Die gesperrte Auffahrt zur Bundesautobahn 14 in Richtung Stendal und Schwerin bei Colbitz (Sachsen-Anhalt).
Bislang endet die A14-Nordverlängerung hinter Colbitz im Landkreis Börde. – Im Landkreis Stendal gibt es noch nicht einmal für alle Abschnitte Baurecht. Bildrechte: dpa

Seehausen/Altmark A14-Anrainer klagen für besseren Lärmschutz

Wenn es bei der Autobahn 14-Nordverlängerung zu Verzögerungen kommt, steckten zuletzt meist Umweltschützer dahinter. Jetzt könnten zudem Klagen anliegender Kommunen für Behinderungen bei der Planung sorgen. Statt Umwelt- fordern die Stadt Seehausen und ihre Verbandsgemeinde besseren Lärmschutz. Ein Zwiespalt, denn eigentlich sehnt die Region den Anschluss an die Autobahn herbei.

Die gesperrte Auffahrt zur Bundesautobahn 14 in Richtung Stendal und Schwerin bei Colbitz (Sachsen-Anhalt).
Bislang endet die A14-Nordverlängerung hinter Colbitz im Landkreis Börde. – Im Landkreis Stendal gibt es noch nicht einmal für alle Abschnitte Baurecht. Bildrechte: dpa

Der Weiterbau der Autobahn 14 steht in der Altmark vor neuen Schwierigkeiten. Die Stadt und die Verbandsgemeinde Seehausen sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND haben am Mittwoch Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Das teilte das Gericht mit. Wie Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (CDU) MDR SACHSEN-ANHALT sagte, wollen die Kläger einen besseren Lärmschutz durchsetzen. Nach seiner Darstellung werden nach allen Berechnungen gerade so die Grenzwerte eingehalten. Sollte es ein Einlenken geben, könne die Klage jederzeit zurückgezogen werden.

90 Prozent der Ratsmitglieder sind klare Befürworter der Autobahn und hätten sie lieber gestern als morgen.

Rüdiger Kloth, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Marcus Faber sprach sich für Nachbesserungen beim Lärmschutz aus. Großzügigere Planungen seien in jedem Fall günstiger als weitere Verzögerungen beim Autobahn-Bau. Eine parlamentarische Anfrage des FDP-Politikers ergab: Auf der gesamten Strecke wird für rund 15 bis 20 Millionen Euro lärmmindernder Fahrbahnbelag verbaut. Zusätzlich sollen 8,5 der derzeit geplanten 950,6 Millionen Euro in Lärmschutzwände fließen. Auf vier von acht Abschnitten sei hingegen nicht ein Euro für Schutzmaßnahmen geplant, erklärte Faber.

Webel: Altmark wartet auf A14-Nordverlängerung

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT zu den Klagen, er denke, die Planungsbehörde habe sich an geltendes Recht gehalten. Es stehe der Gemeinde Seehausen aber zu, gegen vermeintliche Benachteiligungen zu klagen. Man warte die Überprüfung ab. Eine Zeitverzögerung befürchte er vorerst nicht. Webel verwies auf eine weitere Klage der Naturschutzorganisation BUND gegen einen sich anschließenden Bauabschnitt in Brandenburg. Dabei gehe es um die Strecke zwischen Wittenberge und der Elbe, so Webel: "Wir könnten eh nicht anfangen zu bauen, weil man eine Brücke nur komplett bauen kann."

Die gesperrte Auffahrt zur Bundesautobahn 14 in Richtung Stendal und Schwerin bei Colbitz (Sachsen-Anhalt)
Die A14 soll die Altmark ans Autobahnnetz anbinden. Bildrechte: dpa

Dennoch seien all diese Klagen "sehr bedauerlich, vor allem für die weit überwiegende Zahl der Altmärker, die auf die Fertigstellung der A14-Nordverlängerung warten". Die Altmark gehört zum größten autobahnfreien Raum Deutschlands. Nach Zahlen des Verkehrsministeriums benötigt derzeit jeder Pendler im Norden Sachsen-Anhalts im Durchschnitt 52 Minuten bis zur nächsten Autobahn-Anschlussstelle. Nach Fertigstellung der A14 sollen es durchschnittlich nur noch 21 Minuten sein. Das entspreche dem üblichen Standard in Deutschland.

