Kleinstadthelden Besonderes Projekt: Wie ein Bus eine Kita in der Altmark gerettet hat

In Rossau im Landkreis Stendal stand eine Kita vor dem Aus, weil zu wenige Kinder dort angemeldet waren. Gleichzeitig haben viele Eltern auf Kitaplätze in der Stadt Osterburg gewartet. Die Lösung für beide Probleme: ein Kitabus. Wie das Projekt funktioniert und von anderen adaptiert werden kann.

Die Kleinstadthelden hinter dem Kitabus: Anke Müller, Sandy Zacharias-Schulz und Wolfgang Pahl.
Die Kleinstadthelden hinter dem Kitabus: Anke Müller, Sandy Zacharias-Schulz und Wolfgang Pahl. Bildrechte: MDR/Olga Patlan/Lisa Reber/Collage

Die Kitas in der Stadt sind überfüllt und mit Wartelisten belegt. Die in den benachbarten Dörfern hingegen sind zu wenig besucht und damit teilweise von der Schließung bedroht. Deshalb hat sich die Stadt Osterburg in der Altmark vor rund fünf Jahren eine Lösung überlegt: Ein kleiner Bus, der die Kinder aus der Stadt auf die Dörfer fährt. "Der Kitabus hat unsere kleine Kita gerettet", sagt Sandy Zacharias-Schulz. Sie ist die Leiterin der Kita "Zwergenland" in Rossau, einem Vorort von Osterburg.

Ein Kind wird, in einem Kindersitz sitzend, angegurtet 1 min
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Do 05.03.2020 15:07Uhr 00:42 min

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2015 stand ihre Kita vor dem Aus. Gerade mal zwölf Kinder waren hier angemeldet. Durch die Schulabgänger drohten es sogar nur noch neun zu werden. So stand die Gemeinde Osterburg vor der Entscheidung, ob eine Einrichtung so überhaupt noch getragen werden kann. Einige Eltern hätten für den Erhalt der Kita gekämpft, erinnert sich die Leiterin – sie inklusive. Dank des Kitabusses können seitdem beispielsweise Kinder aus Osterburg nach Rossau gebracht werden. Eine Win-Win-Situation für Eltern, die sonst ein Jahr lang auf den Kitaplatz warten müssten und nicht immer die Möglichkeit haben, ihre Kinder außerorts zu fahren – und für Kitas, die sonst schließen müssten.

Begeisterte Eltern und Demografie-Preis

Voraussetzung sei gewesen, dass Kinder und Eltern sich dabei wohl fühlen, erklärt Anke Müller von der Stadtverwaltung. Deshalb fährt bereits seit August 2015 Tag ein, Tag aus derselbe Fahrer die Kinder jeden Morgen auf die Dörfer und wieder zurück. Wolfgang Pahl heißt er, auch liebevoll Onkel Pahl von den Kindern genannt.

Weil das Konzept einen innovativen Vorbildcharakter hat, wurde die Gemeinde 2015 mit einem Demografie-Preis ausgezeichnet – in der Kategorie "Wachsen: Familie und Kinder stärken", weil der Kitabus die ländliche Region attraktiver für junge Eltern macht. Aktuell ist es das einzige Angebot dieser Art in Sachsen-Anhalt, sagt das Landes-Verkehrsministerium.

Warum sich das Konzept noch nicht in anderen Orten durchgesetzt hat? Das lasse sich nicht sagen, heißt es weiter. In Osterburg sei vorab eine ausführliche Analyse gemacht worden. "Inwiefern Bedarf in den weiteren Gemeinden besteht, ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten", so das Verkehrsministerium.

Das Projekt Kitabus geht weiter

In Osterburg ist genau dieser Bedarf gegeben. Hier wird der Kitabus mittlerweile vollumfänglich von der Kommune bezahlt, nachdem das Förderprogramm ausgelaufen ist, erklärt Anke Müller von der Stadtverwaltung. "Wir beabsichtigen, solange der Bedarf bei den Eltern da ist, das wirklich so weiterzuführen", sagt sie.

Ich will dazu beitragen, dass die Kommune lebenswerter wird und dass die Menschen, das Gefühl haben, dass man ihnen zuhört.

Anke Müller Stadtverwaltung Osterburg

Auch Kita-Leiterin Sandy Zacharias-Schulz freut sich über diese befürwortende Einstellung seitens der Stadt, ist überzeugt von dem Projekt und meint: "Ich würde mir wünschen, dass auch andere Einrichtungen, die außerhalb von der Stadt liegen, sowas inszenieren."

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. März 2020 | 17:30 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 12 Wochen

Coole Sache.
Ich wusste doch, das ihr nicht vorhabt Eure Dörfer aufzugeben.

Gruß an Klein und Gross Rossau

PS: Jetzt muss nur noch der Konsum in Rossau wieder aufmachen.

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