Ein Mann unübergibt einer Frau Kartoffeln
Frische Kartoffeln sind begehrt, gerade, wenn sie trotz der Hitze eine vernünftige Größe haben. Mitarbeiter Ronald Streithoff hilft beim Einpacken. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Obst aus Tafelgärten Wie Langzeitarbeitslose in Seehausen Bedürftigen helfen

Frisches Obst und Gemüse sind gesund und wichtig. Damit auch Menschen mit wenig Geld genug davon bekommen, gibt es Tafelgärten. Beackert und gepflegt werden diese von Langzeitarbeitslosen. Wie gut das funktioniert, zeigt sich in Seehausen.

Ein Mann unübergibt einer Frau Kartoffeln
Frische Kartoffeln sind begehrt, gerade, wenn sie trotz der Hitze eine vernünftige Größe haben. Mitarbeiter Ronald Streithoff hilft beim Einpacken. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Es ist Donnerstagvormittag in Seehausen. Hans Hildebrandt hebt eine Plastiktüte aus dem Lieferwagen – sie ist randvoll mit frischen und duftenden Tomaten. Die Möhren, Kürbisse, Gurken, Kartoffeln und sogar Blumen stehen schon in der Garage auf dem Seehäuser Kirchhof.

"Das ist heute alles frisch gepflückt worden, heute Morgen erst. Die fangen morgens etwas früher an – ganz frisch, damit wir hier um Zehne anfangen können." Mit "die" sind Langzeitarbeitslose gemeint, die Hildebrandt bei dem Projekt Tafelgärten betreut. Das Projekt wird vom Jobcenter gefördert, Hildebrandt selbst ist Bürgermeister von Aland.

"Jeder gibt nach seinen Bedürfnissen"

In zehn Gärten in Seehausen und Krüden kümmern sich insgesamt 13 Männer und Frauen um verlassene Parzellen von Gartensparten. Diese wurden wieder zum Leben erweckt, gepflegt und bepflanzt. Das frisch geerntete Gemüse und Obst wird anschließend an Bedürftige, Rentner und Harz-IV-Empfänger verteilt. "Die brauchen auch nichts bezahlen. Die geben manchmal eine kleine Spende, jeder gibt so nach seinen Bedürfnissen", erklärt Hildebrandt.

Schon vor zehn Uhr treffen sich die ersten Damen vor der Garage auf dem Kirchhof. Noch sind ihre Tüten leer. Die Garage neben der Petrikirche wurde für diesen Zweck von der Stadt gestellt. Als Verkaufsstand haben es die Mitarbeiter von Hildebrandt selbst hergerichtet. Ein paar Minuten später heißt es dann: "Ich hab jetzt Rote Bete, Möhren, Kartoffeln. Jeden Donnerstag sind wir hier. Es ist sehr, sehr schön", sagt eine von den Frauen.

zwei rentner stehen vor einer offenen Garage mit Verkaufsfläche, ein Mann steht an der Ausgabe.
Die grellgrüne Garage auf dem Kirchhof haben die Langzeitarbeitslosen selbst hergerichtet. Mit dem Glockenschlag öffnet sich donnerstags um zehn Uhr das Tor. Meist stehen dann schon die ersten Kunden davor.
 
Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Einsatz und Motivation für die Hilfe

Das Projekt in Seehausen gibt es bereits seit Jahren. Dass die Tüten auch in diesem Jahr jeden Donnerstag gefüllt werden können, dafür mussten Hans Hildebrandt und seine Mitarbeiter besonders kämpfen. "Bei der Trockenheit, die hat uns dieses Jahr sehr zu schaffen gemacht. Wenn wir nicht selbst noch einen Brunnen gebohrt hätten und bewässern würden, dann würde da nicht viel kommen. Man muss da schon ein bisschen hinterher sein, ein bisschen Einsatz zeigen. Aber die Leute sind eigentlich motiviert, das klappt eigentlich ganz gut", lobt der Bürgermeister sein Team.

Binnen zwei Stunden sind die Kisten in der Garage auf dem Kirchhof meist leer. Und wenn nicht: "Verschwendet wird nichts", sagt Hans Hildebrandt. Was übrig bleibt, fährt Hildebrandt zu der Kita in Groß Garz, nicht weit von Seehausen. Dort freuen sich die Kinder, wenn der Lieferwagen von Hans Hildebrandt vor ihrer Kita hält.

Eine ältere Frau zeigt den Inhalt eines offenen Transporters.
Barbara Zenker vertritt Hans Hildebrandt, wenn er nicht da ist. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Kein Einzelfall

Das Model der Tafelgärten ist nicht neu. Bereits seit 2001 wird vielerorts in Sachsen-Anhalt in gemeinnütziger Arbeit für Bedürftige angebaut und geerntet. Das hat den doppelten Effekt: Versorgung von Benachteiligten und Pflege von herrenlosen Gartenparzellen. An vielen Orten ist das Projekt jedoch eingeschlafen, weil auch die Förderung der Jobcenter teilweise ausgelaufen ist.

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Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. August 2019 | 10:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2019, 17:48 Uhr

1 Kommentar

Atheist vor 14 Wochen

Was für eine Entwicklung, vor 30 Jahren bräuchten wir weder Tafeln noch Frauenhäuser.

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