Völkerverständigung in der Altmark Lüderitz trifft Lüderitz

Das Altmarkörtchen Lüderitz hat eine neue Städtepartnerschaft – mit Lüderitz in Namibia. Am Montag wurde deshalb gefeiert. Die Verbindung hat einen Vorlauf von fast 30 Jahren, soll nun aber von Dauer sein.

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Menschen auf einem Weg vor einem Schild, auf dem Lüderitz steht
Eine Tafel verkündet nun die Städtepartnerschaft zwischen Lüderitz und Lüderitz. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Es gibt Ortsnamen, die sind fast einmalig. Lüderitz ist so ein Name. Orte namens Lüderitz gibt es weltweit ganze zwei: einen in der Altmark und einen in Namibia. Als die Grenzen gefallen waren, vor nahezu 30 Jahren, stellte das der altmärkische Journalist Christian Wohlt fest und schrieb einen Brief nach Lüderitz im Südwesten von Afrika. Und erhielt eine Antwort von einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung namens Elizabeth Swoboda. Beide haben ihre Briefe aufgehoben und sich vor drei Jahren in Lüderitz in Namibia erstmals getroffen.

Briefwechsel schläft ein

Seitdem hat sich Liz, wie Elizabeth Swoboda genannt wird, vorgenommen, Lüderitz in der Altmark zu besuchen. Jetzt hat sie sich diesen Wunsch erfüllt und wurde mit großem Bahnhof empfangen. 1991 landete das Antwortschreiben von Liz aus Afrika auf dem Schreibtisch der altmärkisch Lüderitzer Bürgermeisterin Edith Braun.

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch vor einem Aktenordner
Ortsbürgermeisterin Edith Braun und Liz Swoboda (rechts) wollen die Partnerschaft vorantreiben. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Nach ein paar Briefwechseln schlief die Verbindung ein und wurde erst durch den Besuch Christian Wohlts in Namibia zu neuem Leben erweckt. "Wir wollen eine Städtepartnerschaft eingehen", verkündete Edith Braun bereits vor einem Jahr. Seither hat sich einiges getan. Unter anderem verkündet nun ein großes Schild diese Verbindung über 13.000 Kilometer.

Traum geht in Erfüllung

"Für mich geht ein Traum in Erfüllung", verriet Liz Swoboda sichtlich gerührt, als sie am Montag von Ortsbürgermeisterin Edith Braun, dem Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte, Andreas Brohm, natürlich von Christian Wohlt und weiteren Stadtverantwortlichen begrüßt wurde. Dass ausgerechnet an diesem Tag auch der Chor African Vocals aus Swakopmund in Lüderitz gastierte, war dem Zufall geschuldet.

Die Gruppe aus dem Township in Namibia hatte den Vormittag über mit SchülerInnen des Diesterweg-Gymnasiums zwei Lieder einstudiert. Am Abend wurden die vor großem Publikum in der Lüderitzer Kirche aufgeführt – zu Beginn eines eindrucksvollen Konzerts der Afrikaner. Die Resonanz war so groß, dass die Plätze in der Kirche knapp wurden.

"Die Menschen, nicht nur in Lüderitz, fragen immer wieder nach, was mit der Städtepartnerschaft ist", erzählt Edith Braun. "Aber so voll war unser Gotteshaus schon lange nicht mehr."

Lüderitz und Lüderitz im Vergleich

 Lüderitz, Altmark
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 Lüderitz, Altmark
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Lüderitz in Namibia
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"Gelebte Völkerverständigung"

Selbst Burchart Führer, Honorarkonsul der Republik Namiba, war da. "Wir unterstützen solche Partnerschaften", bekräftigte er. "Das ist gelebte Völkerverständigung. Zumal Namibia und Sachsen-Anhalt ohnehin eine enge Verbindung haben." Damit spielt er auf die ehemalige Schule der Freundschaft an, in der seinerzeit auch fast 500 SchülerInnen aus Namibia lernten.

Schule der Freundschaft

Die Schule wurde in den 1970er-Jahren in Staßfurt gegründet. Hunderte Kinder aus Namibia wurden dort unterrichtet, während in ihrer Heimat Krieg herrschte.

Die Verbindung zwischen Lüderitz und Lüderitz soll weiter ausgebaut werden. Eines ist klar, kündigt Edith Braun an: "Wir werden dieses Band nicht wieder abreißen lassen."

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Annette Schneider-Solis arbeitet seit Mai 1994 für den MDR. Sie ist vor allem als Reporterin für Fernsehen, Hörfunk und Online im Land unterwegs. Ihre Themenpalette ist breit. Annette Schneider-Solis ist in Magdeburg geboren, hat in der Nähe von Stendal Zootechnikerin gelernt, das Abi an der Abendschule gemacht und in Leipzig Journalistik studiert. Seit 1985 arbeitet sie als Journalistin, seit 1994 als Freie, vor allem für den MDR, aber auch für die dpa und ab und zu für verschiedene Zeitungen. Lieblingsorte in Magdeburg hat sie viele - dazu gehören der Stadtpark und der Möllenvogteigarten in Magdeburg und die ländlichen Regionen. Vor allem das weite Grünland in der Altmark und die Felder in der Börde.

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Frau sitzt an Tisch und liest die Altmark Zeitung
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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. Mai 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 19:05 Uhr

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6 Kommentare

08.05.2019 15:05 jackblack 6

Hallo Sachse 43- auf der gesamten Tour ( 3600 km )
habe ich kaum Müll auf der Straße gesehen, im Gegensatz zu vielen Städten, Wäldern, Autobahnen und Straßen HIER, und ich bezweifele, dass sich viele Leute aus Namibia auf den Weg nach Deutschland gemacht haben, dort gibt es zwar geringere Löhne, aber kaum Kriminalität, Drogen und Vandalismus und das Fleisch ist ALLES Bio.

08.05.2019 09:53 Signifi Kant 5

Sehr schön! Könnten Sie ggf noch ausführen, ob die Namensgebung in der Altmark auch etwas mit der Kaufmannsfamilie Lüderitz zu tun hat?

Im übrigen bin ich für die Einrichtung einer direkten Bahn- oder Flugverbindung zwischen den beiden Orten.


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Lüderitz in der Altmark war Stammsitz einer Adelsfamilie mit diesem Namen. Und ja, zu dieser Familie gehörte auch der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz.

08.05.2019 07:22 jackblack 4

War im März auf Namibia-Rundreise, ein sehr schönes und interessantes Land, kann ich sehr empfehlen, tolle Landschaft und Tierwelt und freundliche Menschen, war sicher nicht das letzte Mal.

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