Baustellenbesuch Wie es um die Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Stendal steht

Die große Flüchtlingswelle ist zwar vorbei – dennoch ist Sachsen-Anhalts bisher einzige Erstaufnahmestelle in Halberstadt am Limit. Auf der ehemaligen Anlage der Grenztruppen in Stendal wird deshalb an einer weiteren Aufnahmestelle gebaut. Bis zu 1.000 geflüchtete Frauen und Kinder sollen dort künftig Platz finden. 30 Millionen Euro werden investiert. Ein Besuch.

Bauschild an Gelände zur Erstaufnahme für Flüchtlinge in Stendal
In Stendal sollen künftig geflüchtete Frauen und Kinder sicher untergebracht werden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Rund einen Kilometer südlich von Stendal wird derzeit an einer Unterkunft für Flüchtlinge gebaut. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant. Dann sollen in der neuen Erstunterkunft bis zu 1.000 hilfsbedürftige Frauen und Kinder Platz finden. Die Kosten für den Umbau des Geländes betragen insgesamt rund 30 Millionen Euro. Davon trägt der Bund 21 Millionen Euro, den Rest übernimmt das Land.

Sven Engel vom Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt sagte MDR-SACHSEN-ANHALT, um die Kosten in Grenzen zu halten, solle aber nur das erneuert werden, was erneuert werden muss: "Was gut war, wird auch erhalten".

Schimmel und Müll nach Jahren des Leerstands

Allerdings zeigt sich nach Jahren des Leerstands an vielen Stellen ein Bild der Zerstörung. So gibt es zahlreiche Müllecken und zerstörte Scheiben. Das gilt vor allem für die zwei Wohngebäude. Bevor hier Geflüchtete untergebracht werden können, müssen noch Altlasten entsorgt werden. Laut Engel wurden bereits erste Firmen mit der Beseitigung von Schimmel beauftragt. Auch die Fassade werde saniert.

Was den Innenausbau angeht, würden anschließend Fenster, Türen, Fußböden und der Sanitärbereich erneuert. Ziel sei es, nach dem Umbau ein einwandfreies Gebäude übergeben zu können, erklärt Engel.

Neue Flüchtlingsunterkunft in Stendal – Besuch auf der Baustelle

Bauschild an Gelände zur Erstaufnahme für Flüchtlinge in Stendal
Rund einen Kilometer südlich von Stendal wird aktuell an einer Unterkunft für Flüchtlinge gebaut. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Bauschild an Gelände zur Erstaufnahme für Flüchtlinge in Stendal
Rund einen Kilometer südlich von Stendal wird aktuell an einer Unterkunft für Flüchtlinge gebaut. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Eingerüsteter Neubaublock
In der neuen Erstaufnahmestelle sollen bis zu 1.000 hilfsbedürftige Frauen und Kinder Platz finden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Bauarbeiten in marodem Gang eines Gebäudes
Allerdings zeigt sich auf dem Gelände nach etlichen Jahren des Leerstands an vielen Stellen ein Bild der Zerstörung. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Raum mit Werktisch, in dem die Tapete von den Wänden kommt
Überall finden sich Müllecken und zerstörte Scheiben – besonders in den künftigen Wohngebäuden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Mann in Arbeitsschutz steht vor Bauplan auf Baustelle
Sven Engel vom Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt weiß, wo noch angepackt werden muss, bevor hier Menschen einziehen können. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Raum mit offenem Mauerwerk und kaputter Decke
Was den Innenausbau angeht, müssen Fenster, Türen, Fußböden und der Sanitärbereich erneuert werden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Zwei Männer mit Schutzhelmen in Gang, der von Schimmel befallen ist
Für das Entfernen von Schimmel und Altlasten wurden bereits Firmen beauftragt. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Baufahrzeug an eingerüstetem Neubaublock
Auch die Fassade wird saniert. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Menschen mit Schutzhelmen auf Baustelle
Mit den Sanierungsmaßnahmen werden hauptsächlich Firmen aus Sachsen-Anhalt und der Altmark beauftragt. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Blick aus Fenster auf Baugerüst und alte Halle
Zu dem Areal gehört auch die frühere Kantine – sie wird zur Großküche ausgebaut. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Blick auf Baugerüst und Gelände mit Schornstein und alter Halle
In diesem Flachbau soll künftig die Verwaltung untergebracht werden. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
Städtewappen an Wand mit Schimmelbefall
Ursprünglich wurde das Gelände für die Grenztruppen der DDR errichtet. Nach der Wende diente es Polizei, Staatsanwaltschaft und Bundeswehr. Im Kreiswehrersatzamt Stendal mussten junge Männer aus den angrenzenden Landkreisen zur Musterung erscheinen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/Alexander Klos
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Neben der Unterbringung soll es aber noch weitere Möglichkeiten auf dem Areal geben, sagt Engel. So solle der frühere Sportplatz, der jetzt als Lagerfläche dient, nach den Bauarbeiten wieder zum Sportplatz werden – mit Beachvolleyball-Feld und Fußballplatz. So, dass die Menschen dort ihre Freizeit verbringen und Sport machen können. Außerdem werden auf dem Areal zwei Flachbauten hergerichtet – die frühere Kantine als Großküche und ein Verwaltungsgebäude.

