Jiu-Jitsu-WM in Stendal Sanfte Selbstverteidigung und harte Duelle

Bei der ersten offenen Weltmeisterschaft im Jiu-Jitsu fanden rund 80 Sportler aus sieben Nationen den Weg nach Sachsen-Anhalt. In Stendal kämpften sie mit Schlägen, Tritten und Würgegriffen um die begehrten WM-Pokale. Manch ein Athlet kämpfte aber hauptsächlich mit den Behörden.

von Jan-Malte Wagener, MDR SACHSEN-ANHALT

Jiu-Jitsu ist japanisch und heißt übersetzt so viel wie "die Kunst der sanften Selbstverteidigung". Bereits bei der Eröffnung wurde den Zuschauern aber klar: Sanft geht es auf den beiden Wettkampfmatten bei der WM definitiv nicht zu. Meister und Mitorganisator Karsten Ulrich zeigte zusammen mit Vereinskollegin Kornelia Brasche eine einstudierte Jiu-Jitsu-Show.

Brasche versucht in dieser Ulrich anzugreifen, doch der verteidigt sich nach allen Regeln der Kunst, wirft die "Angreiferin" über die Matte und macht sie kampfunfähig. Bei den beiden Profis sind die Bewegungen kontrolliert und aufeinander abgestimmt – im Wettkampf Mann gegen Mann müssen die Teilnehmer später tatsächliche Angriffe des Gegners abwehren und im Extremfall bis zur Aufgabe kämpfen.

Visa-Probleme verkleinern Starterfeld

Direkt nach der spektakulären Eröffnung musste Mitorganisatorin Brasche den Teilnehmern und den rund 400 Zuschauern einen Wermutstropfen servieren. "Wir hatten viele Anmeldungen aus Ägypten, aus Marokko und aus Guinea-Bissau. Doch die Sportler haben aus uns unverständlichen Gründen kein Visum erhalten", erklärte Brasche. Das Auswärtige Amt habe bemängelt, dass die Sportler aus Ägypten keine ausreichende Verwurzelung zu ihrem Heimatland hätten nachweisen können. Demnach sei das Amt davon ausgegangen, dass die Athleten nach der WM nicht in ihr Land zurückkehren würden.

Eindrücke von der Jiu-Jitsu-WM in Stendal
Die Halle war mit rund 400 Zuschauern während der Wettkämpfe gut gefüllt. Bildrechte: MDR/ Jan-Malte Wagener

Für die Kämpfer aus Guinea-Bissau gelte Ähnliches. "Das ist für uns vollkommen unverständlich", beschwerte sich Brasche stellvertretend für die ausrichtende Internationale Jiu-Jitsu Akademie und den Jiu-Jitsu-Verein Sachsen-Anhalt Stendal. "Die Sportler haben in ihrem Heimatland Familie, haben alle einen Job. Der Leiter der ägyptischen Delegation ist sogar Professor an der Universität in Kairo!" Die Jiuka – so werden Kämpfer des Jiu-Jitsu genannt – aus Marokko hätten nicht genügend Eigenkapital vorweisen können, um ein Visum zu bekommen.

Trotz allem standen bei den Weltmeisterschaften in Stendal rund 80 Sportler auf der Matte. Neben deutschen Kämpfern nahmen auch Athleten aus Polen, Georgien, Algerien, Sierra Leone, Russland und der Ukraine teil. Sachsen-Anhalt war vor allem mit Startern vom gastgebenden Jiu-Jitsu-Verein aus Stendal vertreten. Unter anderem fanden aber auch Jiuka aus dem Mansfelder Land und aus Magdeburg den Weg in die Altmark.

Grüne Wiese mit Jiu-Jitsu-Zukunft?

"Grüne Wiese mit Zukunft" – mit diesem Spruch wirbt die Altmark für ihre Region. Vor allem bei den Gästen aus dem Ausland schienen die Stadt und der Kreis Stendal damit punkten zu können. Da die Delegationen aus Polen und Georgien schon Freitagnachmittag angereist waren, nahm Kornelia Brasche sie am Abend mit auf eine Stadtrundfahrt durch Stendal. "Ich habe unseren Sportfreunden die Sehenswürdigkeiten wie das Rathaus mit Marktplatz, das Tangermünder oder das Uenglinger Tor gezeigt. Dann waren wir kurz in Tangermünde, das ist auch ein schönes Städtchen." Der Grund für die Stadtrundfahrt liegt für Brasche auf der Hand: "Wenn wir auf Lehrgängen im Ausland sind, sehen wir meistens nur die Sporthallen, aber nie die Städte. Ich war mittlerweile schon drei Mal in Antwerpen, aber die Stadt selbst habe ich nie gesehen. Das wollten wir hier anders machen."

Eindrücke von der Jiu-Jitsu-WM in Stendal
Nikoloz Kotrikadze freut sich schon auf seinen nächsten Besuch in der Altmark. Bildrechte: MDR/ Jan-Malte Wagener

Bei den Gästen kam das auf jeden Fall sehr gut an. Pavel Badzio aus Stendals Partnerstadt Polawy in Polen war schon mehrfach in der Region. "Ich war 2003 zu einem Schüleraustausch zum ersten Mal in Stendal, danach habe ich die Stadt des Öfteren besucht. Ich hatte Stendal immer als sehr schön in Erinnerung, aber mittlerweile ist sie noch schöner geworden." Nikoloz Kotrikadze aus Georgien kam zum ersten Mal in die Altmark, war aber ebenfalls begeistert: "Stendal ist eine sehr friedvolle Stadt. Ich hoffe, dass ich eines Tages etwas mehr Zeit hier verbringen kann." Sein Meister Avtandil Mikadze ergänzte, dass er sich freuen würde, wenn er bald eine Delegation aus Deutschland in Georgien begrüßen dürfte.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 22. Juni 2019 | 19:00 Uhr

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