Tangermünde Supermarkt schließt nach Corona-Fällen aus Vorsicht

Ein Mann steht in einem Garten
Bildrechte: MDR/Hannah Singer

Der Betreiber eines Einkaufszentrums in Tangermünde reagierte zu Wochenbeginn mit der Komplettschließung seines Geschäftes, nachdem zuvor erste Corona-Fälle unter der Belegschaft aufgetreten waren. Mittlerweile gibt es 15 bestätigte Corona-Fälle.

Ein Mann steht vor einem verschlossenen EDEKA
Die Türen des Einkaufscenter in Tangermünde bleiben zu. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Couragiert griff der Tangermünder Unternehmer Albrecht Grave ein, als er am vergangenen Freitag von einem Corona-Verdachtsfall in der Mitarbeiterschaft seines Edeka-Marktes erfuhr. Er schickte die entsprechende Mitarbeiterin noch am selben Nachmittag nach Stendal-Süd in ein Test-Labor. Dort wurde ein PCR-Test gemacht. Kurze Zeit später sei er selbst mit drei weiteren Mitarbeitern hinterhergekommen. "Ich war einfach unsicher", sagt Grave. Er hatte diejenigen mitgenommen, die zuletzt eng mit der Kollegin zusammengearbeitet hatten.  

Am Samstagmittag kam das ernüchternde Ergebnis: drei positive Fälle. "Da musste ich reagieren", sagt Grave. Er schickte alle 30 weiteren Mitarbeiter, die an diesem Tag arbeiteten zum Test. Und auch unter ihnen waren zehn weitere positive Fälle, berichtet Grave. Auch das Gesundheitsamt des Landkreises war informiert. "Aufgrund der vielen Fälle war klar, dass ich das Geschäft am Montag nicht öffnen konnte", sagt Grave. Er wunderte sich, dass das Gesundheitsamt den Geschäftsbetrieb nicht von sich aus stoppte.

"Nicht nachvollziehbar und absolut unverständlich"

Das Gesundheitsamt war bis Montagnachmittag über zwölf Fälle informiert, teilte Pressesprecherin Sabrina Lamcha vom Landkreis Stendal auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit. Über eine Schließung des Marktes entscheide ein Unternehmer selbst. Man sei mit dem Marktleiter in Kontakt, es sollten Listen erstellt werden. Man habe auch weitere Tests angeboten.

Die Aufgabe des Gesundheitsamtes ist es, Kontaktpersonen zu ermitteln und diese in Quarantäne zu schicken

Sabrina Lamcha, Pressesprecherin Landkreis Stendal

Mit einem Aushang an der Ladentür informierte Albrecht Grave die Kunden über die Schließung: "Das Gesundheitsamt konnte sich zu einer Schließung des Marktes nicht entscheiden. Das ist für mich nicht nachvollziehbar und absolut unverständlich", ist dort zu lesen.

Hintergründe und Aktuelles zum Coronavirus – unser Newsletter

In unserem Newsletter zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Lob in sozialen Netzwerken

Er habe aus dem Bauch heraus entschieden, sagt der Geschäftsinhaber. "Ich habe nicht über Kosten nachgedacht." Mehr als 1.000 Kunden besuchen den größten Supermarkt in Tangermünde täglich. Auch am Montag fuhren viele Kunden auf dem Parkplatz vor und standen vor verschlossenen Türen. Auch der Bäcker, die Postfiliale und der Friseur im Markt sind geschlossen.

Einkaufswagen vor EDEKA
Das Einkaufscenter soll am Donnerstag wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Er befinde sich im engen Kontakt mit den Behörden, sagt Albrecht Grave. Er suche nach Lösungen, um das Geschäft bald wieder zu öffnen. Es gehe ihm auch nicht um Anschuldigungen gegenüber dem Gesundheitsamt. "Ich habe mich einfach nur gewundert", sagt er. Er blicke jetzt nach vorn. Allerdings: "Keiner meiner Mitarbeiter hatte Symptome." Wenn er nicht die ganzen Tests veranlasst hätte, wäre sein Geschäftsbetrieb am Montag mit einem Dutzend infizierter Mitarbeiter gestartet und keiner hätte was registriert. Bei Facebook, wo der Unternehmer ebenfalls über die Schließung informierte, gab es fast einhelliges Lob für den Geschäftsmann. Auch bei einer Umfrage vor Ort von MDR SACHSEN-ANHALT zollten die Kunden Respekt.

Am Dienstag war klar, dass von den 86 Mitarbeitern 15 positiv auf Corona getestet worden sind. "Wir werden das Geschäft am Donnerstag wieder öffnen", sagt Albrecht Grave. Er werde seine Mitarbeiter auf eigene Kosten täglich während der Arbeitszeit zum Test nach Stendal schicken. "Es geht mir um die Sicherheit für die Mitarbeiter und auch die Kunden."

Inwiefern eine Behörde ein Geschäft schließe, dass müsse vor Ort entschieden werden, teilte Sprecherin Ute Albersmann vom Sozialministerium in Magdeburg auf Anfrage von MDR Sachsen-Anhalt mit. Prinzipiell könne ein Gesundheitsamt aus Infektionsgründen einen Betrieb schließen. Zum konkreten Fall in Tangermünde können man sich nicht äußern. 

Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Januar 2021 | 17:30 Uhr

9 Kommentare

Mediator vor 6 Wochen

Man muss schon das Haar in der Suppe suchen, wenn man die Entscheidung des Marktleiters wie sie kritisiert.

Wenn es in einem Betrieb plötzlich sehr viele Coronainfektionen gibt, dann macht man nicht einfach so weiter und riskiert weitere Infektionen.

Da hält man inne, prüft sorgfältig wer infiziert ist, überprüft seine Hygienekonzepte, verbessert Defizite bei den Schutzmaßnahmen die man bei der Analyse findet und startet dann ruhig und gelassen NACH der Analyse der Probleme und deren Abstellung.

Der Ort wird es verkraften, dass ein Supermarkt für 2 Tage geschlossen hat. Es soll sogar Menschen geben, die Vorratshaltung betreiben und nicht jeden Tag einkaufen gehen müssen.

Micky Maus vor 6 Wochen

"Eine gute Reaktion des Marktleiters im Sinne seiner Kunden und Mitarbeiter."

Ein Ort hat zwei Märkte in denen jeweils 500 Personen einkaufen.

Jetzt hat der Ort noch einen Markt, da gehen jetzt täglich 1.000 Personen einkaufen.

Das können sie nun gern noch mal nachrechnen!

Micky Maus vor 6 Wochen

"ielleicht rechnen sie noch einmal nach. W"

Ich habe das so über den Daumen gepeilt ;-)

Und sie meinen das bei allen infizierten nicht einmal einer pro Markt dabei wäre?

Um so mehr absurd was gerade in Deutschland passiert!

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Mehr aus Sachsen-Anhalt