Ehemalige Kaserne Stendal
Auf dem ehemaligen Kasernengelände bei Stendal haben die Bauarbeiten begonnen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Stendal Altmärker zweifeln an neuer Flüchtlingsunterkunft

Auf dem Gelände einer alten Kommandozentrale der DDR-Grenztruppen in Stendal hat das Land Sachsen-Anhalt mit dem Ausbau einer neuen Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge begonnen. Schon 2015 war das 30-Millionen-Euro-Vorhaben angekündigt worden. Weil sich die Situation inzwischen erheblich verändert hat, werden aber Zweifel an dem Großprojekt laut.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

Ehemalige Kaserne Stendal
Auf dem ehemaligen Kasernengelände bei Stendal haben die Bauarbeiten begonnen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Rund 1.000 neue Erstaufnahmeplätze sollen eingerichtet werden, wo einst das DDR-Grenzkommando Nord residierte. In den zwei fünfgeschossigen Plattenbauen saßen einst der General und sein Stab, die das gesamte Grenzregime zwischen dem Harz und der Ostsee befehligten. Nun werden die beiden Blöcke aus den 70er-Jahren entkernt, um darin Unterkünfte einzurichten. Allein mehr als 500 Fenster müssen erneuert werden. Derzeit richten Bagger das verwilderte Außengelände her, reißen überflüssige Betonbauten ab und bauen eine neue Straßenzufahrt.

Angesichts des Umfanges der Bauarbeiten reagierten viele Altmärker zurückhaltend. In einer MDR-Umfrage hieß es, bei stark sinkenden Flüchtlingszahlen könne das Vorhaben nicht nachvollzogen werden. Das Geld solle besser in Bildung, Kitas oder Infrastruktur fließen. Andere nannten es verständlich, wenn sich das Land Flexibilität in der Flüchtlingsbetreuung schaffe, um sich auf künftige Entwicklungen einzustellen.

Ehemalige Kaserne Stendal Vom Armeegelände zur Flüchtlingsunterkunft

Einst Unterkunft des DDR-Grenzkommandos Nord, nach der Wende von Bundesgrenzschutz, Bundeswehr und Zoll genutzt: Ein Rundgang über das geschichtsträchtige Gelände, wo künftig Flüchtlinge unterkommen sollen.

Ehemalige Kaserne Stendal
In diesen Gebäuden residierte einst das DDR-Grenzkommando Nord. Nach der Wende waren darin Einrichtungen wie die Staatsanwaltschaft und das Wehrersatzamt untergebracht. 2010 wurden die Gebäude aufgegeben. Nun sollen darin Flüchtlingsunterkünfte entstehen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
In diesen Gebäuden residierte einst das DDR-Grenzkommando Nord. Nach der Wende waren darin Einrichtungen wie die Staatsanwaltschaft und das Wehrersatzamt untergebracht. 2010 wurden die Gebäude aufgegeben. Nun sollen darin Flüchtlingsunterkünfte entstehen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Das Wachgebäude steht noch. Zuletzt hatte die Bundesrepublik vergeblich versucht, die gesamte Kaserne zu verkaufen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Das Gelände zwischen den Gebäuden war bereits zugewuchert. Mit Baggern und Bulldozern wurde es jetzt bereinigt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Das Stendaler Kasernengelände liegt an der Gardelegener Straße im Süden der Stadt. Die Anlage ist vergleichbar mit der Erstaufnahmeeinrichtung in Halberstadt. Auch die dortige Grenztruppenkaserne wurde in den 1970er-Jahren im selben Stil errichtet. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Der Funkturm erinnert an die Zeit, als von Stendal aus das gesamte DDR-Grenzregime zwischen dem Harz und der Ostsee befehligt wurde. Er wird für die Erstaufnahmeunterkunft für Flüchtlinge nicht mehr benötigt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Für die zentrale Anlaufstelle wird eine neue Zufahrt geschaffen. Sie bindet direkt an die alte B 189 an. Die Schneise durch den Wald ist bereits gerodet worden. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Dicht im Wald am Rand der künftigen Flüchtlingsunterkunft hat aus DDR-Zeiten ein Beobachtungsturm der Grenztruppen überdauert. Sogar der Suchscheinwerfer ist noch erhalten. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Insgesamt müssen allein weit mehr als 500 Fenster erneuert werden. Das Freigelände war vor zwei Jahre rasch eingezäunt worden, als die Idee einer Flüchtlingsunterkunft aufkam. Zum Beginn der Bauarbeiten wurde dieser Zaun nun wieder abmontiert. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ehemalige Kaserne Stendal
Der Charme eines DDR-Kasernengiebels.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Tagesreport | 13. Februar 2018 | 17:00 Uhr
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Klietzer Bürgermeister hinterfragt Kosten-Nutzen-Rechnung

Besonders kritisch äußerte sich der Bürgermeister von Klietz im Elb-Havel-Winkel, Hermann Paschke. Er hatte immer wieder gefordert, so schnell wie möglich mit dem Ausbau der alten Stendaler Kaserne zu beginnen, um seine Gemeinde zu entlasten. Hintergrund war, dass in Klietz in Spitzenzeiten mehr als 700 Soldatenbetten in der Bundeswehrkaserne mit Flüchtlingen belegt waren. Das war für den Bundeswehrstandort zum Handicap geworden. Inzwischen hat Paschke jedoch angesichts der gesunkenen Flüchtlingszahlen eine neue Sicht. MDR SACHSEN-ANHALT sagte er, die Dimension von 30 Millionen Euro für 1.000 Flüchtlingsplätze halte er für überzogen. "Wozu brauchen wird das jetzt noch? Das Geld wäre bei den Kommunen besser aufgehoben."

