#miteinanderstark Post austragen in der Corona-Krise: Ein Zusteller aus Tangerhütte berichtet

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Im Homeoffice arbeiten – das ist in Corona-Zeiten nicht für alle Menschen möglich. Uwe Raasch ist Postzusteller in Tangerhütte und muss trotz der Pandemie raus. Doch auch sein Job hat sich durch das Virus verändert.

Postzusteller Uwe Raasch auf Zustelltour in Tangerhütte.
Uwe Raasch stellt seit 34 Jahren Pakete und Briefe zu. Bildrechte: Deutsche Post DHL

Um kurz vor halb acht morgens geht der Arbeitstag für Postzusteller Uwe Raasch los. Zu dieser Uhrzeit kommen die Briefe und Pakete aus dem Verteilzentrum Osterweddingen im Zustellstützpunkt Tangerhütte an. Etwa 800 Päckchen und Pakete werden Raasch und seine Kollegen wieder verteilen, dazu kommen etliche Briefe – so wie an jedem Werktag.

Raasch ist Teamleiter von insgesamt 16 Zustellern im Raum Tangerhütte und seit 34 Jahren bei der Post. Die jetzige Corona-Zeit empfindet er als Ausnahmezustand. "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wir versuchen aber trotzdem, mit guter Laune ranzugehen", erzählt er. "Die Arbeit ist jetzt aber ein wenig stressiger", sagt Raasch. Denn während andere Menschen im Homeoffice arbeiten können, müssen die Zusteller weiter raus. "Wir haben keine riesige Angst, aber schon Respekt davor, was im Umlauf ist", so der Zusteller. Und diese Gedanken bedeuten Stress. Man sei nun zurückhaltender – aber auch froh, überhaupt noch raus zu können.

Zusteller weiterhin flächendeckend im Land im Einsatz

Die Coronakrise hat laut Post bisher kaum Auswirkungen auf die Zustellung von Briefen und Paketen in Sachsen-Anhalt. Die Postzusteller sind nach Unternehmensangaben weiterhin flächendeckend zwischen Zeitz und Seehausen bei der Arbeit. Vereinzelt könne es allerdings zu vorübergehenden Schließungen von Postfilialen kommen, etwa wegen Krankheit oder fehlender Kinderbetreuung.

Die Post empfiehlt, wenn möglich, Sendungen in einer Packstation aufzugeben. Die Kunden könnten das Ansteckungsrisiko der Zusteller außerdem verringern, indem sie einen sogenannten Ablagevertrag abschließen. Der erlaubt es den Boten, die Sendung an einem festgelegten Ort abzulegen.

Leere Straßen, Menschen zu Hause

Ein Vorteil ist laut Raasch, dass die Straßen aktuell deutlich leerer sind. Die Paketempfänger seien zudem meistens zu Hause, dadurch müsse man weniger Sendungen wieder mitnehmen. Der Zusteller hat außerdem das Gefühl, dass die Kunden ein wenig solidarischer untereinander sind: "Trotz Corona nehmen sie noch Pakete für Nachbarn an".

Die Menschen sind allerdings auch vorsichtiger. "Sie treten oft einen Schritt zurück, wenn sie die Tür aufmachen und halten Abstand – so wie wir auch", sagt Raasch. Und noch etwas hat sich verändert: Wer ein Paket annimmt, muss derzeit nicht auf dem Handscanner unterschreiben. Dass die Sendungen ausgeliefert wurden, halten die Zusteller nun selbst schriftlich fest. Außerdem desinfizieren die Postmitarbeiter Raasch zufolge regelmäßig die Scangeräte – ebenso wie ihre Hände.

Gewerkschaft kritisiert: Postmitarbeiter nicht überall genügend geschützt

Auch die Post hat aktuell offenbar Probleme, an genügend Desinfektionsmittel für alle Mitarbeiter zu kommen. Die Postgewerkschaft DPVKOM hatte in dieser Woche einen Brief an Konzernchef Frank Appel verfasst. Darin werden Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Einweghandschuhe gefordert – für jede einzelne Betriebsstätte bundesweit. Derzeit mangele es vielerorts an diesen Schutzmitteln.

Post-Bereichsvorstand Thomas Schneider räumte den Missstand daraufhin ein. Die Zeitung "Die Welt" zitiert Schneiders Worte aus einer internen Rundmail. Jeden Tag seien in ganz Deutschland Zusteller vollkommen ohne Schutzkleidung unterwegs, heißt es da. Bestellte Desinfektionsmittel würden nur sehr schleppend ankommen.

Kunden sind dankbar

Insgesamt seien die Kunden sehr freundlich, schlechte Laune sei selten. "Sie sind froh und dankbar. Es gibt ja auch Leute, die auf uns angewiesen sind – etwa, weil sie Apothekensendungen bekommen", so Raasch.

Verunsicherungen unter den Post-Mitarbeitern gibt es natürlich dennoch. Sie kommen morgens im Teamgespräch zur Sprache. "Es gibt immer wieder Fragen zu Corona und wie man sich verhalten soll", erzählt der Paketbote. Man spreche darüber und versuche, alle Anweisungen einzuhalten – damit die 800 Sendungen am Tagesende auch bei den Tangerhüttern ankommen.

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Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Kalina Bunk arbeitet seit 2015 für MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online- und in der Hörfunkredaktion. Sie schreibt für mdrsachsenanhalt.de, verfasst und spricht die Nachrichten im Radio und ist als Reporterin im Land unterwegs. Aufgewachsen ist sie in Bremen. Dort und in Madrid studierte sie Kulturwissenschaft und Germanistik. Danach war sie für mehrere private Radiosender in Bremen und Berlin tätig. An der Arbeit als Redakteurin fasziniert sie, dass jeder Arbeitstag anders aussieht und dass man täglich etwas Neues dazu lernt.

Quelle: dpa, MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. März 2020 | 16:00 Uhr

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