auch die Abgasbelastung deutlich reduzieren. Bildrechte: MDR/Matthias Bruck
Eine Fähre und ein anderes Schiff schippern auf dem Wasser
Ein Schubschiff bugsiert die Fähre bis in den Hamburger Hafen. Von dort geht es über See nach Bremen. Bildrechte: MDR/Matthias Bruck
Eine Fähre legt vom Ufer ab
In Bremen wird die Fähre im Akkord arbeiten und die Passagiere mit ihren Fahrzeugen im Viertelstundentakt über die Weser bringen.

Dieses Thema im Programm
MDR SACHSEN-ANHALT | 07. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ahr
Bildrechte: MDR/Matthias Bruck
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Neugebaute Fähre an Land in Tangermünder Werft
Bildrechte: SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 07. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2018, 13:12 Uhr

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6 Kommentare

09.02.2018 19:38 Jakob T. 6

@ Hans: Gern. Manchmal denk ich, die Kommentatoren sollten einfach mal kurz selbst recherchieren, bevor sie hier was schreiben: Ein kurzer Blick auf eine Karte sagt einem, dass die Weser dort ca. 400m breit ist. Und, dass dort auch dicke Pötte langfahren. Gierseil ist also absolut KEINE Lösung. Noch dazu wäre die Strömung auch ohne Tide viel zu schwach.

09.02.2018 10:45 Hans aus Halle 5

@Jakob

Danke, dass sich auch mal jemand mit Ahnung geäusert hat. ;)

08.02.2018 23:04 Jakob T. 4

Eine Gierseilfähre ist dort nicht möglich: Dieser Bereich der Weser ist Tidengewässer: Die Strömung wechselt also alle 6 Stunden die Richtung.
Zum zweiten zur Effizienzfrage: Die Fährlinie Scandlines hat auf der Rödby-Puttgarden-Linie ein ähnliches Konzept: Wenn ich ein Dieselaggregat und Batterien habe, kann das Dieselaggregat die ganze Zeit kontinuierlcih auf idealer Leistung laufen, sagen wir z.B. 80% der möglichen Motorleistung. Die Schrauben brauche ich aber mal nur mit wenig Leistung (auf der Fahrt) mal mit gar keiner beim Beladen) und mal auf höchster Leistung (beim maövrieren). Die Differenz dazwischen gleichen die Batterien an. Bei klassischer Nutzung muss ich dauernd die Drehzahl des Motors anpassen, was ineffizient ist.

VG
Jakob