Nach Abstimmung im Netz Gedenkstätte "Fischbecker Deichbruch" eingeweiht

Die Deichbruchstelle von Fischbeck gilt als Symbol für das Elbe-Hochwasser 2013. Nun, sechs Jahre später, ist an dieser Stelle eine Gedenkstätte. Sie wurde am Dienstag eingeweiht und hat einen offiziellen Namen bekommen: "Fischbecker Deichbruch". Das gab der Landkreis vor Ort bekannt. Vorher hatte er zu einer Abstimmung im Internet aufgerufen. Daran hatten rund 450 Menschen teilgenommen.

Gedenkstele an Fischbecker Deich wird feierlich enthüllt
Jetzt ist es offiziell: Der "Fischbecker Deichbruch" erinnert an die dramatischen Ereignisse beim Elbe-Hochwasser 2013. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Sechs Jahre nach dem verheerenden Elbe-Hochwasser hat die Deichbruchstelle bei Fischbeck als Symbol für die Katastrophe einen Namen bekommen. Die Bürger hätten sich für die schlichte Bezeichnung "Fischbecker Deichbruch" entschieden, sagte eine Sprecherin des Landkreises Stendal am Dienstag vor Ort.

Das Ergebnis wurde aus einer Abstimmung im Internet ermittelt, zu der der Landkreis aufgerufen hatte. Zur Auswahl standen außerdem die Vorschläge "Schutendeich" und "Der Bruch". 463 Teilnehmer hatten bis Ende April auf der Homepage und der Facebook-Seite des Landkreises ihre Stimme abgegeben. Der Sieger habe sich mit 240 Stimmen durchgesetzt, hieß es weiter.

Auf dem inzwischen sanierten Deich wurde eine Tafel enthüllt. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) sprach von einem besonderen Tag für die Region. Die Erinnerung an die Hochwasserkatastrophe sei bei der Bevölkerung noch immer sehr präsent. Dutzende Häuser waren so stark beschädigt worden, dass sie abgerissen und neugebaut werden mussten. "Die Menschen müssen noch immer mit den Folgen leben", so Wulfänger. 

Gedenkstätte mit Rastplatz und originalen Wrackteilen

Mit Schiffen gestopfte Deichbruchstelle von Fischbeck
Drei Lastkähne "stopften" den Deich. Bildrechte: Landkreis Stendal

Die ebenfalls am Dienstag eingeweihte Gedenkstelle erinnert an die spektakuläre Rettungsaktion im Juni 2013. Die Bruchstelle war mithilfe von Lastkähnen – sogenannter Schuten – weitgehend geschlossen worden. Dafür waren drei Schuten an die Deichbruchstelle manövriert und gesprengt worden. So wurde verhindert, dass weitere Wassermassen aus der Elbe den Elb-Havel-Winkel überfluteten. Mit der Aktion hatten die Einsatzkräfte Neuland betreten: Noch nie zuvor war etwas Ähnliches versucht worden.  

Der Deichbruch von Fischbeck

Am 10. Juni 2013, zwei Minuten nach Mitternacht, konnte der Deich bei Fischbeck den Kräften der Wassermassen nicht mehr standhalten.

Durch die 90 Meter breite Bruchstelle flossen geschätzte 500 m³/s Wasser und fluteten eine Fläche im Hinterland von 150 km².

Quelle: Landkreis Stendal

Luftbild gebrochener Deich von Fischbeck
Bildrechte: Landkreis Stendal

Für die Gedenkstelle wurden nun Wrackteile der Schuten auf eine Betonplatte montiert. Die Teile wie Anker, Seilwinde und Poller seien dafür jahrelang aufbewahrt worden, sagte Wulfänger. Ziel sei es gewesen, die natürliche Patina der Wrackteile zu erhalten. Auf dem Deich am Elberadweg wurde auch eine Schutzhütte mit Sitzgelegenheiten für Spaziergänger und Radfahrer und eine Informationsstele aufgestellt.     

Vom Plan zur Umsetzung Gedenkstätte zum Deichbruch von Fischbeck

Eine Skizze eines Mahnmals
Bildrechte: Marco Schirmer
Eine Skizze eines Mahnmals
Bildrechte: Marco Schirmer
Wartehäuschen, Wrackteile und Gedenkstele an Fischbecker Deich
Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Der Fischbecker Deich war im September 2018 fertig saniert worden. Die Erneuerung eines knapp sieben Kilometer langen Deichabschnitts bis Jerichow hatte vier Jahre gedauert. Mehr als 30 Millionen Euro hat das Land dafür investiert.

"Wir sind zufrieden, dass wir jetzt sichere Deiche haben", sagte Wulfänger. Mit mehreren Projekten zur Rückverlegung von Deichen werde zudem versucht, den Flüssen mehr Raum zu geben, um die Auswirkungen von Hochwasser und die Belastung für die Deiche zu senken.

Erinnerungen an den Deichbruch

In Fischbeck an der Fährstraße war das Haus von Roswitha und Horst Köppe eines der ersten, das damals vom Wasser der Elbe überflutet wurde. Es konnte nicht gerettet werden. Die Rentnerin erinnert sich noch sehr gut an die Zeit.

Ist ja schön, wenn jetzt was daran erinnert. Damit die Radtouristen, die dann durchkommen auch mal wissen, was hier los war. Das spielt noch ne große Rolle. Gerade die, die das nur im Fernsehen gesehen haben, die können das gar nicht verstehen, was wir durchlitten haben. Hätte ich nicht gedacht, dass das so schlimm wird.

Roswitha Köppe, Anwohnerin

Quelle: dpa, MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Juni 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 20:12 Uhr

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3 Kommentare

11.06.2019 13:22 Mediator an Der Wolf(2) 3

Na dann geben sie uns doch einmal die Antwort auf ihre unbewiesene Behauptung!

Da man davon ausgehen kann, dass alle Ortsteile auf die gleichen Hilfsfonds zugriff hatten wirken sie mit ihrer Kritik an Kanzlerin und Presse doch sehr unglaubwürdig.

Gegenfrage: Wie kommts, dass ein einer Großgemeinde die einen schon neue Gehsteige mit Blumenkübeln haben und andere noch nicht? War da auch die Kanzlerin vor Ort, oder spielt sich das alles doch eher auf kommunaler Ebene ab?

11.06.2019 12:30 Der Wolf 2

Ach ja, Fischbeck. Sicher ist dem MDR (und anderen Medien) am allerwenigsten bekannt, dass zum Ort Wust-Fischbeck noch andere Ortsteile gehören, die ebenso vom Hochwasser betroffen waren - und zum Teil auch verheerend. Man möge doch einmal diese Ortsteile aufsuchen und Vergleiche ziehen, was alles in Fischbeck nach der Flut neu geschaffen wurde und was anderswo, dort, wo die Presse und die Kanzlerin gar nicht hingekommen sind. Und vielleicht fragt man sich dann: Ja, ei, wie kommts denn?

11.06.2019 12:05 Wolfgang Bauer 1

ES lässt sich aber auch alles Feiern, selbst negatives. Gratulation!

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