Stendals Landrat Carsten Wulfänger forderte die Landesregierung auf, die Notwendigkeit für den Ausbau der alten Kaserne zu erklären. Es sei ein "kleiner Widerspruch" dass der Landkreis die Übernachtungskapazitäten stark reduziere, während das Land ausbaue. Wulfänger räumte ein, dass die Erstaufnahmeunterkunft eine Angelegenheit des Landes sei. Der Großteil der Investition werde außerdem vom Bund getragen. Sie sollten aber erläutern, warum man jetzt noch ein zweites Erstaufnahmelager brauche. Die Menschen hätten ein Recht darauf, frühzeitig und umfassend über die Erstaufnahmeunterkunft informiert zu werden.

Stendal soll mehrere Einrichtungen ersetzen

Im Januar hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) argumentiert, man brauche Stendal neben Halberstadt, um Spielraum und Reserven zu schaffen. Außerdem müsse man ethnische Gruppen voneinander trennen und besonders Schutzbedürftige gesondert unterbringen können. Als Beispiele nannte der Minister alleinreisende Frauen mit Kindern, Großfamilien, Traumatisierte und Schwerkranke. Es sei nicht geplant, mit Stendal die Zahl der Plätze in der Erstaufnahme zu erhöhen. Sie liege jetzt bei 2.000 und werde festgeschrieben. Die neue Unterkunft in Stendal soll Anfang 2020 zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen die dezentralen Einrichtungen in Magdeburg und Klietz teilweise noch genutzt, aber nach und nach außer Dienst gestellt werden, so das Ministerium.

Quelle: MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Tagesreport | 13. Februar 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 11:03 Uhr

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36 Kommentare

14.02.2018 22:21 Mediator an Udo K.(35) 36

Lieber Udo,

was soll denn bitte "regierungstreue Berichterstattung" sein? Die Regierungen im Bund und den Ländern wechseln regelmäßig. Glauben sie wirklich Spiegel, Stern, Focus, Bild, Welt, Zeit und SZ tauschen dann jeweils ihre Journalisten aus, ändern ihre Sichtweise auf Themen, oder ändern ihre grundsätzlich vorhandene Ausrichtung, die sie von der Konkurrenz unterscheidet. Deutschland ist einer der härtesten Medienmärkte der Welt und nicht die Olle DDR in der die Stasi die Presse zensierte.

Seriöse Berichterstattung zeichnet sich dadurch aus, dass Journalisten die einen Ruf zu verlieren haben mit ihrem Namen hinter einem Artikel stehen. Journalisten würden z.B. keine Meldungen (Lügen) verbreiten wie sie auf Hoaxmap.org dokumentiert sind.

Wer nicht bereit ist Geld für Medien auszugeben, der muss halt oft mit dem tendenziösen Mist leben den er vorgesetzt bekommt weil er genau danach sucht. 10 tsd Likes machen eine Meldung noch lange nicht glaubhaft.

14.02.2018 21:18 Udo K 35

@ Mediator 34
Seriöse Zeitungen ohne regierungstreue Berichterstattung??
Wo gibt es die in Deutschland?
Sämtliche Beiträge aus Ihrer Feder könnten genau aus solchen Zeitungen stammen.
Wer hier "Mist" verbreitet, steht außer Frage, Ihre Beiträge sind Beweis dafür.

14.02.2018 20:17 Mediator 34

@Benutzer (33): Sie haben zwar ein Recht auf eine alternative Meinung, aber nicht auf alternative Fakten. Die Fakten zum Einkommen in SN können sie beim Statistischem Landesamt SN abrufen. Dort wird z.B. für die unterste Leistungsguppe in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen durchweg ein durchschnittlicher Bruttolohn zwischen 1800-2300 € ausgegeben. Darüber muss durch unsere sozialen Sicherungssysteme kein Mensch hungern.

@bunter Rheinländer(32): Mit üppigen Sozialleistungen meinen sie wohl die Leistungen unterhalb des H4 Satzes die zu großem Teil eh bereits für Sachkosten draufgehen? Wollen sie sagen, bei den H4 Sätzen ist noch dick Luft nach unten?

@Maria(31): Kleiner Tip an sie: Einfach mal eine seriöse Tages- oder Wochenzeitung lesen. Das bildet und man kriegt weniger Mist erzählt als im Internet. Journalisten sucht man da ja oft vergebens.