Wasser fließt durch eine Wiesenlandschaft
Auch eine künstlich angelegte Flachwasserzone bei Piplockenburg gehört zum Naturpark Drömling. Die Wiesen werden extensiv gepflegt. Sie sind ein Refugium für Wasservögel. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Gesundes Moor mindert CO2-Ausstoß Der Drömling ist ein Klimaschützer

Sagenumwoben und mystisch. Moore beflügeln seit Jahrhunderten die Phantasie. Wer in den grundlosen Morast stürzte, hatte kaum eine Überlebenschance. Moorleichen lassen erschaudern. Gerade ändert sich das Bild vom grausamen Moor radikal. Denn es kann ein Klimaschützer sein – vorausgesetzt, es wird gepflegt, wie der Drömling.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

Wasser fließt durch eine Wiesenlandschaft
Auch eine künstlich angelegte Flachwasserzone bei Piplockenburg gehört zum Naturpark Drömling. Die Wiesen werden extensiv gepflegt. Sie sind ein Refugium für Wasservögel. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Während in der Altmark Flüsse wie die Ohre oder die Untermilde auf Kilometern kein Wasser mehr führen, profitiert das Moorgebiet Drömling von einer akribischen Wasserregulierung. Das sogenannte Land der tausend Gräben darf nicht austrocknen. Nur so kann verhindert werden, dass es zur CO2-Schleuder wird.

Eine Erfolgsgeschichte im Klimaschutz

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, nennt den Naturpark Drömling an der Landesgrenze zu Niedersachsen eine Erfolgsgeschichte im Klimaschutz. Schließlich speichere das größte Naturschutzgebiet Sachsen-Anhalts in seinem Torfkörper von der Natur her eine riesige Menge an klimaschädlichen Gasen. Sachsen-Anhalt habe mit der Renaturierung des Moores in den vergangenen 30 Jahren verhindert, dass diese Wolke freigesetzt wird.

Wasser fließt durch eine Wiesenlandschaft
Ein "Staubeirat" entscheidet im Drömling, wie der Wasserhaushalt reguliert wird. Dafür gibt es rund 350 Wehre, Staue und andere Anlagen. Niemals sollen die Moore austrocknen.  Davon profitieren Viehhalter, Natur und Klima. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Dabei war über Jahrhunderte immer wieder daran gearbeitet worden, das Niederungsgebiet trocken zu legen. Zuletzt wurde zu DDR-Zeiten ein Meliorationsprogramm umgesetzt, um Flächen für den Ackerbau zu gewinnen. Damit bildete sich allerdings auch die Moorschicht zurück. Laut Jessel wurden in der Folge Unmengen des klimaschädlichen Kohlendioxids freigesetzt. Auch im Westen Deutschlands sei dieser Fehler gemacht worden.

Nur noch fünf Prozent aller Moore in Deutschland sind naturnah. Die meisten wurden entwässert und werden landwirtschaftlich genutzt. Von ihnen gehen nun vier Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland aus. Das ist vergleichbar mit der Menge an klimaschädlichen Gasen, die allein der deutsche Flugzeugverkehr ausstößt.

Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz

Vorreiter bei behutsamer Wiederherstellung einer Moorlandschaft

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz würdigt die Naturparkverwaltung und den "Zweckverband Natur- und Kulturlandschaft Drömling" als Vorreiter bei der behutsamen Wiederherstellung einer Moorlandschaft. Für das Naturschutz-Großprojekt seien seit 1992 gut 21 Millionen Euro geflossen.

Der Drömling

Der Drömling erstreckt sich beiderseits der Landesgrenzen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Das gerade ausgewiesene Biosphärenreservat Drömling umfasst in Sachsen-Anhalt 34.070 Hektar. Niedersachsen muss seinen Part noch als Biosphärenreservat ausweisen.

Für das Naturschutz-Großvorhaben Drömling wurden über 60 Flutmulden und Tümpel angelegt, überflüssige Wehre demontiert und sechs Fischtreppen gebaut. Mit 10.340 Hektar ist das Naturschutzgebiet "Ohre-Drömling" heute das größte in Sachsen-Anhalt.

Wichtigstes Ziel war es, das Niedermoor zu retten, Flächen wieder zu vernässen und den Landwirten für die naturnahe Weidewirtschaft Grünland anbieten zu können. So wurden 800 Hektar Acker wieder zu Wiesen. Heute wird der Wasserhaushalt über 350 Anlagen gesteuert. Ein überregionaler "Staubeirat" entscheidet, wo und wann die Wehre geöffnet oder geschlossen werden.

Das Umsteuern im Drömling kommt dem Klimaschutz zugute – aber auch der Natur. Arten wie Fischotter, Biber, Seeadler, Kranich oder Bekassine sind zurückgekehrt. Zur Wendezeit waren sie so gut wie ausgestorben.

Wolfang Sender, Naturparkverwaltung

Doch bis es zum Umsteuern kam, war es kein leichter weg, weiß der Chef des Zweckverbandes Drömling, Matthias Kausche. Im Drömling sei in den vergangenen Jahrzenten getan worden, was andernorts noch notwendig sei. Das Umsteuern sei ein Prozess mit vielen Diskussionen gewesen, der sich aber gelohnt habe. "Bald wird der Drömling auch ein Unesco-Biosphärenreservat sein."

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. August 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2019, 18:30 Uhr

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