Interview mit Experten für Entsorgungssicherheit Herausfordernde Suche nach Endlager für Atommüll

Das Ende der Atomkraft in Deutschland ist absehbar – 2022 geht das letzte Kernkraftwerk vom Netz. Bereits jetzt läuft die Suche nach einem Standort für ein Endlager auf Hochtouren. MDR Sachsen-Anhalt hat mit Wolfram König, dem Präsidenten des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit über diese Herausforderung gesprochen.

Wolfram König, der Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit
Wolfram König ist Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT: Sie sagen, man kann nicht noch einmal zu einer Entscheidung für einen Standort kommen wie in Gorleben. Das sei ein Fehler gewesen. Was ist diesmal anders?

Wolfram König: Der Bundestag hat uns ein hochkomplexes Verfahren mit auf den Weg gegeben, um schon im Vorfeld der Standortentscheidung ein nachvollziehbares und faires Verfahren zu haben, in dem sich die Bürger sehr früh einbringen können. Derzeit ist das Interesse sicher noch begrenzt. Das wird sich ändern, wenn sich in der ersten Runde die ersten Flächen herauskristallisieren. Das wird im nächsten Jahr sein. Dann stellt das beauftragte Unternehmen, die Bundesgesellschaft für Endlagerung, eine erste Auswertung von geologischen Daten vor.

Was genau soll in dem künftigen Endlager eingebunkert werden?

Es geht um die Rückstände der Atomenergienutzung in Ost- wie West am Ende der Laufzeit, die ja begrenzt worden ist auf das Jahr 2020. Da soll der letzte Reaktor abgeschaltet werden. Es handelt sich um rund 28.000 Kubikmeter in 1.900 Behältern, die in Zwischenlagern in sicherer Form lagern, aber nicht dauerhaft dort stehen bleiben können. Sondern wir brauchen für diese hoch radioaktiven Abfälle ein Endlager in Deutschland. Das hat der Bundestag als Ziel uns mit auf den Weg mitgegeben.

Nach welchen Kriterien treffen Sie die Auswahl? 

Das Endlager muss über eine Million Jahre Sicherheit bieten. Das ist für uns unvorstellbar, aber Geowissenschaftler können über so einen Zeitraum Prognosen abgeben, indem sie in die Vergangenheit gucken und dann nach vorn geschaut eine entsprechende Sicherheitsbewertung abgeben.

Der Ort muss dauerhaft den Abschluss der Abfälle von der Biosphäre gewährleisten. Und er muss vergessen werden können. Das heißt, wir müssen natürlich damit rechnen, dass das Wissen über so einen Standort nicht auf Dauer zu erhalten ist. Das heißt, wir müssen absichern, dass zukünftige Generationen nicht zufällig, unbeabsichtigt in so ein Lager vordringen und sich hochgradig gefährden. Deshalb geht man in die Tiefe. Und in Gesteinsformationen, wo möglichst ausgeschlossen ist, dass sie zukünftig für Rohstoffgewinnung interessant sind.

Kommen auch Salzbergwerke in Frage? Davon gibt es ja sehr viele in Sachsen-Anhalt.

Eine der Lehren aus der Vergangenheit ist – und das sehen wir bei der Asse und in Morsleben – dass man nicht in Bergwerke gehen kann und darf, nachdem sie ausgebeutet worden sind. Durch die Rohstoffgewinnung werden die natürlichen Schichten zerstört, zum Beispiel durch Bohrungen. Man weiß über alte Schächte nicht genau Bescheid. Deshalb sind Bergwerke schon im Gesetz von der Endlagersuche ausgeschlossen. Auch Grundwasserbohrungen in so einem Gebiet sind ein Ausschlusskriterium.

Das Interview führte Karsten Kiesant.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2019, 17:10 Uhr

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1 Kommentar

27.06.2019 19:59 Dipl.-Ing. Volker Goebel 1

es gibt eine Tiefsalz-SCHICHT bei Glasin in M-V die geologisch als eine Super-Welt-Geologie gesehen wird - dort kann man ein DBHD Endlager, sogar mehrere Deep Big Hole Disposal Endlager bauen - Herr König ist ein guter Schauspieler und erfahrener Taktiker und Importeur von Schweizer Ideen - nur sind wir mit Ihm in 20 Jahren nicht weitergekommen - er hat nie eine Standort und eine Planung vorlegen können - Schade - MfG Ing. Goebel

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