Visiere statt Kronen Stendaler Zahntechniker stellt Produktion wegen Corona um

Die Aufträge für Zahntechniker haben sich in der Coronakrise mitunter halbiert. Deshalb hat der Stendaler Steffen Kurbjuweit seine Produktion  auf Schutzvisiere umgestellt. Die Materialien dafür kommen aus dem Baumarkt.

Gesichtsmasken aus Baumarktprodukten
Zahntechniker Steffen Kurbjuweit baut mit seinen Mitarbeitenden nun Visiere. Bildrechte: MDR/ Jan Malte Wagner

Zunächst ging es "Zahntechnik Kurbjuweit" mit Niederlassungen in Stendal und Magdeburg wie vielen Unternehmen in der Corona-Krise: weniger Aufträge, weniger Umsatz, Kurzarbeit. Doch damit konnte sich Inhaber Steffen Kurbjuweit nicht zufrieden geben. "Ich möchte meinen Beitrag leisten. Ich kann hier nicht einfach nur rumsitzen." 

Schnell fand der Stendaler eine Idee, wie er seine Kunden trotz schwindender Aufträge bei Laune halten kann:  Schutzvisiere. "Unsere Kunden, die Zahnärzte,  stehen an vorderster Front, arbeiten direkt in der Mundhöhle", erklärt Kurbjuweit. Ein einfacher Mundschutz sei da zu wenig – sowohl für die Sicherheit der Zahnärzte als auch für das Sicherheitsempfinden der Patienten.

Kurbjuweit: "Wir sind geschickte Handwerker"

"Im Netz gab es etliche Anleitungen, die wir als Vorlage genommen haben", so der Zahntechniker. Also ging es ab in den Baumarkt. Durchsichtiges Plastik von der Rolle, Fensterleisten, Moosgummi-Matten, Schrauben und Klettband – mehr braucht es nicht. Die nötige Technik und die Öfen zur Bearbeitung der Materialien sind in der Praxis schon vorhanden.

Gesichtsmasken aus Baumarktprodukten
Die Materialien für die Visiere gibt es alle im Baumarkt. Bildrechte: MDR/ Jan Malte Wagner

Dass damit nun nicht an millimetergenauen Zahnprothesen, sondern an Visieren gearbeitet wird, die an Holzfällerausrüstung erinnern, ist für Kurbjuweit kein Widerspruch. "Zahntechniker ist für viele ein Job im Labor. Trotzdem sind wir alle geschickte Handwerker, die Ideen haben und improvisieren können."

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Die Nachfrage steigt

Zunächst hatte das Unternehmen für die eigenen Kunden gearbeitet. "Doch dann kam die Idee, das auch weiterzumachen", blickt Kurbjuweit zurück. Mittlerweile habe sich die Idee herumgesprochen, über 50 Visiere seien schon ausgeliefert worden. "Wir sind hier beschäftigt, ich muss ein paar Leute nicht in Kurzarbeit schicken", freut sich der Inhaber des Zahntechniklabors. Abnehmer seien hauptsächlich Ärzte. Eine Bestellung sei sogar nach Berlin gegangen. Weitere 60 Vorbestellungen warteten auf ihre Bearbeitung.

Aktuell schaffe der Betrieb rund 20 Visiere am Tag. "Aber wir wollen künftig 30 pro Tag schaffen, vielleicht kann ich so sogar Leute aus der Kurzarbeit zurückholen", hofft Kurbjuweit. Gewinn erwirtschafte er mit seiner Idee aber nicht. "Auf keinen Fall. Ich will damit etwas zurückgeben. Es gibt nicht so viel Schutzkleidung im Moment, aber damit kann man Menschen schützen und Ängste nehmen. " Verkauft werden die Masken entsprechend zum Preis von 15 Euro. Darin enthalten seien die Materialkosten von 10 Euro und der Arbeitslohn.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. April 2020 | 09:00 Uhr

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