Freizeitanlage wiederbelebt Stendaler Bürgerpark wird zur Mountainbike-Strecke

Der Stendaler Bürgerpark blickt auf eine lange Geschichte zurück. Doch in den vergangenen Jahren lag die Anlage im Dornröschenschlaf und verkam zur illegalen Müllkippe. Nun haben Mountainbiker den Park wieder erweckt.

Mountainbike-Strecke im Bürgerpark Stendal
Der Bürgerpark Stendal ist mittlerweile ein beliebter Ort für Mountainbiker Bildrechte: MDR/ Jan-Malte Wagener

Am Anfang war der Bürgerpark: "Ein fahrradbegeisterter Mensch hat das Gelände gefunden und angefangen, hier erste Rampen und Sprünge zu bauen", erinnert sich der Vorsitzende der Bikefreunde Stendal, Mirko Adelhardt. Und weil sich so etwas in der Szene schnell rumspricht, wurden es immer mehr Menschen, die sich an dem Projekt beteiligten. Sie bauten neue Rampen, bretterten mit ihren Rädern die Pisten runter. "Man sieht auch im Stadtbild die Mountainbikes sehr oft. Das zeigt, dass es doch ein Interesse am Fahren auf einer geeigneten Strecke gibt."

Immer mehr Rampen, Hügel, Steilkurven werden seitdem in den Bürgerpark gebaut. Alles Marke "Eigenbau", erklärt Adelhardt: "Das Prinzip ist, dass man sich über das Bauen, das ständige Umbauen und das Weiterbauen die Kenntnisse aneignet um gute Sprünge zu konstruieren."

Ein Park mit Geschichte

Mit dem Bau der Mountainbike-Sstrecke schreiben die Bikefreunde ein neues Kapitel in der Geschichte des Bürgerparks. Der wurde 1895 der Stadt übertragen. Schnell wurde er zu dem Stendaler Ort für einen Wochenendausflug: "Da gab es eine Gaststätte, da gab es Erholung, sogar eine Sportarena!", weiß Günther Mittendorf, der an einem Buch über den Bürgerpark mitgewirkt hat. Auch mit einem Aussichtsturm, einem Teich sowie dem Liebespavillon lockte der Park. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er zum "Puschkinpark" umbenannt, weite Teile wurden militärisches Sperrgebiet der Sowjets.

Nach der Wende gab es dann den Versuch der Stadt, dem Bürgerpark neues Leben einzuhauchen. "Sie haben sogar einen zweiten Teich angelegt. Auch die Wege haben sie freigemacht und Gehölz aus dem Weg geschafft. Man hat versucht den Wildwuchs zu beseitigen und den ursprünglichen Zustand des Parks wiederherzustellen", so Mittendorf.

Park geriet in Vergessenheit

Doch zu alter Beliebtheit fand der Park nicht zurück, berichtet Stendals Stadtsprecher Armin Fischbach. "Es lief sich einfach tot. Es war zu weit ab vom Schuss. Wir haben in der Innenstadt den Stadtsee, den Schwanenteich und die grünen Wallanlagen. Deswegen hat das Interesse für den etwas abgelegenen Park gefehlt." Und deswegen geriet der Park auch bei der Stadt in Vergessenheit.

Umso glücklicher ist man, dass die Bikefreunde sich nun um Teile des Parks kümmern. "Wir finden es toll, allein schon weil der Bürgerpark wieder sinnvoll genutzt wird. Sind wir mal ehrlich, der Bürgerpark hat in den vergangenen Jahren nicht den besten Eindruck gemacht was Pflege und Wege angeht. Durch die Bikefreunde sind da jetzt engagierte Leute, die dort ihren Sport ausüben und uns gleichzeitig die Pflege etwas erleichtern", so Fischbach.

Und auch Hobbyhistoriker Mittendorf ist angetan: "So ist wenigstens Leben drin. Das sorgt dafür, dass nicht gleich jemand kommt, der da sein Auto ausleert und wieder illegal Müll entsorgt. Vielleicht zieht das auch andere Leute in den Park."

