Grauhaariger Mann an einem Metallzaun (Rolf Horn)
Rolf Horn hat zu DDR-Zeiten mehrere Fässer mit Arsen in die Grube gelassen. Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Giftschlammgrube von Brüchau Anwohner entsorgte Fässer mit Arsen im Silbersee

Seit vielen Jahren gibt es für die Menschen rund um den so genannten Silbersee von Brüchau in der Altmark nur ein Thema: Die Giftgrube muss weg. Die ehemalige Lehmgrube ist eine Altlast aus DDR-Zeiten. Giftiger Bohrschlamm wurde dort entsorgt. Doch was genau in die Grube geschüttet wurde, weiß niemand. Ein Zeitzeugen berichtet.

Isabell Hartung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

von Isabell Hartung, MDR SACHSEN-ANHALT

Grauhaariger Mann an einem Metallzaun (Rolf Horn)
Rolf Horn hat zu DDR-Zeiten mehrere Fässer mit Arsen in die Grube gelassen. Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Ende April auf einer Bürgerversammlung in Kakerbeck. Unter den Anwohnern sitzt der 72-jährige Rolf Horn. Gerade schildert der Betreiber der Giftschlammgrube in Brüchau , die im Volksmund nur "Silbersee" genannt wird, welche Untersuchungen vor Ort gemacht werden. Es geht darum, was am Ende mit der Grube passieren wird. Ausheben, oder abdecken.

Zwischen Betreiber, Politikern, Behörden und Anwohnern meldet sich Rolf Horn plötzlich zu Wort: "Ich weiß, dass dort Arsen-Fässer drin liegen. Ich habe sie selbst dort versenkt. Ich kann Ihnen auch genau zeigen, wo das war." Es herrscht Stille im Raum. Später erklären die Behörden dem 72-Jährigen, dass sie seine Informationen bei den Untersuchungen nutzen und ihn dazu nochmal befragen wollen.

"Die sind untergegangen wie ein Stein"

Fünf Monate später – an einem Tag im September – ist der Rentner wieder am Silbersee. Er geht zu der Stelle, an der er die Fässer versenkt haben will. "Das war so zwischen 1975 und 1980, genau kann ich mich nicht mehr erinnern." Horn war damals Mitarbeiter der LPG Brüchau. Deren Vorsitzender habe ihn zu sich gerufen mit dem Auftrag, Fässer in die Grube zu setzen. Hintergrund war, dass Horn einen speziellen landwirtschaftlichen Kran bedienen kann.

"Der hat mir erklärt, dass ich mit 'nem Hebezeug hier hochfahren soll. Da liegen Fässer, die ich vorsichtig reinsetzen soll. Mich so hinstellen, dass ich nicht im Wind stehe und zusehen, dass die Fässer heile bleiben – da ist arsenhaltiger Abfall drin aus der pharmazeutischen Industrie."

Es seien nicht viele Fässer gewesen, nicht mehr als zehn. Wo diese herkamen, weiß Horn nicht. Sie hätten schon dort gelegen "Ich habe die nur vorsichtig in die Grube gehoben und dann waren die weg. Die sind untergegangen wie ein Stein." Horn sagt, er habe sich damals nichts dabei gedacht. "Schließlich hieß es immer, die Grube ist dicht."

"Warten, bis Gras über die Sache wächst"

Im Moment laufen in und an der Grube abschließende Untersuchungen. Es werden Boden- und Gesteinsproben genommen, um den Untergrund und vor allem den Inhalt der Deponie analysieren zu können. Das findet Horn gut, ist aber skeptisch nach all den Jahren, in denen viel gesagt, aber nichts getan wurde.

Wie bei der Bürgerversammlung: Nach der Ankündigung, dass man ihn fragen will, an welcher Stelle er die Fässer entsorgt hat, ist nichts passiert. Bei ihm habe sich niemand gemeldet, sagt er. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass man warten will, bis Zeitzeugen wie ich verstorben sind und Gras über die Sache wächst."

Jahrzehntelange Entsorgung von Giftmüll

In Brüchau wurde zu DDR-Zeiten 40 Jahre lang hochgiftiger Bohrschlamm entsorgt. Messungen hatten in der Vergangenheit ergeben, dass Schadstoffe aus der Deponie austreten. Nach langen Protesten gegen die Grube soll das Gelände saniert werden. Aktuell wird untersucht, welche Materialien genau in der Grube lagern. Anhand der Ergebnisse soll dann entschieden werden, wie die Grube saniert wird.

Isabell Hartung
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Über die Autorin Isabell Hartung wurde in Erfurt geboren und hat in Magdeburg Marketing und Kommunikation studiert. Es folgte ein Volontariat bei der Landeswelle Thüringen. Von 2005 bis 2014 arbeitete sie bei Radio SAW. Seit 2014 ist Isabell Hartung bei MDR SACHSEN-ANHALT, vor allem in der Politikredaktion, tätig.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2019, 16:15 Uhr

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