An der Frontseite einer voll besetzten Kaffeetafel steht eine Frau und gestikuliert.
Bei einer Info-Veranstaltung in Uenglingen zieht Christel Stoldt alle Aufmerksamkeit auf sich. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Ehrenamtliche Helfer Im Namen der Opfer: Wieso eine Altmärkerin für den Weissen Ring wirbt

Allein im Jahr 2018 wurden in Sachsen-Anhalt über 175.000 Straftaten registriert. In vielen Fällen werden die Täter vor Gericht gestellt und von einem (Pflicht-)Verteidiger unterstützt. Die Opfer hingegen erscheinen oft allein. Das ist Christel Stoldt aufgefallen, denn sie hat jahrelang als Schöffin beim Gericht gearbeitet. Nach ihrer Pensionierung vor zehn Jahren entschied sie sich dazu, beim Weissen Ring mitzuhelfen und den Opfern in der schwierigen Zeit beizustehen. Um Christel Stoldt geht es in Teil 3 der Serie über Ehrenamtliche Helfer.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

von Nicole Franz, MDR SACHSEN-ANHALT

An der Frontseite einer voll besetzten Kaffeetafel steht eine Frau und gestikuliert.
Bei einer Info-Veranstaltung in Uenglingen zieht Christel Stoldt alle Aufmerksamkeit auf sich. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Es kann jeden treffen, jederzeit. Manch einer bekommt nachts beim Feiern in einer Bar K.O.-Tropfen in den Drink gemischt. Manch anderer wird am helllichten Tag überfallen und zusammengeschlagen. Gefeit ist davor niemand. Doch wenn eine Gewalttat passiert ist, können sich die Opfer an den Weissen Ring wenden. Der Verein kümmert sich um Kriminalitätsopfer jeder Art. Zunächst hören die Mitarbeiter einfach zu, sind für die Opfer da. Doch beraten die Mitarbeiter auch als "Lotsen". Das ist Christel Stoldt, Außenstellenleiterin vom Weissen Ring in Stendal und im Altmarkkreis, sehr wichtig. "Lotse bedeutet, ich zeige Wege auf. Also wir begleiten das Opfer und sagen: 'Hier ist die Hilfe.'" Anweisungen würde Christel Stoldt hingegen niemals geben. Die Arbeit des Weissen Rings beruht auf der freien Entscheidung der Opfer. Wichtig ist vor allem, dass sich niemand alleingelassen fühlt.

Was ist der Weisse Ring?

Zerbrochene Brille auf Straßenpflaster
Der Weisse Ring ermöglicht es Opfern, persönlich oder anonym über Gewalterfahrungen zu sprechen. Bildrechte: imago images / photothek

Der Weisse Ring e.V. hilft Kriminalitätsopfern und deren Familien.

Als Opfer gilt jeder, dem Kriminelles Verhalten widerfahren ist. Das reicht von Cybermobbing und Stalking bis zu Wohnungseinbrüchen, Diebstahl und häuslicher Gewalt. Die Art der Hilfe gliedert sich in zwei Aspekte: die Prävention und die Beratung nach einem Gewaltdelikt. Dafür kommen ehrenamtliche Helfer des Weissen Rings vorbei und beraten die Opfer an einem frei wählbaren Ort. Man kann aber auch über das Opfertelefon oder die Onlineberatung über das Geschehene sprechen. Damit es jedoch nicht erst zum Verbrechen kommt, bietet der Weisse Ring eine Reihe an Präventionsangeboten an. Neben Veranstaltungen vor Ort gibt es auch online ein breites Spektrum an Informationen.

Der Verein finanziert sich zum Großteil durch Nachlässe, aber auch durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Zudem werden Geldbußen zugewiesen. Das sind Geldzahlungen, die für Ordnungswidrigkeiten verhängt werden und direkt dem Weissen Ring zugeordnet werden können. 

Christel Stoldt will aufklären und die Hilfe bekannt machen

Als Außenstellenleiterin berät Christel Stoldt nur noch wenige Opfer persönlich. Das machen ihre zehn ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Sie selbst kümmert sich stattdessen um die Öffentlichkeitsarbeit. "Ich möchte den Weissen Ring bekannt machen", sagt Christel Stoldt.  Denn viele wissen gar nicht, dass sie nach einer Gewalttat Hilfe erhalten können.

Eine Frau mit Kurzhaarfrisur und gestreifter Jacke sitzt an einem runden, schwarzen Tisch.
Christel Stoldt ist es wichtig, die Arbeit des Weissen Rings noch bekannter zu machen. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Deshalb geht Christel Stoldt regelmäßig an Schulen oder in Landfrauenvereine und klärt über die Arbeit des Weissen Rings auf. So auch bei einer Veranstaltung in Uenglingen bei Stendal. Knapp 15 Senioren haben sich bei Kaffee und Kuchen getroffen und den Ausführungen von Christel Stoldt gelauscht. Das Ziel dabei war vor allem, den Weissen Ring und die Hilfsmöglichkeiten vorzustellen.

In Uenglingen war auch Anita Braun, eine langjährige Freundin von Christel Stoldt. Sie hat bei der Veranstaltung viel gelernt, schwärmt aber auch in höchsten Tönen von ihrer Freundin. "Sie hat die Gabe, die Menschen einfach mitzureißen, was sie sagt, kommt rüber." so Anita Braun. Christel Stoldt ist mit Herzblut bei der Sache, wenn es um den Weissen Ring geht. Doch zum Ausgleich macht sie auch viel Sport. So ging es für sie nach der Veranstaltung in Uenglingen direkt weiter zur Wassergymnastik.

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über die Autorin Seit August 2019 ist Nicole Franz im Rahmen eines Praktikums bei MDR SACHSEN-ANHALT. Währenddessen hat sie vor allem die Beitragsserie zum "Gemeinwohlatlas" fürs Radio und für die Website umgesetzt. Gebürtig kommt Nicole Franz aus Würzburg, lebt aber seit zwei Jahren in Leipzig. Ihre ersten Erfahrungen in Sachsen-Anhalt gefallen ihr sehr gut: "Ich gehe gerne an der Elbe spazieren oder esse ein Eis in der Magdeburger Innenstadt". Durch ihre Beitragsserie konnte sie auch weitere Teile Sachsen-Anhalts kennenlernen, unter anderem den Harz, die Altmark und den Saalekreis.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. Oktober 2019 | 09:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2019, 18:06 Uhr

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