Improvisation ist alles! Fähre "Werben" kann nur mit Betonklotz anlegen

Nach dem Umbau der Fähranleger kann im Norden des Landes die Fähre "Werben" nicht mehr anlegen. Das Elbufer ist zu steil. Damit das Schiff wieder die nötige Neigung hat, ist Einfallsreichtum gefragt. Zwei riesige Betonklötze setzen deshalb nun regelmäßig mit über.

Betonklötze setzen auf Fähre über
Die Betonklötze neigen die Fähre, damit sie die neuen Anleger benutzen kann. Normalerweise parken hier die Fahrräder der Passagiere. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die Elbefähre zwischen Räbel und Havelberg im Landkreis Stendal hat Gesprächswert. Seit Mitte Dezember pendeln dort nämlich auch zwei riesige Betonklötze kostenlos mit über den Fluss. Ihre Last muss sein. Sie verändert die Lage des Schiffes so, dass es die neuen Anleger überhaupt benutzen kann.

Planungsfehler?

Vermessungen an Flussufer, im Hintergrund setzt eine Fähre über
Derzeit wird die neue Fährstraße vermessen. Außerdem soll sich die amtliche "Schiffsuntersuchungs-kommission" zu dem Fall äußern. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Denn seit dem Neubau der Uferrampen klafft zwischen der schrägen Landeklappe und dem waagerechten Fähranleger eine Lücke, die bis zu 20 Zentimeter groß ist.

Die Bauamtsleiterin der zuständigen Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, Simone Kuhlmann, weist die Verantwortung für die kuriose Situation von sich. Kuhlmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Bauleute hätten das gebaut, was geplant war. Ob es einen Planungsfehler gibt, müssten andere prüfen. Ihre Gemeinde sei jedenfalls nicht Auftraggeber der Planung gewesen, sondern das Straßenbauamt. Nun werde untersucht, ob die Fähre überhaupt so betrieben werden kann. Da müsse man erstmal abwarten, so Kuhlmann.

Besser so, als gar kein Fährbetrieb.

Simone Kuhlmann, Bauamtsleiterin Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck

Dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde, René Schernikau, zufolge, hat man sich für die Improvisation mit den Betonblöcken entschieden, um die Fähre nach dem Umbau der Anleger überhaupt noch nutzen zu können. Es gehe schließlich um die Mobilität der Bürger der Region.

Weil es sich um eine Landesstraße handelt, ist der Landesstraßenbaubetrieb Bauherr für die Straße und die Fähranleger. Schernikau erwarte deshalb, dass die Kleinstadt Werben beim Betrieb und Unterhalt der Fähre von Land Unterstützung bekomme.

 Fähre legt an Fähranleger an mit Lücke
So würde die Fähre ohne die ausgleichende Betonlast anlegen: eine unüberwindliche Sprungschanze. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die Elbe ist zwischen Werben/Räbel und Havelberg 170 Meter breit. Die Fähre "Werben" wurde 1990 auf der Werft Havelberg gebaut. Sie war als Gierfähre (ohne Motor) ausgelegt und fährt auch meist als Gierfähre. In Spitzenzeiten setzt sie viermal pro Stunde über.

1997 wurde sie zusätzlich mit einem Dieselantrieb ausgestattet. Der ist auch in diesen Tagen wieder nötig, um das Schiff bei erhöhtem Wasserstand zu bewegen. Wie die Gemeinde mitteilte, verkürzt sich deshalb ab dem 16. Januar der Fährbetrieb montags bis freitags von 20 auf 18 Uhr.

Fähre nach Umbau in Schieflage – kein Transport von schweren Lkw

Mit dem zusätzlich angebauten Motor hatte die Fähre seinerzeit eine kleine Schieflage bekommen. An den alten Fähranlegern war das kein Problem. Aber die neuen sind DIN-gerecht geplant und gebaut, so dass die Fähre nur noch schräg anlandet und der Beton zum Ausgleich nötig ist. Mit dieser zusätzlichen Last hat sich allerdings wiederum die Lage des Schiffes so verändert, dass es schwer beladene Lkw nicht mehr mitnehmen darf.

Fähre an Ufer
Lückenloser Übergang zwischen der Ladeklappe und dem neuen Anleger – das wurde aber nur möglich, weil vier Tonnen Beton an Bord die Neigung der Fähre ausgleichen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Januar 2019 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 14:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

17.01.2019 09:54 Rasselbock 7

Naja, eigentlich sollte man mal schauen was die Typen die das zu verantworten haben für eine Ausbildung haben. Sieht aber alles nach Typen ohne Technikahnung aus dem Bereich BWL oder Verwaltung aus. Sowas nimmt der Ingenieur so oder so meist nicht für voll.

16.01.2019 17:43 Leser 6

Zwischen Theorie und Praxis klaffen eben Welten.

16.01.2019 16:38 maheba 5

So sieht es dann aus wenn in der Verwaltung wirklich nur Verwalter sitzen und keine Fachleute. Zieht immer mehr Kreise.
Planung, Bau und Überwachung wird immer mehr "Dritten" übertragen, der öffentl. Auftraggeber versucht sich so seiner Verantwortung zu entziehen. Hier ist es einfach nur Pfusch, sei es nun bei der Planung oder Ausführung. Der Auftraggeber hätte es bei entsprechender Prüfung vorher feststellen müssen.