Schafe aus Südeuropa Mufflons: Eine Wildart wird vom Wolf verdrängt

Früher wurden Mufflons hierzulande angesiedelt – heute sind die Wildschafe aus Südeuropa fast ausgestorben. Viele Jäger bedauern dies und machen die Ausbreitung des Wolfs dafür verantwortlich. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit einem Jäger und zwei Experten darüber gesprochen.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

Mufflon in Gehege
Mufflon im Wildpark Weißewarthe Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Sie haben unsere Wälder belebt: Vor gut 100 Jahren wurden Mufflons hierzulande angesiedelt. Eigentlich sind die kleinen Wildschafe in Sardinien und Korsika zu Hause. Imposant sind die Widder. Sie tragen prächtige, fast kreisrunde Hörner. Zu DDR-Zeiten wurden nochmals zahlreiche Mufflons ausgewildert. Ihr Fleisch war auch eine willkommene Bereicherung des Speiseplans. Aber nun könnte es bald vorbei sein mit dem Muffelwild. Der Vormarsch der Wölfe droht, eine ganze Tierart auszulöschen.

Günter Scheffler ist der Jägermeister im Landkreis Stendal. Seit 36 Jahren geht er im Elb-Havel-Winkel auf die Jagd. Muffelwild im Wald gehörte für ihn dazu wie Rehe oder Hirsche. In der Region gab es einst vermutlich mehr als einhundert Wildschafe. Davon ist nichts geblieben. 

Muffel sind schon aufmerksam. Sie können weit äugen. Aber ein Fluchtverhalten gegenüber dem Wolf haben sie nicht gelernt. Sie bleiben stehen, schauen sich um sind damit leichte Beute. Der Muffelbestand im Norden Sachsen-Anhalts wird wohl in Kürze erlöschen.

Günter Scheffler, Jäger

Wölfe kommen – Mufflons sterben aus

Der Jäger hat seine letzte persönliche Begegnung mit den Wildschafen im Kalender markiert. Die letzten fünf Muffel habe er am 17. Januar 2015 gesehen. Seitdem nicht eines mehr. In seiner Region habe sich das erledigt. Die Chance, ein Muffel in freier Wildbahn zu sehen, werde wohl nicht wieder kommen. Scheffler betont, nie würde ein Jäger seinen Wildbestand auslöschen. Verantwortlich dafür sei einzig die Ausbreitung des Wolfs.

Wir verlieren innerhalb unserer Flora und Fauna eine interessante Wildart, die auch für den Jäger interessant ist. Die Anwesenheit des Mufflons war einst von allen Seiten begrüßt worden. Jetzt schaut man zu, wie die Art bei uns ausgerottet wird. Das ist doch auch für die Allgemeinheit schade.

Günter Scheffler, Jäger

Kaum noch Muffelbestand in Sachsen-Anhalts Norden

Mann sitzt hinter ausgestopftem Mufflon-Kopf
Nur noch Erinnerung: Stendals Kreisjägermeister Günter Scheffler mit einer preisgekrönten Trophäe. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mann sitzt hinter ausgestopftem Mufflon-Kopf
Nur noch Erinnerung: Stendals Kreisjägermeister Günter Scheffler mit einer preisgekrönten Trophäe. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Hand hält Medaille
Der Jäger wurde für seinen Jagderfolg mit einer Goldmedaille geehrt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Ausgestopfter Mufflon-Kopf in Garten
Am Kopfschmuck der Widder (Schnecken) erkennt der Waidmann deren Alter. Dieses Tier wurde sieben Jahre alt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mufflon in Gehege
In freier Wildbahn kaum noch zu sehen: Muffelwidder im Wildpark Weißewarte bei Tangerhütte. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mufflon in Gehege
Hier können ihm Wolf und Jäger nichts anhaben. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mufflon-Schaf in Gehege
Das weibliche Muffelwild (Schaf) ist kleiner und eher unscheinbar. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Der Altmärkische Biologe und Wildforscher Wolfgang Lippert betrachtet allerdings kritisch, wie die Jäger den Rückgang des Muffelwildes kommentieren. In einem Artikel schrieb er:

Mufflons sind hier nicht zu Hause. Sie stammen aus dem Gebirge von Korsika und Sardinien. Sie wurden einst von Jägern in Deutschland angesiedelt. Der Wolf stellt nun die alten Verhältnisse wieder her. Das ist kein Verlust, sondern Natur.

Wolfgang Lippert, Biologe und Wildforscher

"Eine faszinierende Art droht zu verschwinden"

Die Jägerschaft hingegen fordert, nicht nur den Wolf zu schützen, sondern auch das Muffelwild zu hegen. Der Harzer Muffelwild-Experte Dr. Holger Piegert, der früher das Wildforschungsgebiet im Ostharz leitete, spricht von einem dramatischen Rückgang der Muffelbestände. MDR SACHSEN-ANHALT sagte er, eine faszinierende Art drohe zu verschwinden. Die Jägerschaft in seinem Gebiet habe sich selbst auferlegt, keine weiblichen Tiere mehr zu schießen. Piegert lässt das Argument nicht gelten, Mufflons seien hier nicht heimisch.

Es kommt auch keiner auf die Idee, in den Wäldern nur noch deutsche Eichen zu dulden. Der Wolf ist nicht vom Aussterben bedroht. Das Muffelwild schon.

Dr. Holger Piegert, Harzer Muffelwild-Experte

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. August 2018 | 10:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2019, 11:53 Uhr

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11 Kommentare

25.08.2018 18:49 Manuela Klemm 11

Ach da jammern die Jaeger, das Muffelwild wurde doch nur ausgewildert damit die Gruenroecke etwas zum abknallen haben.Die Woelfe lebten schon frueher hier und sind jetzt zum Glueck wieder da und somit bringen sie das Gleichgewicht der Natur wieder in Ordnung ,wozu der Mensch mit seinem ewigen Egoismus nicht faehig ist...

25.08.2018 14:55 Benutzer 10

Hat da jemand Angst um seine Beute?

25.08.2018 12:23 Thoddy 9

Schaut euch mal die Abschusslisten an. Wieso wird ein bedrohtes Mufflon dann noch zusätzlich durch Jäger bejagt und dann klagt man rum, dass das Tier ausstirbt.

Wenn Jäger ihren Job nur noch über das Schießen definieren, sollte man mal über eine rasche Reform des Jagdrechts nachdenken. In erster Linie sollen Jäger den Job fehlender Beutegreifer übernehmen und sie nicht ersetzen.

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