Nachfrage wegen Corona gestiegen Deutschland entdeckt den Campingplatz Arendsee

Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Der Tourismus am Arendsee erlebt ein ständiges Auf und Ab. Nach Niedrigwasser und Blaualgen kam in diesem Jahr die Corona-Sperre. Aktuell ist die Nachfrage nach freien Plätzen jedoch groß. Wegen der Warnungen für Reisen ins Ausland kommen viele Camper nach Arendsee.

Zwischen hohen Nadelbäumen stehen einige Campingwagen
Die Stellplätze zwischen den Kiefern sind belegt: Der Campingplatz Arendsee atmet nach der Zwangspause auf. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Zu spät und etwas holprig – so kann man den Beginn der aktuellen Camping-Saison am Arendsee zusammenfassen. "Normalerweise ist unser Campingplatz ab dem 1. April geöffnet. Dieses Jahr konnten wir erst Mitte Mai aufmachen", erinnert sich Geschäftsführer Michael Meyer. "Wir hatten auch etwas Angst. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt."

Langsam kam die neue Saison dann ins Rollen. "Es ging damit los, dass wir die Sanitärgebäude nur Schritt für Schritt öffnen konnten. Außerdem waren nur Touristen aus Sachsen-Anhalt erlaubt." Mittlerweile ist der Campingplatz wieder weitestgehend im Normalbetrieb. Auch Konsum und Kneipe haben wieder geöffnet, freut sich Meyer. Wegen der Reisewarnungen fürs Ausland kämen viele neue Camper nach Arendsee.

Ein Steg aus grauen Holzbalken ragt in einen See hinein
Der Arendsee am Arendsee erlebt touristisch turbulente Zeiten. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Mittlerweile ist alles wieder offen und auch die Besucherzahlen sehen sehr gut aus. Wir haben schon sehr viele Buchungen für die Ferienzeit in Sachsen-Anhalt. Aber auch jetzt ist es im Vergleich zum letzten Jahr schon ganz ordentlich. Wir können zufrieden sein.

Michael Meyer | Geschäftsführer der Luftkurort Arendsee GmbH

Auch Heidi Worobiow aus der Nähe von Stade ist mit ihrem Mann in diesem Jahr zum ersten Mal an der "Perle der Altmark" unterwegs. "Wir sind Neulinge, wir sind das erste Mal überhaupt hier. Wir haben den Campingplatz im Fernsehen entdeckt." Ihr Wohnmobil steht im Schatten der vielen Kiefern, knappe 200 Meter Luftlinie vom See entfernt. "Wir hatten uns ein Reisemobil zugelegt und wollten los – aber dann kam Corona. Nachdem das Mobil dann ein halbes Jahr nur rumstand, konnten wir uns jetzt endlich auf die Reise machen."

Urlaub in Deutschland – der Campingplatz profitiert

Blick auf einen Campingplatz in einem Nadelwald - auf einem Gebäude steht "Anmeldung"
Viele Gäste und doch gibt es genug Platz für Ruhe und Erholung auf dem Campingplatz. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Ähnlich ging es Astrid Hübel und ihrem Mann aus dem Salzlandkreis: "Wir haben seit ein paar Jahren unser Wohnmobil. Damit sind wir schon immer viel unterwegs. Jetzt sind wir das erste Mal am Arendsee." Die vielen neuen Gäste bleiben auch von "alten Hasen" nicht unbemerkt. Wolfgang und Sigrid Heier aus Salzwedel zum Beispiel belegen seit rund 50 Jahren einen der 470 Stellplätze. "Es ist voller dieses Jahr. Logisch, es will ja kaum jemand ins Ausland. Und hier ist es doch schön", freut sich Sigrid Heier. Das Zusammenleben mit den "Neulingen" klappe ausgezeichnet: "Das ist alles super. Es sind viele Gäste aus Sachsen-Anhalt und Norddeutschland. Dieses Jahr läuft es super hier."

Dabei war auch für das Ehepaar Heier der Start in die Saison alles andere als Routine. "Zum Anfang durften wir herkommen, um unseren Platz zu pflegen. Abends ging es dann wieder nach Hause. Das war eine ordentliche Umstellung", erinnert sich Sigrid. Nun seien sie einfach glücklich, den Sommer über am Arendsee leben zu können. Woanders wollen sie auch gar nicht hin. "Nord- und Ostsee wird wohl dieses Jahr rappelvoll sein", ist sich Sigrid Heier sicher.

Blaualgen und Niedrigwasser am Arendsee lassen Camper kalt

Direkt neben dem Campingplatz liegt das große Strandbad mit Sandstrand. Seit dem vergangenen Jahr fehlt hier wie überall im Arendsee über ein halber Meter Wasser. Zudem musste das Bad im Sommer 2019 immer wieder für einige Tage schließen. Der Grund: Ein Blaualgenteppich trieb über den See. Die Frage, ob sich das auf den Campingplatz ausgewirkt hat, beantwortet Geschäftsführer Meyer mit einem ganz klaren: "Nein!"

Wenn wir einen sehr starken Blaualgenbefall über eine längere Phase hätten, dann würden wir das auf dem Campingplatz merken, weil die Gäste dann auch abreisen würden.

Michael Meyer | Geschäftsführer der Luftkurort Arendsee GmbH

Meyer bleibt optimistisch, auch was die Corona-Situation angeht. "Wir hoffen, dass die Situation ruhig bleibt. Denn Einschränkungen wirken sich immer stark auf den Tourismus aus. Aktuell wünschen wir allen einfach viel Spaß auf dem Campingplatz – und, dass wir gut durch diese Pandemie kommen."

Blick von einem hölzernen Bootsstreg auf ein Strandbad
Das nahegelegene Strandbad lockt – ist aber nicht einziger Anziehungspunkt für die Camper. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener
Ein junger Mann mit kurzem, dunkelblondem Haar steht lächelnd vor einer Betonwand.
Jan-Malte Wagener Bildrechte: MDR/Ann-Sophie Henne

Der Autor: Jan-Malte Wagener Jan-Malte Wagener ist seit Juni 2018 für MDR SACHSEN-ANHALT unterwegs. Seine Schwerpunkte sind Themen im Sport und im Bereich Stendal. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, studierte der gebürtige Prignitzer Journalismus an der Hochschule in Magdeburg. Während des Studiums absolvierte er Praktika beim NDR, bei der Fachzeitschrift "Leichtathletik" und bei der Tageszeitung "The Argus" in Brighton/England. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind der Wissenschaftshafen in Magdeburg und der Bürgerpark in Stendal. In seiner Freizeit guckt er gern jegliche Arten von Sport - egal ob live oder im Fernsehen. Selbst ist er viel mit dem Rad oder laufend im Park unterwegs.

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Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. Juni 2020 | 10:40 Uhr

1 Kommentar

Anhaltiner vor 1 Wochen

"Deutschland" entdeckt den Campingplatz Arendsee. Das ist doch wohl zu sehr optimistisch formuliert. Aber im Politbarometer oder im Deutschland-Trent spricht man ja auch gleich von den Deutschen obwohl nur maximal 1200-1500 befragt wurden. Schöne heile Journalistenwelt.

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