Großteil der Baufirmen aus der Region

Mit den Sanierungsmaßnahmen werden dem Bauexperten zufolge hauptsächlich Firmen aus der Region, also Sachsen-Anhalt und der Altmark, beauftragt. Aber auch danach sollen auf dem Gelände neue Arbeitsplätze entstehen. Handwerker würden langfristig benötigt – schließlich müsse die Anlage instandgehalten und unterhalten werden. Hinzu kämen weitere freie Stellen – etwa beim Wachschutz, in der Verwaltung oder der Küche.

Gelände mit Geschichte

Das Gelände im Süden von Stendal hat Geschichte: Einst wurde es für die Grenztruppen der DDR errichtet. Nach der Wende diente es Polizei, Staatsanwaltschaft und der Bundeswehr. Im Kreiswehrersatzamt Stendal mussten junge Männer aus den angrenzenden Landkreisen damals zur Musterung erscheinen. Zuletzt war die Anlage viele Jahre ungenutzt.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Februar 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Adelheid56 vor 14 Wochen

Frage: " ...1.000 Frauen und Kinder sollen aufgenommen werde ....."

Das irritiert mich jetzt etwas. Auf dem Gelände des Ameos Klinikums Bernburg sind ca. 150 Flüchtlinge untergebracht - Frauen mit Kindern, Frauen mit Kindern und Ehemann (Familie). Werden denn dort keine Familien untergebracht? Und warum 1.000, wenn hier vorübergehend Bernburg für 150 alleinstehende Frauen, Frauen mit Kindern und Familien ausreicht? In Halberstadt sind nur Männer. Werden aus den 150 bisher erfassten "besonders Schutzbedürftigen" von jetzt auf nachher 1.000 ???
Frage: Wann können die max. 150 Flüchtlinge aus dem Ameos Klinikum Bernburg in Stendal einziehen, denn für die Anwohner hier (Pflegeheim, Patienten im Park des Klinikums, auf "0-Meter" Abstand benachbarten Anlieger usw. ist jeder Monat, vor allem Frühjahr - Herbst, eine nicht vertretbare Belastung!!!
Was wird getan für diejenigen Bürger?

Rotti vor 14 Wochen

Es wäre zielführend, wenn man da die Bevölkerung mal gefragt hätte, ob sie Asylanten will oder nicht. Ich meine, dass das zu einer Demokratie unbedingt gehört. Oder etwa nicht?

Benutzer vor 14 Wochen

Dachte das die Zahlen sinken? warum muss man ein neues errichten

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