KiEZ Arendsee Ein Ferienlager in Sachsen-Anhalt bereitet sich auf die ersten Gäste nach Corona vor

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Ferienlager in Sachsen-Anhalt sind ab Donnerstag wieder erlaubt. Dann tritt die siebente Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus in Kraft. Das KiEZ Arendsee will schon am Samstag die erste Feriengruppe empfangen und musste dafür ein Hygienekonzept erstellen. Bis wenige Tage zuvor sind jedoch genaue Vorgaben unbekannt.

Schlanke, dunkelhaarige Frau mit grüner Jacke vor Ferienanlage.
Kirsten Hohmeyer leitet das KiEZ Arendsee – das jetzt lange verlassen war. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

"Vor Ihnen liegen neun Hektar absolute Ruhe" – Kirsten Hohmeyer zeigt hinter sich auf die verlassene Kinderferienanlage in Arendsee. Nach langer Corona-Pause erwartet die Geschäftsführerin am Samstag erstmals wieder eine Kindergruppe.

Am Donnerstag treten mit der neuen, siebenten Verordnung des Landes die Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft, die es erlauben, Ferienlager durchzuführen. Natürlich mit Hygienekonzept.

Konkrete Vorgaben für Hygienekonzepte fehlen

Was genau dieses Konzept beinhalten muss, ist für das Team des Kinder- und Erholungszentrums, kurz KiEZ, in der Altmark am Dienstag noch unklar. Konkrete Vorgaben speziell für Ferienlager wurden laut Hohmeyer vom Sozialministerium in Sachsen-Anhalt nicht gemacht.

Sie habe für ihr Hygienekonzept nach Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern geguckt, wo Veranstaltern genaue Vorschriften gemacht worden waren.

Kleinere Gruppen, mehr Räume

Der Kern der Corona-Planung für Ferienlager in Arendsee liegt darin, kleinere Gruppen zu bilden, die sich jeweils näher kommen können. Zum Beispiel um Spiele zu spielen. So dürfen die Kinder und Jugendlichen relativ unbeschwert mit Freunden ihre Freizeit verbringen. Schon vor Corona habe man für Workshops, Sport und Spiele viel in Gruppen gearbeitet.

In einem Saal sind Stühle im Block je mit etwa eineinhalb Metern Abstand ausgerichtet.
Im Kinosaal stehen die Stühle mit Mindestabstand nebeneinander. Zudem können zwei große Sport- und Tanzräume für Kino genutzt werden, sodass mehrere Gruppen gleichzeitig, aber räumlich getrennt, Filme gucken können. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Im Kinosaal stehen derzeit noch einzelne Stühle mit je eineinhalb Metern Abstand – vorgesehen ist aber, dass auch dort die einzelnen Gruppen zusammen sitzen dürfen. Im Speisesaal sollen sie es auch dürfen.

Denn auch im Schlafsaal und in den Sommerhäusern werden kleinere Gruppen zusammenleben – für die genaue Bettenplanung musste Kirsten Hohmeyer die neue Verordnung abwarten – am Dienstagvormittag stand sie noch nicht fest.

Im KiEZ Arendsee stehen 550 Betten zur Verfügung – an den ersten zwei Ferienlagern dieses Sommers nehmen jeweils 50 junge Menschen teil.

Ein Schlafraum mit zwei Betten und einem Doppelstockbett.
Der genaue Bettenplan wird am Donnerstag festegelegt. Dann wird unter anderem entschieden, ob zwei Leute in einem Hochbett schlafen dürfen. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Wer mit viel Abstand schlafen will, könnte die Möglichkeit bekommen. Außerdem wurden kleinere Räume freigemacht, um den Kleingruppen zusätzliche Räume für ungeplante Aktionen zu schaffen.

Aktivitäten sollen aber – wenn das Wetter mitspielt – möglichst draußen stattfinden. Auch das sei aber auch keine Neuigkeit. Ein Trainingslager, das regelmäßig in Arendsee stattfindet, habe schon immer die Belehrung auf der Tribüne im Außenbereich durchgeführt.