Ein älterer Mann steht neben der Mountainbike-Strecke im Bürgerpark Stendal.
Mirko Adelhardt ist der Vorsitzende der Bikefreunde Stendal. Bildrechte: MDR/ Jan-Malte Wagener

Mountainbiken, ein risikoreicher Sport

Rund 30 Leute sind schon jetzt regelmäßig im Bürgerpark unterwegs – so viele Mitglieder haben die Bikefreunde Stendal mittlerweile. Tendenz steigend. Für Biker Johannes Behnrens kein Wunder: "Es ist der Adrenalinkick, sich einfach mal zu überwinden und einen fünf Meter hohen Sprung zu wagen. So kann man sich dann an noch größere Rampen rantasten. Das macht es für mich aus." Regelmäßig treffen sich die Bikefreunde zum Training. Dabei gilt ein Mindestalter von 10 Jahren. "Es ist ein gefährlicher Sport", erklärt Adelhardt. Verletzungen gehören mit dazu.

Gerade das ruft auch die Stadt mit auf den Plan: "Das grundlegende Problem sind die Haft- und Sicherungspflicht. Der Bürgerpark ist Eigentum der Stadt. Dementsprechend sind wir als Stadt sicherungspflichtig. Wenn etwas passiert, werden wir haftpflichtig", so Stadtsprecher Fischbach. Die Lösung: im vergangenen Jahr haben sich die Radsportenthusiasten zu einem Verein zusammengeschlossen, eben jenen Bikefreunden Stendal. "Dadurch dass die Bikefreunde ein Sportverein sind, können wir mit ihnen einen Vertrag schließen. Die Freunde bekommen als Sportverein einen vergleichsweise günstigen Versicherungstarif und können der Sicherungspflicht nachkommen."

EIn Mann steht auf einer Holzbrücke im Bürgerpark Stendal
Biker Johannes Behrens steht auf einer Überführung. Er hat sie selbst mit aufgebaut. Bildrechte: MDR/ Jan-Malte Wagener

Außerdem habe die Stadt die Umnutzung des Parks in die Wege geleitet. Dadurch wird das Mountainbiken im Bürgerpark legal. Eine Baugenehmigung für die Rampen brauchte es dabei nicht. "Jede Rampe und jede Steilkurve zählt als eigenes Element. Dadurch zählt der gesamte Parcours nicht als große Anlage und ist deshalb nicht genehmigungspflichtig."

Ein Park für alle

Aus Sicht der Bikefreunde gibt es im Bürgerpark noch viel zu tun. Als nächstes wollen sie etwas für die Fußgänger tun, skizziert Adelhardt: "Wir wollen den Fußgängerbereich noch mehr öffnen, die Wege noch besser erschließen. Da sind wir noch nicht am Ziel." Bereits jetzt haben die Freunde neben den Radstrecken auch Fußwege ausgeschildert.

Mit ersten Erfolgen: "Wir sehen zunehmend mehr Spaziergänger mit Hunden. Wir haben auch Bänke installiert, von denen aus man einen guten Blick auf die Radstrecken hat. Da sitzen auch oft Leute und schauen zu." Ein bisschen Wildnis soll dennoch erhalten bleiben: "Wir wollen keine sterile Anlage, wir wollen es naturbelassen halten." Das neue Kapitel in der langen Geschichte des Stendaler Bürgerparks wurde gerade erst aufgeschlagen.

Über den Autor Jan-Malte Wagener ist seit Juni 2018 für MDR SACHSEN-ANHALT unterwegs. Seine Schwerpunkte sind Themen im Sport und im Bereich Stendal. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, studierte der gebürtige Prignitzer Journalismus an der Hochschule in Magdeburg. Während des Studiums absolvierte er Praktika beim NDR, bei der Fachzeitschrift "Leichtathletik" und bei der Tageszeitung "The Argus" in Brighton/England. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind der Wissenschaftshafen in Magdeburg und der Bürgerpark in Stendal. In seiner Freizeit guckt er gern jegliche Arten von Sport - egal ob live oder im Fernsehen. Selbst ist er viel mit dem Rad oder laufend im Park unterwegs.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Juni 2020 | 10:10 Uhr

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