Altes Waldheim-Gelände am Arendsee
Im Umfeld des Arendsees in der Altmark soll nach Erdöl gesucht werden. (Archivbild) Bildrechte: Rotherarchitektur Engelskirchen

Altmark Suche nach Erdöl am Arendsee

Ein Mainzer Bergbau-Unternehmen will um den Arendsee nach Erdöl und Erdgas suchen. Die Genehmigung dafür gibt es schon. Aber Bürgerinitiativen sind dagegen: Sie haben Bedenken wegen des Umweltschutzes und befürchten negative Folgen für den Tourismus.

Altes Waldheim-Gelände am Arendsee
Im Umfeld des Arendsees in der Altmark soll nach Erdöl gesucht werden. (Archivbild) Bildrechte: Rotherarchitektur Engelskirchen

Im Norden Sachsen-Anhalts will ein Geophysik-Unternehmen nach Erdöl und Erdgas suchen. Das Landesamt für Geologie und Bergwesen hat entsprechende Untersuchungen auf einem Gebiet von 172 Quadratkilometern um den Arendsee bereits Ende Juni erlaubt.

Bis Mitte 2024 darf das Unternehmen mit Sitz in Mainz dort den Boden durchsuchen. Dabei geht es laut Landesbergbauamt zunächst darum, herauszufinden, ob es überhaupt Erdölvorkommen gibt. Das heiße nicht, dass dort in nächster Zeit gebohrt werde.

Betroffene Gemeinden nicht informiert

Das Gebiet, in dem nach sogenannten Kohlenwasserstoffen gesucht werden darf, erstreckt sich über Ortsteile der Stadt Arendsee und der Stadt Kalbe/Milde im Altmarkkreis Salzwedel sowie Ortsteile der Altmärkischen Höhe, Seehausen und Osterburg im Landkreis Stendal.

Keine der betroffenen Gemeinden sei über die Pläne informiert worden, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von der Bürgerinitiative "Saubere Umwelt und Energie Altmark"  und der "Fridays for Future"-Ortsgruppe von Salzwedel. Laut Bergamt habe es eine Arbeitsgruppe gegeben, die sich mit dem Antrag beschäftigt hat. Dieser Arbeitsgruppe gehörten demnach zum Beispiel auch die beiden betroffenen Landkreise an.

Proteste gegenGasförderung 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mi 04.12.2019 19:00Uhr 02:28 min

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Gemeinden können sich wehren

Das Mainzer Erdgasförderungsunternehmen benötigt Straßensondernutzungsrechte, um mit ihren Fahrzeugen zum Beispiel das Gas transportieren zu können. Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling sagte, dass so Erdgasförderungsprojekte in anderen Teilen Deutschlands bereits erfolgreich verhindert worden seien.

Umweltingenieur Bernd Ebeling klärt über die möglichen Konsequenzen und Risiken der Erdöl- und Erdgasförderung auf.
Bernd Ebeling klärt über die möglichen Konsequenzen der Erdölförderung auf. Bildrechte: MDR/Felix Moniac

MDR SACHSEN-ANHALT sagte Ebeling: "Die Gemeinden können dem Erdgas oder Erdöl-Unternehmen verweigern, dass sie Sondernutzungen für ihre Gemeindestraßen haben. Oder sie brauchen denen auch keine Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Dazu sind sie nicht verpflichtet. Und das ist schon mal ein scharfes Schwert, womit man solche Projekte behindern oder verhindern kann."

Sorge um Tourismus am Arendsee und Umweltschutz

Die Bürgerinitiative und Fridays for Future Salzwedel befürchten unter anderem, dass Arendsee als Tourismusstandort bedroht wäre, sollten Erdöl- oder Erdgasvorkommen entdeckt werden. Und die Gegend um den Arendsee ist eines der wichtigsten touristischen Gebiete der Region. Der tiefe Badesee wird auch "Perle der Altmark" genannt. Das Landesbergamt erwiderte auf die Bedenken, dass der Arendsee und seine Randgebiete ausgespart seien.

In Zeiten der Klimakatastrophe ist es ein absoluter Wahnsinn, noch Erdgas fördern zu wollen. Der Klimawandel zeigte jetzt schon dramatische Auswirkungen: Bäume sterben, Wälder sterben, die Ernten werden immer magerer.

Dorothea Frederking, Landtagsabgeordnete der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Veranstaltungsort in Kakerbeck zur Grube in Brüchau
Altmärker setzen sich für die Auskofferung der Giftschlammgrube Brüchau ein. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Isabell Hartung



Am Dienstagabend hatten die Bürgerinitiative und Fridays for Future zu einem Infoabend nach Arendsee eingeladen. Dabei ging es in erster Linie um Austausch und Aufklärung. Denn in der Altmark wurden bereits zu DDR-Zeiten Erdöl und Erdgas gefördert – und das hat für Probleme gesorgt. Dazu gehören Altlasten wie verstrahlte Erdgasrohre, die weiterhin in der Altmark liegen und die Giftschlammgrube Brüchau.  

Quelle: MDR/mh,mx

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Dezember 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 07:00 Uhr

3 Kommentare

totalitaere Meinungsdiktatur vor 6 Tagen

Es geht um Profit, da wäre mir die Umwelt egal, Hauptsache Kohle. Es wird doch alles getan um den Konsum zu befriedigen, da muss man auch Opfer bringen.
Die Windmühlen sind viel schlimmer.

Jan vor 6 Tagen

Ich hoffe nur, dass dieses Projekt nicht in die Realität umgesetzt wird.

Steffen 1978 vor 6 Tagen

Sicher wird da sofort protestiert und alle Geschütze aufgefahren die es gibt

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