Die Kühe eines Milchbauern stehen auf der trockenen Weide hinter dem Hof
Auch die Dürre hatte vielen Viehhaltern und Milcherzeugern in Sachsen-Anhalt zugesetzt. Bildrechte: dpa

Kampf gegen Preisverfall Milchangebot soll sich an Nachfrage orientieren

Seit Jahren sinkt der Milchpreis immer wieder, Landwirte können kaum wirtschaftlich arbeiten. In Sachsen-Anhalt mussten in den letzten fünf Jahren mehr als 30 Prozent aller Milchviehbetriebe schließen. Die Bauernverbände wollen nun die Landesregierung unterstützen, ein EU-weites Vorgehen gegen den Verfall der Milchpreise zu starten. Das Ziel: Überproduktion verhindern. Das haben sie in Bismark bei einem Krisentreffen beschlossen.

Die Kühe eines Milchbauern stehen auf der trockenen Weide hinter dem Hof
Auch die Dürre hatte vielen Viehhaltern und Milcherzeugern in Sachsen-Anhalt zugesetzt. Bildrechte: dpa

Die Milchbauern in Sachsen-Anhalt fordern ein europäisches Krisenmanagement, um den Verfall der Milchpreise zu stoppen. Darauf haben sich die sechs Interessensverbände der Milchbauern gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis90/Die Grünen) am Montagabend in Bismark in der Altmark geeinigt.

In der Erklärung heißt es, das Milchangebot müsse der Nachfrage angepasst werden. Ähnlich wie beim Erdöl solle so eine Überproduktion verhindert werden. Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sagte, man brauche auf EU-Ebene verbindliche Regeln, so wie im Straßenverkehr. "Wenn der Markt überläuft, brauchen wir eine Geschwindigkeitsbegrenzung, die für alle gilt." Es helfe nichts, auf Freiwilligkeit zu bauen, sondern das müsse verbindlich für jeden Milchviehhalter gelten.

Der Beschluss wurde von den mehr als 100 Bauern fast einstimmig angenommen. Die Landesregierung solle sich für die Forderungen starkmachen, den Milchpreis EU-weit zu regulieren. Laut Agrarministerin Dalbert ist das ein Vorhaben, für das sich die Landesregierung seit Frühjahr 2018 auf EU-Ebene einsetzt.

Milchkrise: 138 Betriebe seit 2014 verloren

Teilnehmer einer Podiumsdiskussion sitzen nebeneinander an einem länglichen Tisch, darunter auch Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert. Im Hintergrund eine Leinwand.
Die Bauernverbände und Ministerin Dalbert haben sich am Montagabend geeinigt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Im Vorfeld des Treffens hatte Matthias Löber, Geschäftsführer des Zuchtverband Rinderallianz, die Erwartung geäußert mit Hilfe der Politik "endlich dauerhaft auskömmliche Erlöse für die Milch zu bekommen". Die extremen Schwankungen beim Milchpreis, nun die Dürre und Futterknappheit belasteten die Bauern seit Jahren.

Die immer wieder abstürzenden Milchpreise hätten in der Vergangenheit Existenzen vernichtet, sagte Sabine Krüger von der Rinderallianz. "Wir haben seit dem 30.09.2014, als Beginn der richtigen Krise, 138 Milchviehbetriebe in Sachsen-Anhalt verloren und das sind sage und schreibe 31,4 Prozent der Betriebe unseres Bundeslandes. Und das, finde ich schon, ist eine Krise."

Energie und Futter seien immer teurer geworden, der Preis für die Rohmilch sei aber anhaltend niedrig, hieß es auf der Veranstaltung. Wenn sich daran nichts ändere, müssten weitere Höfe schließen. Für den Preisverfall der Milch sorgte unter anderem die Überproduktion mit der der Weltmarkt geflutet worden sei, der Wegfall der europaweiten Milchquote, die Erzeuger mit einer Geldstrafe belegte, wenn sie zuviel produzierten, aber auch Lebensmittelkonzerne, Molkereien und der Verbraucher würden zu den niedrigen Preisen beitragen.

"Einigung einmalig und historisch"

Teilnehmer des Treffens äußerten sich positiv über diese Einigung. Es sei ein riesen Erfolg, dass man ein gemeinsames Abstimmungsergebnis erreicht habe, die Landesregierung zu unterstützen. Ein anderer Landwirt sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Dass eine Mengenreduzierung stattfinden muss, das habe ich mitgenommen."

Jochen Dettmer, Präsident des Bauernbundes Sachsen-Anhalt sagte nach der Veranstaltung: "Ich glaube, wir können hier aus Sachsen-Anhalt eine Präzedenzwirkung für die gesamte bundesdeutsche Debatte um den Milchmarkt initiieren." Es sei etwas einmaliges und historisches, dass sich Verbände unterschiedlicher Couleur in der Frage Milchmarkt geeinigt hätten.

Zu dem Treffen in der Altmark hatte der Bauernverband und Bauernbund, die Rinderallianz, der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter, die Deutsche Milcherzeugergemeinschaft sowie der Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung Sachsen-Anhalt eingeladen.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 19. November 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2018, 12:50 Uhr

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9 Kommentare

21.11.2018 17:34 Kritischer Bürger 9

@C.T. 7: Na hallo das ist ja eine echte Erkenntnis und nun meine Frage: Was macht man dann wenn auf einmal die Nachfrage exobitant steigt. Kauft man dann die Milch im Ausland, kauft man Milchkühe, die gleich Milch geben können oder macht man dann mit Worten darauf aufmerksam das die Käufer leider wegen der hohen Nachfrage sich auf Engpässe einzustellen haben?
+...Wo ist hier das Problem?? ...+
Das man als Politiker, als Milchviehhalter den Markt nicht unter Kontrolle bekommt das immer gleichermaßen Angebot & Nachfrage garantiert werden kann.

21.11.2018 16:03 Wolpertinger 8

@21.11.2018 11:15 C.T.
Dann aber bitte Wegfall aller (!) Subventionen. Photovoltaik, Windenergie, Kohlebergbau, Gebäudesanierung usw. Und das bitte weltweit.

21.11.2018 11:15 C.T. 7

Der Milchpreis ist kein Problem um das sich die Politik kümmern sollte - warum auch in einer Marktwirtschaft?!
Gibt es wegen Überproduktion zu viel Milch auf dem Markt, müssen die Milchviehbestände reduziert werden bis das gewünschte Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erreicht ist - ganz einfach! Wo ist hier das Problem??
Achja, dann gibt es keine Hilfen vom Steuerzahler mehr für die fetten Bauern - ich vergaß...