Altmark Ein Open-Air-Wohnzimmer für Krevese

Die alte Gutsverwalterscheune auf dem ehemaligen Gelände der Familie Bismarck soll zum Open-Air-Wohnzimmer für die Kreveser werden. Doch der Giebel des Gebäudes drohte einzustürzen. Mit Crowdfunding haben die Eigentümer die alte Scheune gerettet.

Ein Mann steht vor einem eingefallenen Haus.
Ralf Engelkamp und Rainer Kranz haben mittels Crowdfunding die Absicherung des Giebels einer alten Scheune finanziert. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Im altmärkischen Krevese geht das Projekt der Designer Ralf Engelkamp und Rainer Kranz erfolgreich voran. Im ehemaligen Gutshaus der Familie von Bismarck haben die beiden sich ein neues Zuhause eingerichtet. Nun wollen sie ein Wohnzimmer für das ganze Dorf bauen. In der denkmalgeschützten Ruine der Gutsverwalterscheune soll ein "grünes Wohnzimmer" an der frischen Luft entstehen, das alle zu jeder Zeit nutzen können.

Für Familien, Feiern, Theater, das Feierabendbierchen oder eine Skatpartie.

Ralf Engelkamp über die Einsatzmöglichkeiten des Open-Air-Wohnzimmers

Der Giebel der Scheune drohte einzustürzen. Dagegen wollten Engelkamp und Kranz vorgehen – auch, weil neben dem Gebäude ein öffentlicher Weg liegt. Den Einsturz haben Engelkamp und Kranz mit einer Crowdfunding-Aktion verhindert. 2.405 Euro sind bei der Spendenaktion im Herbst 2018 zusammengekommen. Mit dem Geld konnte der Giebel des alten Gebäudes durch eine Holzkonstruktion notgesichert werden. Jetzt können die Bauarbeiten an der barocken Scheune weitergehen.

Mauersteine von 1160

Ein Mann steht vor einem Haufen Ziegelsteine und einem Bagger und hält einen Ziegelstein in der Hand.
Die alten Ziegelsteine, die in die Ruine wieder eingemauert werden sollen, haben das sogenannte "Klosterformat" (7 x 14 x 28 cm). Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Dafür haben sich die beiden Designer die Gartenakademie Sachsen-Anhalt mit ins Boot geholt. Sie will das grüne Wohnzimmer später als Seminarort nutzen und im Gelände einen Schaugarten anlegen. Die Gartenakademie hat Fördermittel vom Bund erhalten, damit das Innere der Ruine vom Bauschutt beräumt werden kann. Später soll der Giebel von innen dauerhaft gesichert werden, wahrscheinlich mit Eisenstangen. Die teilweise erhaltenen Mauern des Gebäudes sollen aufgemauert werden.

Dafür hat Engelkamp große Pläne: Stolz zeigt er Steine, die bei der Beräumung des Geländes gefunden wurden – und aus dem Jahr 1160 stammen.  "Die sind wirklich nicht für die Kippe. Das müssen wir jetzt von Hand irgendwie freipickeln und dann wird das da wieder reingemauert", sagt der ehemalige Berliner. Vor 15 Jahren sind die beiden Designer in die Altmark gezogen. Vom Berliner Stress hatten sie genug. In Krevese fanden sie Ruhe, Platz und schnelles Internet.

450 Jahre Geschichte

Normalerweise ist der Garten im Innenhof des Herrenhauses um diese Zeit ein Farbenmeer. Aber auch hier hat die Trockenheit zugeschlagen. Behutsam richten die Eigner das Anwesen her.
Normalerweise ist der Garten im Innenhof des Herrenhauses um diese Zeit ein Farbenmeer. Aber auch hier hat die Trockenheit zugeschlagen. Behutsam richten die Eigner das Anwesen her. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Von ihrem geschichtsträchtigen neuen Zuhause waren Engelkamp und Kranz schnell begeistert. 450 Jahre war das alte Gutshaus ein Kloster, 350 Jahre der Sitz der Familie Bismarck, danach Industriellenwohnstadt, zu DDR-Zeiten eine Kindereinrichtung. Im Dorf Krevese selbst war die beeindruckende Vergangenheit der Anlage aber kaum bekannt. Selbst der Bürgermeister der Einheitsgemeinde, Nico Schulz, war von der Geschichte des Landguts überrascht: "Ich war zehn Jahre in dem Gebäude Schüler, als es noch die Polytechnische Oberschule Krevese war. Damals hat uns keiner was von der Geschichte der Anlage erzählt."

Die Designer Engelkamp und Kranz haben den angrenzenden englischen Landschaftspark wieder hergerichtet und laden zu Führungen durch Haus, Garten und Park ein. Wie es mit der alten Scheune in Krevese weitergeht, können ihre Besitzer erst sagen, wenn das Innere vollständig beräumt ist. "Momentan tauchen da noch ganz viele Dinge auf – alte Mauern, sogar Kellerräume", erzählt Ralf Engelkamp. Wenn es soweit ist, könnte es eine weitere Crowdfunding-Kampagne geben, um die Scheunenruine mit dem nötigen Inventar auszustatten. In ihrer ersten Crowdfunding-Kampagne hatten Engelkamp und Kranz von einem Grillplatz und einer kleinen Bühne mit Sitzgelegenheiten geträumt.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Herrenhaus (links der Büroflügel des "Atelier Offen") steht die Klosterkirche Krevese. Das Dorf entstand vor mehr als tausend Jahren um das Kloster herum, die Kirche ist der einzige intakte Zeuge.
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Herrenhaus (links der Büroflügel des "Atelier Offen") steht die Klosterkirche Krevese. Das Dorf entstand vor mehr als tausend Jahren um das Kloster herum, die Kirche ist der einzige intakte Zeuge. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. August 2019 | 11:10 Uhr

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