Laube aus Holz, außen mit bunten Vogelhäuschen und Brandspuren
Die Polizei ermittelt nach dem Laubenbrand in Arendsee wegen versuchten Mordes. Bildrechte: Sebastian Koch

Ermittlungen wegen versuchten Mordes Nach Brandanschlag in Arendsee: AfD-Kreischef vermutet politisches Motiv

Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf den AfD-Politiker Sebastian Koch in Arendsee im Altmarkkreis Salzwedel ermittelt die Polizei wegen versuchten Mordes. Koch selbst vermutet ein politisches Motiv.

Laube aus Holz, außen mit bunten Vogelhäuschen und Brandspuren
Die Polizei ermittelt nach dem Laubenbrand in Arendsee wegen versuchten Mordes. Bildrechte: Sebastian Koch

Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf den Vorsitzenden des AfD-Kreisverbands Altmark-West, Sebastian Koch, ermittelt die Polizei wegen versuchten Mordes. Das teilte die Polizei dem MDR mit. In der Nacht zum Sonntag hat ein Unbekannter demnach versucht, eine Gartenlaube in Arendsee anzuzünden. In dieser Laube haben Koch und seine Freundin geschlafen. Beide konnten sich unverletzt retten. An der Laube entstand laut Polizei ein Sachschaden von 500 Euro.

Die Polizei schließt ein politisches Motiv hinter der Tat nicht aus. Der Staatsschutz ermittelt nicht, die Mordkommission der Polizei Stendal hat den Fall übernommen. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte die Polizei MDR SACHSEN-ANHALT.

Brandanschlag nach AfD-Sommerfest

Am Sonnabend hatte die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative ein Sommerfest auf dem Grundstück gefeiert. Der Landesvorsitzende der Jungen Alternative, Jan Wenzel Schmidt, verurteilte den Anschlag. Der Vorfall zeige, wie skrupellos gegen die AfD vorgegangen werde, schrieb er in einer Mitteilung. Etwa 100 Besucher haben nach Angaben der AfD an dem Fest teilgenommen, viele hätten danach in Holzhütten und Zelten am Arendsee übernachtet, darunter Kinder.

AfD-Kreischef vermutet politisch motivierte Tat

Sebastian Koch
Der AfD-Politiker Sebastian Koch hatte am Samstag in der Laube mit seiner Freundin übernachtet. Bildrechte: Sebastian Koch

AfD-Kreischef Koch berichtet, dass seine Freundin durch Geräusche aufgewacht sei und gesehen habe, dass eine Person durch das Fenster in die Laube geguckt habe. Die Person habe sehen müssen, dass dort Menschen schlafen, sagt Koch dem MDR. Dennoch sei ein Benzinkanister gegen die Hauswand gestellt und in Brand gesteckt worden. Seine Freundin habe "Feuer, Feuer" geschrien. Der AfD-Politiker ist nach eigenen Angaben davon aufgewacht und konnte mit einem Kleidungsstück das Feuer ausschlagen.

Koch fragt sich nun, wem der Anschlag gelten sollte; ihm als Person, der AfD – oder ob es lediglich eine Zufallstat gewesen sei. "Ich hoffe, dass es nicht gezielt gegen mich war, denn dann schläft man zu Hause auch nicht mehr." Eine Zufallstat wäre ihm daher am liebsten. Doch er vermutet ein politisches Motiv: "Ich denke, das war eine Tat gegen die AfD", sagt er. Denn am gleichen Tag habe die AfD dort das Fest gefeiert. Hinzu komme das Zeitfenster: Um 3 Uhr seien er und seine Freundin schlafen gegangen, um 3.45 Uhr habe jemand den Benzinkanister angezündet.

Entsetzen über Tat in Arendsee

Der Bürgermeister von Arendsee, Norman Klebe, ist von dem Vorfall schockiert. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das ist kein Kleiner-Jungen-Streich. Das ist eine schwere Straftat." Er hoffe, dass der Täter gefunden und seiner Strafe zugeführt werde.

Andreas Höppner (Die Linke,Sachsen Anhalt), während einer Landtagssitzung.
Linke-Abgeordneter Andreas Höppner Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Der Landtagsabgeordnete der Linken für die Altmark, Andreas Höppner, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass sich seit 2015 sowohl die verbale als auch die direkte Gewalt in der Politik erhöht hätten. Diese Form der Auseinandersetzung könne nicht im politischen Sinne sein. "Das ist grundsätzlich nicht tragbar. Dagegen müssen wir uns alle stellen." Das gelte auch für den Fall in Arendsee, sollte es sich bestätigen, dass es einen politischen Hintergrund gebe.

Polizei sucht Zeugen

Nach dem Brand hatte die Polizei am Sonntag den Tatort weiträumig abgesperrt und mit einem Fährtenhund nach dem mutmaßlichen Täter gesucht. Die niedersächsische Polizei unterstützt die Suche mit Fahrzeugkontrollen. Bisher lief die Fahndung erfolglos. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Juli 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 14:00 Uhr

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160 Kommentare

31.07.2019 16:33 störschall 160

@MDR

Und warum können Umgangsformen nicht Teil von Verhandlungen sein?

Warum sind Umgangsformen nicht verhandelbar ???

Weil die Würde des Menschen nicht verhandelbar, nicht veräußerlich und unantastbar ist.

DIE aber, die die Würde und die Rechte ihrer Mitmenschen NICHT respektieren (das tun Nazis leider nicht), müssen mit entsprechenden Gegenreaktionen rechnen.

Und DIESE Gegenreaktionen MÜSSEN aber auch kommen!
Die muss es geben.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT Die politische Auseinandersetzung muss aber auf dem Boden des freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaats geschehen.

31.07.2019 16:27 störschall 159

@MDR SACHSEN_ANHALT

Umgangsweisen können und dürfen NICHT in den Topf der Verhandlungen geworfen werden !

Aber genau DAS tut die afd! Und zwas ganz gezielt. So wie es Trump auch tut.

Das ist nicht Politik, was sich da zeigt, sondern Asozialität.

Über Politik kann man gerne diskutieren.

Aber NICHT über Umgangsweisen.

Und genau an DEM Punkt disqualifiziert sich die Afd als Partei.

31.07.2019 16:22 störschall 158

@ MDR SACHSEN-ANHALT

Die Katastrophe in der wir uns befinden ist die:

Die Politik hat das Jahr 2015 verschlafen.

Sie hat nicht adäquat und zeitnah auf die Situation reagiert, in der wir uns 2015 befunden haben, verursacht durch den Syrienkrieg.

Das WAR einmal.
Man hätte es anders lösen können und es wäre besser gewesen hauptsache irgendwie darauf zu reagieren als gar nicht.

Dieses Problem ist aber Schnee von gestern.
Es existiert nicht mehr.

Aber die Rechten haben es für ihre Zwecke und Ziele missbraucht, und schlachten dieses längst erledigte Thema bis auf weiteres aus.
Wie stehen jetzt deshalb da, wo wir stehen:

Mit einer extremistischen Partei, die vor Diffamierungen, Beleidigungen, offenen Anfeindungen, Diskriminierung und offen hate-speech nicht zurückschreckt.

Wir haben jetzt mit eben dieser bösen-braunen Soße zu kämpfen, die selbst Kindergärten bedrohen!

Das regt mich, sehr gelinde gesagt, sehr auf.

Wer dafür kein Verständnis hat, muss selbst ein Brauner sein.

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