Der Wundersammler Marc Haselbach auf der Suche nach Wundern in Arendsee

Vesile Özcan
Bildrechte: MDR/ Vesile Özcan

Marc Haselbach ist ein Künstler, der Wunder sammelt. Das macht er, indem er Menschen dazu aufruft, ihm Gegenstände mit besonderen Geschichten zu bringen. Daraus entsteht dann die Wunderkammer, in der die Menschen zusammentreffen und sich über ihre Wunder austauschen.

Ein Mann sitzt auf einem kleinen Stuhl, daneben steht ein Wagen und ein Aufsteller
Marc Haselbach mit seinem Wunderwagen auf dem Marktplatz in Arendsee. Bildrechte: Vesile Özcan

Marc Haselbach ist eigentlich Bildhauer und Nachtwächter. Seit 2003 ist er auf der Suche nach Wundern. Inzwischen hat er schon eine ganze Sammlung aus aller Welt. Mit dem Aufruf "Haben Sie ein Wunder" war er bereits in Ungarn, Japan und Italien.

"Haben Sie eins der Wunder von Arendsee"

Jetzt ist er in Arendsee. Am Mittwoch, 15.Juli, war er zum ersten Mal mit seinem Wagen auf dem Wochenmarkt. Die Einwohnerinnen und Einwohner können ihm in den nächsten Wochen einen Gegenstand abgeben und eine Geschichte dazu erzählen. Haselbach wird am 30.Juli die gesammelten Objekte mit all den Geschichten in der sogenannten Wunderkammer ausstellen. Nach der Ausstellung kann jeder seinen Gegenstand wieder mitnehmen.

Ziel der Aktion sei es, eine Gemeinschaft zu schaffen. "Nur wenn man sich Geschichten erzählt, ist man in der Lage, sich zu verstehen. Wir haben mit der Zeit aufgehört miteinander zu reden. Jetzt ist es wieder soweit. Die Wunderkammer ruft dazu auf, sich mehr auszutauschen", erzählt Haselbach.

Wunderkammern gab es auch schon in der Vergangenheit. "Damals ging es aber viel mehr darum Macht und Reichtum zu zeigen. Es wurde indianischer Schmuck, japanisches Geschirr oder ein Krokodilzahn ausgestellt" erzählt Haselbach. Davon hat er sich zwar inspirieren lassen. Aber für ihn sei es heute viel wichtiger, einzelne Geschichten vor Ort zu sammeln. "Ich habe den Fokus der Wunderkammer geändert. Es soll um Erinnerungen, schöne und traurige Geschichten gehen. Oft sind das ganz einfache Dinge, die uns im alltäglichen Leben umgeben. Vielleicht mal eine Tasse, ein Foto oder ein Spielzeug", beschreibt der Künstler.

Ein Mann sitzt auf einem kleinen Stuhl, ein Mann und eine Frau stehen daneben
Arendseer im Gespräch mit Marc Haselbach über Wunder. Bildrechte: Vesile Özcan

Es können ihm alle Altersgruppen Objekte mit Geschichten bringen. "Meistens kommen zuerst Kinder. Die gehen dann nach Hause und erzählen, dass sie einen Wundersammler getroffen haben. Dadurch spricht  sich das mit der Zeit immer mehr rum", sagt Haselbach.  

Das erste Wunder aus Arendsee

Auch sein erstes Wunder in Arendsee hat er von Kindern. Es ist eine schlichte Taucherbrille. Die Geschichte dahinter ist, dass er mitbekommen hat, wie ein Junge die Taucherbrille verloren hat. Es sind dann viele Tränen geflossen, weil er die Brille von seinem Freund ausgeliehen hatte und einfach nicht mehr gefunden hat. An einem anderen Tag hat Haselbach dann mitbekommen wie zwei Mädchen die Brille unter Wasser im Arendsee gefunden haben. "Ich musste die beiden dann überreden mir die Brille für die Ausstellung zu leihen. Das ist nämlich ein richtiges Wunder", erzählt der Künstler.

Die Objekte, die er sammelt führen während der Ausstellung zu den eigentlichen Wundern. "Es kam in so einer Wunderkammer schon Mal vor, dass sich Leute wieder versöhnt haben oder nach Ewigkeiten wieder gesehen haben", beschreibt Haselbach. Das ist für ihn der Ansporn immer weiter nach Wundern zu suchen und damit für Begegnungen zu sorgen. "Ich bin eine Art Querkontakt für die Menschen", sagt er. Haselbach hat auch schon beobachtet, wie die Menschen dadurch eine ganze Entwicklung durchgemacht haben. So gab es zum Beispiel Menschen, die ihre Wunder und damit auch ganz persönlichen Geschichten anonym abgegeben haben und während der Ausstellung dann doch offen mit dem Namen zu ihren Wundern standen. "Es ist etwas ganz besonders, so eine Entwicklung mitzubekommen", sagt Haselbach.

Ein Mann steht vor dem Eingang zu einem Geschäft
Marc Haselbach wartet vor seinem Wunderladen mit offenen Händen auf neue Geschichten. Bildrechte: Vesile Özcan

Die Orte für seine Wundersuche bestimmt der Künstler ganz intuitiv. "Die Orte suche nicht ich aus, die finden mich. Das ist eine Gefühlssache. Ich merke einfach, dass in einem Ort das Potenzial steckt. Auch bei Arendsee habe ich dieses Potenzial gesehen. Jeder Ort hat seinen Sinn", meint Haselbach.

Wer Haselbach noch ein Wunder vorbeibringen möchte, kann das bis Ende Juli in Arendsee machen.  Sein Wunderladen ist in der Friedensstraße 56. Am 22. und 29. Juli ist er mit seinem Wagen auf dem Markt. Die Ausstellung wird am 30.Juli um 18:00 Uhr im Wunderladen stattfinden.

Als nächstes wird der Wundersammler in Hasselfelde sein und nach neuen Geschichten für seine Wunderkammer suchen.

Vesile Özcan
Bildrechte: MDR/ Vesile Özcan

Über die Autorin Vesile Özcan arbeitet seit April 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist in Augsburg auf die Welt gekommen und in Heilbronn aufgewachsen. Nach Magdeburg kam sie durch ihr Studium im Bereich Journalistik/Medienmanagement.

Nach dem Studium hat sie als Projektleiterin eines interkulturellen TV-Magazins im Offenen Kanal Magdeburg gearbeitet. An ihrer Arbeit fasziniert sie die Gelegenheit, in viele neue Welten eintauchen zu können.

Quelle: MDR/vö

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Juli 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

RoTroBu vor 14 Wochen

Toll der Beitrag über Herrn Haselbach und seinen Wunderladen, Menschen wie er, welche auf die feinen Zwischentöne des Lebens achten, gibt es viel zuwenige in dieser oberflächlichen Zeit. Danke

Rotti vor 14 Wochen

@Wunder
Beim heiligen Abendmahl erleben wir jedes Mal das Wunder der Verwandlung.

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