Großes Bauvorhaben Grundschule in Stendal soll in Rekordzeit gebaut werden

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: Bernd-Volker Brahms

Nach fast dreijähriger Vorbereitung ist mit dem Bau einer neuen Grundschule in Stendal begonnen worden. Wenn es nach den Verantwortlichen der Stadtverwaltung geht, sollen bereits in anderthalb Jahren die ersten Schüler in dem neuen Gebäude unterrichtet werden. Eine Grundschule im Stadtkern, die in den vergangenen Jahren zu eng geworden ist, wird dann geschlossen.

Zeichnung eines Grundschulneubaus.
Der Entwurf des beauftragten Architektenbüros zeigt, wie die neue Schule aussehen soll. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Es ist bemerkenswert, dass es mittlerweile in Stendal offensichtlich erforderlich ist, eine neue Grundschule zu bauen. Es ist nur wenige Jahre her, dass die sinkenden Schülerzahlen dazu zwangen, im Ortsteil Möringen eine Schule zu schließen. Auch die Grundschule "Pertrikirchhof" in Stendal stand schon einmal auf der Kippe.

In dem alten denkmalgeschützten Gebäude, das 1876 errichtet worden war, wurden 2016 gerade mal 126 Schüler betreut. Das war zu wenig für einen langfristigen Erhalt der Schule, aber zu viel für die beengten Räume. Mit sieben Klassenräumen und einem Fachraum sowie einem vergleichsweise kleinen Schulhof ist die Schule laut Stadtverwaltung nicht mehr zeitgemäß. Mal demonstrierten Schüler, Eltern und Lehrer für den Erhalt der Schule, einige Jahre später setzten sie sich für einen Neubau an anderer Stelle ein.

Rund 1.500 Grundschüler werden derzeit an den sechs staatlichen Schulen der Stadt unterrichtet. Die Aufnahme von rund 100 Flüchtlingskindern in der Stadt trug laut Verwaltung dazu bei, dass der räumliche Druck bei den Einrichtungen stieg. Allerdings rechnet die Stadt damit, dass die Schülerzahlen bis 2030 auf rund 870 Grundschüler sinken.

Grundschulen in Stendal

In Stendal gibt es sechs städtische und zwei private Grundschulen, an denen etwa 1.750 Grundschüler unterrichtet werden. Nach Informationen der Stadt wird die Schülerzahl in absehbarer Zeit sinken.

Petrikirchhof-Schule wird durch Neubau ersetzt

Die Petrikirchhof-Schule ist es nun, die durch einen kompletten Neubau ersetzt werden soll. Eine Sanierung wurde verworfen, da es der Stadtverwaltung zufolge am Standort keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt. Nicht nur die Räumlichkeiten seien zu eng; das gesamte Grundstück sei nicht erweiterungsfähig. Zudem gebe es auf dem Schulhof für die Zahl der Kinder nicht ausreichend Platz.

Außenansicht der Grundschule Petrikirchhof.
Zu wenig Platz: In der Petrikirchhof-Schule soll ab 2022 nicht mehr unterrichtet werden. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Auch andere Varianten zu einem kompletten Neubau, wie der Ausbau einer Etage an einer anderen Grundschule, wurden irgendwann nicht mehr weiterverfolgt. In der Verwaltung und dem Stadtrat setzte sich die Ansicht durch, dass längerfristig nur ein Schulneubau die Lösung sein könne. Im April 2017 wurde nach hitziger Debatte ein Grundsatzbeschluss zum Bau der Schule gefasst. Allerdings konnte von Einigkeit nicht die Rede sein. 23 Stadträte gaben dem Vorhaben, das seinerzeit noch mit rund fünf Millionen Euro veranschlagt worden war, ihre Zustimmung. 14 Stadträte waren dagegen und drei enthielten sich der Stimme.

Eröffnung der Schule voraussichtlich 2022

Nun wurde Ende Juli 2020 mit dem Bau der Grundschule am Haferbreiter Weg begonnen. Derzeit laufen laut Amtsleiter Georg Wilhelm Westrum die Vorbereitungen. Dazu zählen die Grundstücksberäumung, die Auskofferung und die Einrichtung des Baustroms. Ab Mitte September soll es dann richtig losgehen. Geplant ist, dass im Frühjahr 2022 die ersten Schüler die Grundschule besuchen. Der Neubau soll Platz für 150 Schüler sowie 120 Hortkinder bieten.

