Pappeln als Alternative zur Braunkohle In der Altmark wächst das Heizöl von morgen

Kann man mit Pappeln heizen? Ja, sagt Hans-Georg von Engelbrechten aus Vollenschier im Landkreis Stendal. Der Landwirt hat ein Energiekonzept entwickelt, das nachhaltig ist, regional genutzt werden kann und vor Jahren als echte Alternative zur Braunkohle gehandelt wurde. Heute vermisst von Engelbrechten den "politischen Rückenwind" für sein Projekt.

von Andreas Müller, MDR SACHSEN-ANHALT

Mann steht auf riesigen Haufen gehäckseltem Holz und hält welches in den Händen.
Für Hans-Georg von Engelbrechten sind diese Hackschnitzel das Heizöl von morgen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

In Vollenschier bei Tangerhütte wird ein kompletter Gutshof mit Hackschnitzeln aus einer Pappelplantage beheizt. Der Diplomlandwirt Hans-Georg von Engelbrechten und sein Geschäftspartner haben das nachhaltige Energiekonzept seit 2005 entwickelt und dafür viel Anerkennung bekommen. Doch der Durchbruch ihrer Idee lässt auf sich warten.

Von Engelbrechten lagert unter einem Schleppdach einen Vorrat an Hackschnitzeln für die nächsten zwei, drei Jahre. Und wenn der Brennstoff zur Neige geht, fährt der Bauer mit einer selbst entwickelten Häckselmaschine am Traktor ins Pappelwäldchen und holt Nachschub. Aller paar Jahre kann er die Bäume auf der sogenannten Kurzumtriebsplantage ernten. Sie wachsen immer wieder nach.

Das ist ein geschlossener Kreislauf und Co2-neutral. Wir leisten damit unseren Beitrag für die Entlastung der Umwelt. Das sind wir unseren Kindern schuldig. Allein unsere Anlage ersetzt jährlich bis zu 20.000 Liter Heizöl durch regenerative Energie.

Diplomlandwirt Hans-Georg von Engelbrechten

Der Landwirt betont, dass seine vier Hektar "Pappelacker" ein minderwertiger Agrarstandort sind, auf dem man ohnehin kaum Getreide oder andere Marktfrüchte ernten kann. In dem Wäldchen habe sich inzwischen eine bunte Pflanzen- und Tierwelt angesiedelt. Pflanzenschutzmittel werden dort nicht benötigt.

Pappeln als Brennstoff Alternative Hackschnitzelheizung

Mann vor offener Ofenklappe mit Feuer drin.
Die Hackschnitzelheizung gibt ihre Wärme in einen 5.000 Liter Wasserspeicher. Von dort aus werden alle Gebäude des Hofes beheizt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mann vor offener Ofenklappe mit Feuer drin.
Die Hackschnitzelheizung gibt ihre Wärme in einen 5.000 Liter Wasserspeicher. Von dort aus werden alle Gebäude des Hofes beheizt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Pappeläste liegen gestapelt auf einem Feld.
Diese Ruten verrotten. Sie waren geschnitten worden, um Pappelnachwuchs zu züchten. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Stapel von Pappelästen liegen an einem Pappelwald.
Aber es gibt derzeit keinen Bedarf. Hackschnitzelheizungen sind nicht gefragt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mann steht gebückt in Pappelwäldchen.
Kurzumtriebsplantagen können aller paar Jahre abgeerntet werden. Der Häcksler wird an einen Traktor angebaut. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Mann steht auf riesigen Haufen gehäckseltem Holz und hält welches in den Händen.
Für Hans-Georg von Engelbrechten sind diese Hackschnitzel das Heizöl von morgen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
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Mann vor offener Ofenklappe mit Feuer drin.
Die Hackschnitzelheizung gibt ihre Wärme in einen 5.000 Liter Wasserspeicher. Von dort aus werden alle Gebäude des Hofes beheizt. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Nachhaltig und regional – Interesse jedoch begrenzt

Das Konzept der Hackschnitzelheizung setzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Von Engelbrecht ist davon überzeugt, dass eine solche Heizung kleine Dörfer oder etwa Schulkomplexe mit Heizenergie versorgen könnte. Im gewissen Umfang wachse der Energieträger sogar an Feldwegen oder an Flussufern. Nach einigen Jahren großer Aufmerksamkeit finde die Idee der Hackschnitzelheizung aber kaum noch Interesse. Von Engelbrechten bedauert, dass kommunale wie private Investoren lieber auf die klassischen Energiequellen setzten. Gern würde er am Beispiel des eigenen Hofes demonstrieren, dass es anders geht.

Als Ursache für das schwindende Interesse sieht der Energie-Pionier die Niedrigpreisphase im Rohölbereich. Seine Hackschnitzheizung liege etwa auf gleichem Preisniveau. "Sie rechnet sich knapp. Aber es war keine Fehlinvestition. Schließlich geht es um langfristige Nachhaltigkeit. Da sind wir schlagkräftiger."

Früher als Alternative zur Braunkohle gehandelt

Von Engelbrechten wünscht sich deshalb mutige Entscheider und "politischen Rückenwind" für die Idee der Kurzumtriebsplantage. Er erinnert sich an Zeiten, als Landräte und Minister nach Vollenschier kamen und den Machern auf die Schulter klopften. Es habe damals geheißen, für den Ausstieg aus der Atomenergie und der Braunkohle werde man viele Alternativen benötigen.

Bioenergieregion Sachsen-Anhalt Die Altmark wurde im Jahr 2009 als einzige "Bioenergieregion Sachsen-Anhalt" ausgerufen. Bis 2015 flossen aus einem Förderprogramm des Bundes Hunderttausende Euro für Broschüren, Tagungen, Bildungsprojekte und eine Geschäftsstelle. Ziel war es, die nachhaltige Nutzung und Veredlung von Biomasse voranzubringen. Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet wurden damals auch die Kurzumtriebsplantagen in Vollenschier präsentiert.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31. Januar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 17:51 Uhr

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9 Kommentare

01.02.2019 17:41 Paule 9

Die Überschrift ist ein Knaller. Ironie, Satire, schwarzer Humor oder Dummheit?

01.02.2019 15:51 Alf 8

@ 4 Leser: Auch ich sehe sehr wohl ein Bild, welches einen jungen Mann vor einem Ofen, dessen Tür geöffnet ist, zeigt.

31.01.2019 21:29 H. D. Thoerau 7

"Das ist ein geschlossener Kreislauf und Co2-neutral." Das ist der erste vernünftige Satz, den ich in dieser Woche lese. Nichts mit unendlichen Wirtschaftswachstum (wie soll so was überhaupt gehen?) und der Ausbeutung der Ressourcen.

@ Lyn 2: wenn man diese Idee konsequent zu Ende denkt, wird es auch letztendlich ein Heizkraftwerk in Ihrem Viertel geben.

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