Giftige Substanzen Erneute Untersuchungen in der Giftschlammgrube Brüchau

Anwohner wollen, dass der Silbersee, eine Giftschlammdeponie im altmärkischen Brüchau, beseitigt wird. Zum dritten Mal wird die Grube untersucht. Nun ist bekannt geworden, dass darin Fässer mit arsenhaltigem Inhalt lagern könnten.

Kräfte in Schutzanzügen untersuchen die Giftschlammgrube in Brüchau.
Fachkräfte ermitteln, welche Gefahr von der Grube ausgeht. Bildrechte: MDR/ Isabell Hartung

In Brüchau in der Altmark laufen derzeit zum dritten Mal Untersuchungen einer Giftschlammgrube, die auch Silbersee genannt wird. Wie der Pressesprecher des Grubenbetreibers Neptune Germany, Stefan Brieske, sagt, geht es darum, herauszufinden, welche Materialien tatsächlich in der Grube gelagert seien.

Dafür bohren derzeit Fachleute an insgesamt 30 Stellen: 21 auf dem Land und neun in dem See. Auf festem Boden gehen die Bohrungen auf etwa vier Meter, wie Brieske berichtet. Dabei werden Gesteins- und Bodenproben entnommen. Bereits vor Ort erfolge eine geologische Erstbegutachtung, um die Bodenbeschaffenheit und farbliche Veränderungen zu beurteilen. Wichtig sei hier, dass die Deckschicht der Grube nicht beschädigt werde, da sie die Giftstoffe vom Grundwasser abschirmt. Anschließend werden die Proben im Labor ausgewertet, welche Bestandteile die Proben aufweisen.

Weidenfläche mit einem Holzstock im Boden
Proben werden an Land und im See entnommen. Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Fässe mit arsenhaltigem Inhalt im See

Grauhaariger Mann an einem Metallzaun (Rolf Horn)
Rolf Horn, ehemaliger Mitarbeiter von LPG Brüchau Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Bei den Prüfungen könnten auch Fässer mit brisantem Inhalt gefunden werden. Darauf hat Rolf Horn aufmerksam gemacht, ein ehemaliger Mitarbeiter von LPG Brüchau. Er selbst hat früher Fässer mit arsenhaltigen Abfällen in der Grube versenkt, wie er MDR SACHSEN-ANHALT sagte.

Damals sei gesagt worden, dass dabei nichts passieren könne. "Ich habe mir da nichts bei gedacht. Erst später, als die Diskussion aufkam, dass hier Dinge verklappt wurden, die hier eigentlich gar nicht reingehören, ist mir das zu Bewusstsein gekommen." Er sei auch lediglich dafür zuständig gewesen, die Fässer ins Wasser hinabzulassen. Wo sie herkamen, wisse er nicht.

Giftmüll seit 40 Jahren

In Brüchau wurde zu DDR-Zeiten 40 Jahre lang hochgiftiger Bohrschlamm entsorgt. Dieser enthält Quecksilber, Säuren und Arsenverbindungen. Messungen hatten in der Vergangenheit ergeben, dass Schadstoffe aus der Deponie austreten.

Die Einwohner in und um Brüchau haben mehrfach gegen die Giftmüllgrube demonstriert. Nach langen Protesten hatte die Landesregierung der Sanierung des Geländes zugestimmt. Bei der Entscheidung, wie diese Sanierung genau aussehen soll, soll ein Erkundungsverfahren helfen. Im Zuge dessen laufen die aktuellen Untersuchungen der Grube.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 20:04 Uhr

2 Kommentare

Hotzenplotz vor 6 Tagen

man sollte erst einmal feststellen ob das Arsen in V oder in III-wertigen Verbindungen vorliegt, die V-wertige Form ist minder giftig. Die giftigsten Arsenverbindungen liefert das III-wertige Arsen.

Mediator vor 6 Tagen

Ein schönes Beispiel dafür, wie in der DDR mit der Natur und den Menschen umgegangen wurde. Hier hat man einfach so weiter gemacht, wie es wohl seit hundert Jahren in Deutschland üblich war, und hat ohne Rücksicht auf Verluste seinen Dreck in irgendeinem bestehenden Loch entsorgt.

Auch im Westen gab es so manche wilde Deponie, aber hier hat man schlicht und ergreifend die Mittel und den Willen gehabt sich von solchen kriminellen Entsorgungstechniken in Richtung umweltschonender Verfahren zu verabschieden.

Auch das ist die Auswirkung von Innovation und Veränderung. Wer immer nur fordert, dass alles so bleiben soll wie es ist, der friert auch seine Probleme ein anstatt sie zu lösen.

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