Salzwedel Ohne Publikum: Wie der Bandwettbewerb "Local Heroes" trotz Corona stattfinden soll

Alexander Klos, MDR-Reporter im Studio Stendal
Bildrechte: MDR/Felix Moniac

"Local Heroes" – Deutschlands größter Bandwettbewerb geht in diesem Jahr neue Wege. Der Grund dafür ist natürlich die Corona-Pandemie. Bands sollen und wollen trotzdem gefördert werden und auf einer Bühne spielen. Statt der üblichen Vorausscheide gibt es Coachings. Spielen ohne Publikum, dafür vor der Kamera – eine Chance für den derzeit stillgelegten Musikbetrieb.

Musiker auf der Bühne 3 min
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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mi 12.08.2020 19:00Uhr 02:35 min

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Das Bundesfinale des Bandwettbewerbs "Local Heroes" – normalerweise ist das ein gewaltiges Klangerlebnis, gepaart mit Jubel und Applaus für die Künstler von morgen. Bands aus 15 Bundesländern sind allein im vergangenen Jahr mit dabei gewesen. Fans aus ganz Deutschland sind 2019 in den Norden Sachsen-Anhalts zum Bundesfinale nach Salzwedel gereist, feierten ihre Musik und am Ende des Tages die Thüringer Band "Me on Monday" als "Beste Newcomer Band" 2019. Doch im Corona-Jahr 2020 ist alles anders.

Es ist sehr ruhig am eigentlichen Veranstaltungsort, im Salzwedeler Kulturhaus. Die Managerin des "Local Heroes", Julia Wartmann, hat einen leeren Saal vor sich. Nur wenige Stühle stehen noch vor der Bühne. Tische sind aufeinandergestapelt, das Licht ist gedimmt, die großen Scheinwerfer bleiben aus.

Wartmann ist nachdenklich. "Im letzten Jahr hat hier hinter mir die Bühne wirklich noch gebebt und da haben wir tolle Bands dabei gehabt", erzählt sie. "Das wird es so wahrscheinlich in dieser Form nicht geben können, weil wir es gar nicht dürfen und weil Pop-Musik auch eher funktioniert ohne Abstand und mit viel Schwitzen und mit viel Mitsingen. Wir erfinden uns da ein bisschen neu und beobachten die aktuellen Regeln, in denen wir uns bewegen dürfen."

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Es gibt Plan A und B

Ein leerer Konzertsaal
Eigentlich sollte hier im November die Bühne beben. Doch "Local Heroes" wird wahrscheinlich nicht mit Publikum im Kulturhaus in Salzwedel stattfinden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Stillsitzen ist für die Managerin des "Local Heroes" und ihr Team aber nicht angesagt. Bis alle Fragen geklärt sind, suchen die kreativen Köpfe des Wettbewerbs nach anderen Ideen fürs große Finale, sagt Wartmann. "Es gibt Ideen für Plan A und Plan B. Plan A ist natürlich, dass wir immer noch Konzerte veranstalten dürfen. Plan B, dass wir auch in den digitalen Raum wechseln. Aber nicht als Livestream, weil das für Newcomer, wer sich damit auskennt, immer ein bisschen schwierig ist, sich da auch bestmöglich und auf den Punkt zu präsentieren – und wir machen Musikförderungen." Im Plan B werde es außerdem eine voraufgezeichnete Sendung geben.

Bis zum Bundesfinale im November ist noch etwas Zeit. Doch das Finale für ganz Deutschland lebt von den vielen kleinen Vorausscheiden im Vorfeld. Davon konnten zu Jahresbeginn nur wenige veranstaltet werden. In kleinem Kreis und ohne Publikum geht es aktuell weiter.

Wartmann stellt die Idee vor, wie die besten Nachwuchsmusiker ermittelt werden: "Statt Vorausscheiden haben wir entschieden, Coachings anzubieten. Was den Bands natürlich auch eine große Nachhaltigkeit gibt. Wir laden sie einen Tag zu ein." Das heißt: Jeden Tag kommen Bands nach Salzwedel und erhalten einen kompletten Soundworkshop-Tag. "Und aus diesen Bands finden wir dann trotzdem eine Band, die Sachsen-Anhalt im Bundesfinale vertreten wird", so Wartmann. 50 Bewerber hat es für das Coaching gegeben. Fünf von ihnen sind ausgewählt worden. Eine davon ist die Band "Under Skin" aus Ochtmersleben in der Börde.

Eine Band wird von einer TV-Kamera beim Konzert gefilmt.
Die Bands bekommen in Salzwedel ein Coaching. Dabei wird auch die Band fürs Bundesfinale aus Sachsen-Anhalt ausgewählt. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Nervöser als mit Publikum

Ortswechsel: Wenige Hundert Meter vom Kulturhaus in Salzwedel entfernt steht der Club Hanseat, in dem sich die Macher von "Local Heroes", die Band "Unter Skin" und eine Bar samt Bühne befinden. Soundcheck in Club-Atmosphäre: "Under Skin" machen sich auf der Bühne warm. Die Formation aus Sachsen-Anhalt will beim Bandwettbewerb durchstarten. Ihr Ziel ist das Bundesfinale.

Für Gitarrist Moritz Wippermüller ist das Coaching hier im Hanseat eine spannende Erfahrung: "Von ganz kleinen, ebenerdigen, inoffiziellen Feiern bis größeren Festivalbühnen haben wir schon viel bespielt. Es ist natürlich schon ein Unterschied, ob mit oder ohne Publikum. Mir persönlich gefällt es mit Publikum besser. Da bin ich tatsächlich weniger nervös."

Auf zwei Displays werden verschiedene Kameraeinstellungen angezeigt.
Mit hohem technischen Aufwand wird für jede Band ein Video produziert. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Videodreh als Chance

Der zusätzliche Videodreh im Corona-Jahr ist für den 20-jährigen Gitarristen eine Chance, aber auch eine Herausforderung: "Wir machen hier mit, weil es eine besondere Gelegenheit ist. Bei 'Local Heroes' kann man in diesem Jahr einen Song aufnehmen in Bild und Ton und das ist natürlich eine Gelegenheit, die man nicht so einfach kriegt als Band. Da müsste man ins Tonstudio für oder ein teures Video drehen." Die Band könne dadurch gut Kontakte knüpfen.

Für die Bands bleibt die Hoffnung auf ein Bundesfinale auf einer Bühne. Für die Fans gibt es 2020 ein digitales Trostpaket aus der Talentschmiede von "Local Heroes".

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. August 2020 | 19:00 Uhr

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