Still ruht der Badesee Warum Badestellen in der Altmark derzeit geschlossen bleiben

Das sommerliche Wetter lockt viele Menschen an die Seen im Land. Doch vielerorts sind die Badestellen derzeit geschlossen – weil die Kommunen sie nicht absichern können. Nun suchen sie mit dem Land nach einer Lösung.

Abgesperrter Steg an Badesee
Die Badestelle in Klietz im Landkreis Stendal ist derzeit für Badegäste gesperrt. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Temperaturen von mehr als 30 Grad, die Sonne scheint – da bietet vielen der Sprung in den Badesee eine willkommene Abkühlung. Doch etliche Badestellen in Sachsen-Anhalt sind derzeit geschlossen. Grund dafür: In Hessen gab es vor kurzem einen Badeunfall mit tödlichem Ausgang. Der Bürgermeister wurde dafür haftbar gemacht. Es folgte ein Gerichtsurteil, wonach der Betreiber einer Badestelle die Aufsichtspflicht zu gewährleisten hat. Das bedeutet zum Beispiel, einen Rettungsschwimmer vorzuhalten.

Für die Kommunen ist das durchaus kostspielig. Deswegen schrecken viele davor zurück, ihre Badestellen wie gewohnt zu öffnen. Etwa in Klietz und Kamern in der Altmark. Der Klietzer Ortsbürgermeister Herbert Paschke hat vor kurzem alle Hinweisschilder entfernen lassen und die Badestelle für den Schwimmbetrieb gesperrt. "Wer Betreiber eines Bades ist, ist für Verkehrssicherungspflicht verantwortlich. Deshalb war ich gezwungen, die Badestelle zu sperren", sagt er.

Jahrzehntelang ohne Bademeister

Jahrzehntelang ging es in Klietz ohne einen offiziellen Bademeister. Die Badegäste gingen in eigener Verantwortung ihrem Vergnügen nach. Erst vor zwei Jahren wurde eine neue Badestelle in Betrieb genommen. Der Ort an der Elbe hatte fast 500.000 Euro aus der Fluthilfe bekommen, um die Badestelle in Schwung zu bringen. Doch in diesem Jahr bleibt die schöne Anlage mit Steg und Badeinsel ungenutzt. Baden ist dort ab sofort nur auf eigene Gefahr möglich – ohne den Steg zu nutzen.

Die Badestelle in Kamern mit Absperrband und dem Jugendklub im Hintergrund.
Auch die Badestelle in Kamern kann derzeit nicht genutzt werden. (Archivbild) Bildrechte: MDR/ Andreas Müller

Ähnlich sieht es in Kamern aus. Die Gemeinde hat die Hinweisschilder an der Badestelle abgebaut und entfernt alles, was zum Baden einlädt. Auch hier wurde nach der Flut 2013 vieles neu errichtet. So wurde zum Beispiel Sand angefahren. Außerdem kamen eine Spielwiese und eine neue Liegewiese dazu. Zudem wurden ein Volleyballfeld, Hängematten, Bänke, Lampen, ein Schwimmsteg und eine Rutsche aufgebaut. Vieles davon kann derzeit nicht genutzt werden.

Landrat kündigt Gespräche an

Landrat Patrick Puhlmann kennt die Problematik. Er kündigte an, Gespräche mit der Landesregierung führen zu wollen. "Als Landkreis arbeiten wir jetzt mit den Gemeinden zusammen, um alle unsere Badestellen zu erfassen. Dann wollen wir uns gemeinsam beim Land für eine Gesetzgebung einsetzen, wie sie in anderen Bundesländern schon erfolgt ist", so Puhlmann. Ziel sei es, die Badestellen möglichst noch in diesem Jahr wieder zu öffnen.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. August 2020 | 17:30 Uhr

2 Kommentare

Rotti vor 9 Wochen

Herr Puhlmann soll erst einmal seine gesetzlichen Pflichten erfüllen! Mit dem Krankenhaus in Havelberg hat er eigentlich genug zu tun! Baden und Badestellen sind nicht Sache des Landkreises oder Landrates.

Rotti vor 9 Wochen

Warum muss in Deutschland überall eine Aufsicht stehen? Das war doch früher auch nicht so!
Der Stendaler Landrat soll mal bitte die Hausaufgaben des Kreistages erfüllen und das Havelberger Krankenhaus klären. Nicht immer neue Sachen, für die er auch gar nicht zuständig ist.

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