Bilder von der Baustelle Baustart für neue Grundschule in Stendal

Baufahrzeuge auf dem Gelände des geplanten Grundschulneubaus.
Es ist eine der größten Investitionen der Stadt Stendal in den vergangenen Jahrzehnten: Am Haferbreiter Weg wird eine neue Grundschule gebaut. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms
Baufahrzeuge auf dem Gelände des geplanten Grundschulneubaus.
Es ist eine der größten Investitionen der Stadt Stendal in den vergangenen Jahrzehnten: Am Haferbreiter Weg wird eine neue Grundschule gebaut. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms
Zwei Bagger und ein Kipper auf einer Freifläche.
Die Vorbereitungen für den Bau laufen. Derzeit wird das Grundstück beräumt und ausgekoffert. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms
Außenansicht der Grundschule Petrikirchhof. Auf der Straße davor fährt ein Junge auf einem Fahrrad von rechts durchs Bild.
Sobald das neue Gebäude fertig ist, soll die Petrikirchhof-Grundschule geschlossen werden. Laut Stadtverwaltung ist diese inzwischen nicht mehr zeitgemäß. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms
Zeichnung eines Grundschulneubaus.
Die neue Schule wurde von einem Dresdner Architektenbüro entworfen. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 7,4 Millionen Euro. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms
Ein Bagger und ein Kipper auf einem freien Gelände.
Es ist geplant, dass der Neubau im Frühjahr 2022 fertiggestellt wird. In die Petrikirchhof-Schule könnte dann die Volkshochschule einziehen.

Quelle: MDR/sp
Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Juli 2020 | 09:30 Uhr

Kosten für den Schulbau gestiegen

Dass der Bau nicht schon schneller auf den Weg gebracht wurde, liegt an einigen Problemen, die sich ergeben hatten. So hatte die Kommunalaufsicht des Landkreises moniert, dass die Wirtschaftlichkeit des Projektes nicht ersichtlich sei und Alternativen nicht ausreichend geprüft worden seien. Man entschloss sich dazu, dass die Kapazität von damals noch 200 Schülern und 150 Hortkindern reduziert und damit die Gesamtkosten des Baus gesenkt werden. So stellten sich die Baukosten kurzfristig günstiger dar. 4,2 Millionen Euro sollte die Schule da noch kosten. Schulamtsleiter Torsten Mehlkopf sprach trotzdem von dem größten eigenfinanzierten Projekt der Stadt seit der Wende. Fördergeld stand zu dem Zeitpunkt nicht zur Verfügung.    

Spätestens nach einem Architektenwettbewerb im Jahr 2018 wurde klar, dass die Schule doch wieder teurer werden würde. Die gestiegenen Preise in der Baubranche taten ein Übriges. Mittlerweile soll das Projekt rund 7,4 Millionen Euro kosten. Rund eine Million Euro an Fördergeld wurden genehmigt.

Hintergründe zum Neubau

Der Bau der neuen Schule wird nach einem Entwurf des Dresdner Büros "LTHX Architekten" durchgeführt. Es sind Kosten von 7,37 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten sind auch die Kosten für Grundstücksankäufe. Der Bau wird eine Bruttogrundfläche von rund 2.850 Quadratmetern haben. Das Gebäude entsteht am Haferbreiter Weg auf einem Areal zwischen der Sporthalle sowie dem Landesveterinäramt. 

Weitere Nutzung der bisherigen Schule unklar

In einem Rekordtempo soll die Schule nun gebaut werden. Trotzdem sieht sich Amtsleiter Westrum nicht unter Druck. Wenn es widererwartend doch länger dauern sollte, dann müssten die Kinder eben noch ein weiteres halbes Jahr in der Petrikirchhof-Schule unterrichtet werden und könnten erst im Sommer 2022 einziehen.

Zwei Bagger und ein Kipper auf einer Freifläche.
Die Vorbereitungen für den Neubau laufen. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Im Stadtrat wurden mittlerweile bereits die Einzugsbezirke der Grundschulen der Stadt geändert und der neuen geografischen Lage der neuen Schule angepasst, die viel weiter im Osten der Stadt angesiedelt sein wird, als es die Petrikirchhof-Schule ist. Die künftigen Schüler werden aus dem östlichen Teil der Stadt kommen, aber auch aus der Innenstadt.

Was aus der bisherigen Grundschule wird, ist indes noch nicht klar. Von verschiedener Seite wurde ein Umzug der städtischen Volkshochschule bereits ins Spiel gebracht. Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) sagt, dass das Gebäude zunächst umfänglich saniert werden muss, um weiter öffentlich genutzt werden zu können.

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: Bernd-Volker Brahms

Über den Autor Bernd-Volker Brahms wurde in Leer/Ostfriesland geboren und hat in Göttingen Deutsch und Geschichte studiert. Er hat 18 Jahre lang für verschiedene Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Er ist politischer Reporter mit Leidenschaft. Er berichtete bereits sechs Mal über Badminton von Olympischen Spielen. Brahms arbeitet im MDR-Regionalstudio Stendal.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Juli 2020 | 09:30 Uhr

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