Putzen und desinfizieren, aber Mundschutz nur in speziellen Situationen

"Hier in der Anlage ist jetzt erstmal alles grundgereinigt", sagt Kirsten Hohmeyer. Zudem werde jetzt einmal öfter als sonst sauber gemacht. Bevor die Gäste eintreffen, sollen noch Desinfektionsspender aufgestellt werden. In den Sommerhäusern sollen ebenfalls Fläschchen für den Bedarf zur Verfügung stehen. Am Dienstagmorgen lieferte ein Paketbote noch eine Extraladung Mundschutz. Die sollen aber vor allem dann getragen werden, wenn Teilnehmer mit Menschen in Kontakt treten, die nicht Teil ihrer Gruppe sind – zum Beispiel bei der Essensausgabe.

Vier Holzhütten um einen Platz im Wald.
Im Ferienlager Arendsee gibt es 300 Betten in Etagenhäusern und 250 Betten in diesen Sommerhäusern. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Wie so vieles, ist noch am Dienstag, wenige Tage vor dem Neustart, unsicher, ob Essen am Buffet – wie es zum Frühstück normalerweise gehandhabt wird – im Ferienlager möglich sein wird. In Restaurants war es mit der sechsten Landesverordnung verboten. Geplant ist deshalb zunächst, dass verpacktes Essen von den Kindern und Jugendlichen selbst genommen wird, kleine Butterpäckchen zum Beispiel. Unverpackte Mahlzeiten, wie Joghurt oder Salate, sollten individuell ausgegeben werden.

Hier finden Sie die siebente Eindämmungsverordnung

Nach dem Besuch in Arendsee am Dienstagvormittag wurde die neue Eindämmungsverordnung vorgestellt. Buffets sind nun wieder erlaubt, aber der Mindestabstand muss eingehalten und Mundschutze müssen getragen werden.

Kirsten Hohmeyer sagt, das Team im KiEZ Arendsee denke positiv:

Gemeinschaftseinrichtungen mussten ja seit jeher einen hohen Hygienestandard einhalten. Ob das in der Versorgung oder in der Beherbergung ist. Es wurde ja immer drauf geachtet, dass Sauberkeit und Hygiene an der Tagesordnung war.

Kirsten Hohmeyer KiEZ Arendsee

Ein bisschen Bauchweh bleibe aber doch: Was, wenn es dann einen Fall gibt? Aber auch dann müsse man reagieren. So wie es auch in der Vorbereitung nur die Möglichkeit gegeben habe zu reagieren.

Große Herausforderung ist die Abhängigkeit von anderen Entscheidern

In 28 Jahren Betrieb sei es nicht so schwierig gewesen, das Ferienlager zu betreiben, wie jetzt. Auch zuvor nicht – schon zu DDR-Zeiten war das Gelände in Arendsee das zentrale Pionierlager. Selbst zu Wendezeiten seien die Gäste gekommen. Eine große Herausforderung sei nun vor allem die Abhängigkeit von den Vorgaben, die andere – in diesem Fall die Politik – machen, sagt Hohmeyer.

Für 2020 hatte das KiEZ Arendsee eigentlich die Sanierung des Spielplatzes auf dem Gelände geplant, sagt die Leiterin. Die sei nun erstmal abbestellt worden. Mit den Buchungen im Juli und August würde der Betrieb kostendeckend laufen. Danach müsse man vom Speck leben. Ihre Planungswand im Büro hat Kirsten Hohmeyer auch nur bis dahin aufgehängt.

Viele Stornierungen und Mitarbeiter in Kurzarbeit

Einige Tage sind durchgekreuzt, viele sind neongelb markiert. "Die gelben sind die Stornierungen", erklärt die Leiterin der Anlage. Viele Kinderfreizeiten und Klassenfahrten würden mindestens ein Jahr im Voraus gebucht und auch Schulen könnten mit Corona nicht spontan planen.

Die Mitarbeiter des KiEZ Arendsee sind in Kurzarbeit. Saisonkräfte werden in diesem Jahr nicht eingestellt. Das Team sei bisher verständnisvoll, "solange es eine Weihnachtsfeier gibt." Und auch Kirsten Hohmann betont, dass sie positiv bleibt – und hofft, dass sie sich das bis Weihnachten bewahren kann.

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Über die Autorin Julia Heundorf arbeitet seit Februar 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist im Landkreis Harz aufgewachsen und hat ihren Bachelor in Halle und Bologna gemacht, den Master Medien, Kommunikation und Kultur in Frankfurt (Oder), Sofia und Nizza.

Nach Magdeburg kam sie für einen Job an der Uni. Zu ihren Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Dörfer westlich von Osterwieck, der Heinrich-Heine-Weg zum Brocken und das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

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Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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