Geplante Klinikschließung Krankenhaus in Havelberg soll Seniorenheim werden

Das vor der Schließung stehende Klinikum in Havelberg soll ein Altenheim werden. Patienten sollen dann ambulant oder in Kyritz in Brandenburg versorgt werden. Die Klinik-Mitarbeiter sollen nicht entlassen werden.

Haupteingang des Klinikums in Havelberg (Landkreis Stendal)
Das Klinikum Havelberg soll ein Seniorenheim werden. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Das Krankenhaus in Havelberg im Landkreis Stendal, das vor der Schließung steht, soll ein Seniorenheim werden. Das hat Klinikbetreiber KMG bekanntgegeben. Laut Unternehmenssprecher Franz Christian Meier soll es bereits im März losgehen. Alle Anträge dafür seien gestellt.

KMG plane, Patienten in Havelberg künftig ambulant zu versorgen oder mit einem Shuttle-Bus ins Krankenhaus nach Kyritz in Brandenburg zu bringen, so Meier weiter. Die Arbeitsplätze der 50 Krankenhaus-Mitarbeiter sollen erhalten bleiben.

Klinikschließung wegen roter Zahlen

Seit vergangenem Freitag ist bekannt, dass das Krankenhaus in Havelberg schließen soll. Grund für die geplante Schließung sind dem Klinikbetreiber KMG zufolge vor allem rote Zahlen. Diese schreibe das Haus mit 37 Betten seit einigen Jahren. Meier sprach bei MDR SACHSEN-ANHALT von einem jährlichen Minus von 1,5 Millionen Euro – seit 2015. Auch seien Patientenzahlen und schwere medizinische Fälle zurückgegangen. Jährlich werden etwa 2.000 Patienten ärztlich versorgt.

Sollte das Klinikum zum Seniorenheim werden, wäre es das dritte Altenheim in der Hansestadt.

Die Klinikgruppe KMG

Die Klinikgruppe KMG ist nach eigener Darstellung ein Gesundheitskonzern mit Standorten im Nordosten und in der Mitte Deutschlands und verfügt über insgesamt 3.400 Betten. Das Unternehmen ist 1991 gegründet worden und baut laut eigenen Angaben auf der 100-jährigen Tradition des Kur- und Klinikbetriebes in Bad Wilsnack im Land Brandenburg auf.

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Das geschlossene Krankenhaus in Genthin von außen
Im September 2017 wurde das Krankenhaus in Genthin geschlossen. Bildrechte: MDR/Marila Zielka

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Januar 2020 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2020, 11:00 Uhr

4 Kommentare

ottovonG vor 7 Tagen

Das Problem sind hierbei zeitkritische Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ehe man sich durchringt den Notarzt zu rufen, dieser vor Ort ist, das Problem erkennt und in die nächste Klinik einweist vergeht wertvolle Zeit. Nach Neurupping ist es z.B. ca eine Stunde Fahrzeit von Havelberg. Die Chancen sollten deutlich schlechter sein als in einer Großstadt intensivpflichtige Notfälle zu Überleben. Die Frage ist letztlich warum die Gesundheitsversorgung immer mehr den Bach runter geht trotz höchster Staatseinnahmen aller Zeiten und Privatiesierung zahlreicher Häuser, während sich für pseudoreliogiöse Klimarettung alle Geldschleusen öffnen. Die Lobbys machts am Ende.

Andre0815 vor 7 Tagen

Die Bevölkerung ist um ein Drittel gesunken und (zwar schwer vergleichbar) 2000 Patienten werden von 2,5 Hausärzten im Quartal betreut. Das sind Zahlen, die nachdenklich machen. Ich hoffe, dass der Betreiber das MVZ weiter am Laufen hält, sodass einfache Röntgendiagnostik oder Ultraschall weiterhin vor Ort bleibt. Somit kann die ambulante Behandlung eines kaputten Fingers oder eine Magenspiegelung weiterhin durchgeführt werden. Die Akut- und Notfallversorgung sind durch moderne Rettungswagen mit koordinierendem Notarzt sichergestellt. Da braucht und will kein Patient mehr "zwischengeparkt" werden. Das ist kein Vergleich mit der Vergangenheit, wo ein Barkas mit Trage den Dorfarzt (vom Martinshorn geweckt, Bis 1991/92!) abgeholt hat und erst nach einer halben Stunde am Patienten war.

ottovonG vor 1 Wochen

Sachsen Anhalts Krankenhauslandschaft ist ineffektiv, zu teuer und es wird noch häufiger zu Insolvenzen kommen. Bsp. Uniklinikum MD, 2019: 33 Mio Verlust, dieses Jahr ähnliche Dimensionen, 800 Mio Investitionsstau, fragliche Zunkunftskonzepte und Personalflucht. Kann jedoch nicht insolvent gehen, da "to big to fail". Warum gibt es in MD viele Fachrichtungen doppelt oder 3 fach, warum können die Uniklinken Halle und Magdeburg nicht Verwaltung und Einkauf verschmelzen. Frau Grimm-Benne begleitet mit der SPD die Gesundheitsversorgung seit den 2000ern, warum wurde das Land seit dem nicht Zukunftsfähig gemacht? Auch Sachsen und Thüringen haben Probleme, jedoch weit aus mehr investiert. Das Wolfserwartungsgebiet Altmark ist für niedergelassene Ärzte nicht attraktiv. In Diensten und bei Hausbesuchen kann man irsinnig weit fahren und bekommt es nicht vergütet. Wer zuviel Patienten hat/verordnet wird in Regress genommen. Nur den kranken Kassen geht es noch gut, wer braucht über 100 davon?

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