Mehrere Millionen Euro für den Naturschutz

Die A14 soll nach der Verlängerung einmal vom Raum Dresden über Leipzig und Magdeburg bis zur Ostsee reichen. Das Gesamtprojekt soll 1,5 Milliarden Euro kosten. In Mecklenburg-Vorpommern ist die neue Trasse fertig, in Brandenburg nahezu. In Sachsen-Anhalt sorgten in der Vergangenheit Klagen von Umweltschützern für Verzögerungen beim Weiterbau. Die Nordverlängerung wird wegen zahlreicher Umweltschutzmaßnahmen auch als "grünste Autobahn Deutschlands" bezeichnet. Tiere, wie Rehe, Fledermäuse und Amphibien, sollen mit mehr als 70 Brücken und Unterführungen allein auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts geschützt werden. Allein im fertigen A14-Abschnit Wolmirstedt-Colbitz floss laut Verkehrsministerium rund ein Viertel der Gesamtbausumme in Naturschutzmaßnahmen.

Die Etappen der A14-Nordverlängerung
Abschnitt Länge Stand
Magdeburg-Wolmirstedt 11,5 km Planfeststellungsverfahren läuft
Wolmirstedt-Colbitz 5,7 km Verkehr rollt seit 2014
Colbitz-Tangerhütte 8,5 km in Bau seit 16.08.2017
Tangerhütte-Lüderitz 14,8 km in Bau seit 27.08.2018
Lüderitz-Stendal Mitte 12,9 km Planfeststellungsverfahren läuft
Stendal Mitte-Osterburg 18,2 km Baurecht
Osterburg-Seehausen Nord 16,8 km Planfeststellungsverfahren läuft
Seehausen Nord-Wittenberge 8,8 km Baurecht

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Mai 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 18:47 Uhr

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5 Kommentare

18.05.2019 12:06 Vielresender 5

Die Autobahn brauch nur bis Stendal gehen,
danach gehen sie alle zu Fuß oder bleiben in
ihrem Ort und Versauern ,die Leute Leben vieleicht noch im 18.Jahrhundert schade um
die Altmark und die die dort Leben ohne A14

17.05.2019 02:10 Wo ist das Lobbyregister? 4

@16.05.2019 13:43 Henry

(Finde das richtig dass mal die Bürger mal melden und nicht die Tiere. Es kann ja nicht normal sein dass Tiere wichtiger sind als wir Menschen.)

Sie sollten ganz dringend damit beginnen, in Systemen und Zusammenhängen zu denken. Damit ihnen Sätze, wie die da oben, zukünftig nicht mehr unterlaufen. Der Inhalt ist nämlich, höflich formuliert, eine Zumutung.

Ich frage mich allerdings, warum dieser Kommentar da oben überhaupt publiziert werden konnte - er hat ja wohl mit dem Thema genau gar nichts zu tun.
Dafür aber mit Sachsen-Anhalt und seiner Bevölkerung. Und mit "Kommunen", die erst nach dem Bau begreifen, was einen BAB rein immissiontechnisch bedeutet. Da könnte natürlich dann doch ein Zusammenhang bestehen...

17.05.2019 01:31 Wo ist das Lobbyregister? 3

@16.05.2019 17:25 Marco Kunze

(Schon die Aussage, man habe sich an die Gesetzmäßigkeiten gehalten, ist eine Ohrfeige für die betroffenen Bürger. Lärmschutz nach BImSchG. ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Nach der Umgebungslärmrichtlinie des Umweltbundesamtes sollten die lärmpegel deutlich niedriger ausfallen.)

Absolut richtig! Allerdings stelle ich mir die für dieses Bundesland kontexttypische Frage, warum die "betroffnen Kommunen" ERST JETZT darauf kommen, wie in Schland BABs "durchgesetzt" werden? Was haben die Kommunalparteifreunde aka "unsere Politiker" denn gedacht? Dass in SAH nach anderen Normen gebaut wird? Weil die dort so nett sind? Und vorher ausgiebig den B.U.N.D. beschimpft haben?

Wie sprach noch 007? Ihr wolltet es - hier habt ihr es.

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