Vogelradar bei Osterburg vorgestellt Ein Windparkbetreiber setzt mit "Birdscan" auf Vogelschutz

Wie lässt sich Naturschutz und die Energiewende in Deutschland unter einen Hut bringen? Diese Frage hat sich Windparkbetreiber Fabian Schwarzlose aus Stendal gestellt. Zusammen mit einer Schweizer Firma hat er deshalb eine Vogelradaranlage in seinem Windpark installiert. Diese kann Vögel erkennen und Windräder sekundenschnell abschalten.

von Hagen Tober, MDR SACHSEN-ANHALT

Rotmilan
Ein Rotmilan schaut nicht nach vorn, sondern zur Nahrungssuche aufs Feld – das kann für Greifvögel in der Nähe von Windparks schnell zur Lebensgefahr werden. Bildrechte: MDR/Frank Koschewski

Für den Windparkbetreiber Fabian Schwarzlose aus Stendal ist es ein Herzensprojekt. Denn nicht nur wegen des Drucks von Naturschutzverbänden forscht der Windparkbetreiber an einem Vogelradar.

"Birdscan" erkennt schützenswerte Vögel

Fabian Schwarzlose
Fabian Schwarzlose betreibt bei Osterburg einen Windpark. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Schwarzlose will heute einem Fachpublikum ein weltweit neues System zum Schutz von Vögeln vorstellen. Auf dem Windparkgelände westlich der Stadt Osterburg ist auf einem Gittermasten eine grüne Box sowie eine Kamera mit diversen Applikationen installiert. Das sogenannte Vogelradar "Birdscan".

Vor einer extra in einem Zelt aufgebauten Monitorwand erklärt der Windparkbetreiber  dem Publikum das Vorhaben: Fliegt ein schützenswerter Vogel in den Gefahrenbereich einer Windkraftanlage, dann erkennt "Birdscan" die Situation und schaltet innerhalb von 20 bis 30 Sekunden das Windrad ab. "Das System erkennt sogar am Flügelschlag, ob es sich um eine Möve, einen Falken oder einen Rotmilan handelt", berichtet Schwarzlose stolz. Ist der Vogel davon geflogen dreht sich das Windrad weiter.

Windparkbetreiber ist betrübt, wenn ein Greifvogel stirbt

Schwarzlose liebt die majestätisch über die Landschaft gleitenden Greifvögel und ist jedes Mal zu tiefst betrübt, wenn solch ein Segler mit den Flügeln eines Windrades kollidiert und dabei stirbt. Greifvögel sind besonders gefährdet, weil sie auf Nahrungssuche mit ihren Augen ständig auf die Felder und Wiesen blicken, nur nicht nach vorn. Das wird den Vögeln oft zum Verhängnis. Einem Raben oder eine Krähe kann das kaum passieren.

Jetzt beginnt die Testphase

Vogelradar-Anlage bei Osterburg
Einem Fachpublikum wird die Funktionsweise des Vogelradars vorgestellt. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Seit 2014 entwickelt der Stendaler gemeinsam mit der Schweizer Firma "Swiss Birdradar" das sogenannte "Birdscan". Seit heute ist es weltweit erstmals in einem Windparkgelände installiert. "Das ist der Start der Validierung", sagt Fabian Schwarzlose. Ein halbes Jahr lang muss das System den Nachweis führen, dass es die Praxisanforderungen erfüllt.

Begleitet wird der Validierungsprozess von Ornithologen, Naturschutzverbänden und dem  Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende in Berlin. Am Ende, also im Herbst dieses Jahres, so hofft Schwarzlose, bekommt „Birdscan“ dann ein Zertifikat.

Das Interesse ist groß, denn deutschlandweit scheitern wegen der Gefahr des Vogelschlags immer mehr Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen. Ein funktionierendes Vogelradar, das nicht nur gefährdete Greifvögel vor Kollisionen schützt, hilft dem Naturschutz und der Energiewende in Deutschland.

Vogelradar wird auf Praxistauglichkeit getestet "Birdscan" weltweit erstmals in Windparkgelände installiert

Windräder sind ein wichtiger Teil der Energiewende. Für Vögel können sie jedoch eine tötliche Falle sein. Ein Stendaler Wildparkbetreiber hat zusammen mit Schweizer Spezialisten jetzt ein Vogelradar entwickelt.

Menschen verfolgen in einem Zelt eine Präsentation
In der Altmark ist am Donnerstag ein Vogelradar für Windkraftanlagen in den Probebetrieb gegangen. Das System mit dem Namen "Birdscan" wurde von einem Stendaler Windparkbetreiber gemeinsam mit Spezialisten aus der Schweiz entwickelt. Ziel ist es Naturschutz und Energiewende in Einklang zu bringen. Bildrechte: MDR/Hagen Tober
Menschen verfolgen in einem Zelt eine Präsentation
In der Altmark ist am Donnerstag ein Vogelradar für Windkraftanlagen in den Probebetrieb gegangen. Das System mit dem Namen "Birdscan" wurde von einem Stendaler Windparkbetreiber gemeinsam mit Spezialisten aus der Schweiz entwickelt. Ziel ist es Naturschutz und Energiewende in Einklang zu bringen. Bildrechte: MDR/Hagen Tober
Vogelradar-Anlage bei Osterburg
Bis Oktober werde das System jetzt von Experten begutachtet, sagte der Windparkbetreiber MDR SACHSEN-ANHALT. Begleitet werde der Feldversuch bei Osterburg im Landkreis Stendal von Naturschutzverbänden und dem Kompetenzzentrum "Naturschutz und Energiewende". Bildrechte: MDR/Hagen Tober
Kamera auf Mast
In dem Windpark wurde auf einem Gittermasten eine grüne Box sowie eine Kamera mit diversen Applikationen installiert. Der Vogelradar "Birdscan" soll verhindern, dass Greifvögel mit den Flügeln von Windrädern kollidieren. Bildrechte: MDR/Hagen Tober
Tafel mit Funktionsprinzip von Vogelradar
Fliegt ein Vogel in den Gefahrenbereich einer Windkraftanlage, dann erkennt "Birdscan" die Situation und schaltet innerhalb von 20 bis 30 Sekunden das Windrad ab. Bildrechte: MDR/Hagen Tober
Tafel mit Flügelschlagmuster
Das System erkennt laut Betreiber am Flügelschlag sogar, um welchen Vogel es sich handelt. Bildrechte: MDR/Hagen Tober
Zwei Monitore zeigen Kamerabilder
Seit 2014 tüftelt der Stendaler Windparkbetreiber gemeinsam mit einer Schweizer Firma an dem System. Wenn das Radar die Praxisanforderungen erfüllt, könnte es im Herbst ein Zertifikat bekommen. Bildrechte: MDR/Hagen Tober
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Über den Autor Hagen Tober begann seine Fernsehlaufbahn 1992 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Mitte der Neunziger sammelte der gebürtige Sachse weitere Erfahrungen beim NDR, dem ORB und dem SFB. Nach 15 Jahren Reportertätigkeit für das Auslandsfernsehen Deutsche Welle TV kam er 2013 wieder zurück zum MDR. Hier arbeitet Hagen Tober hauptsächlich im Bereich Fernsehen, aber auch für den Hörfunk und die Onlineredaktion. Seine Lieblingsorte in Sachsen Anhalt sind die Altmark, der Harz und die Flusslandschaften von Elbe, Saale und Unstrut.

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 16:33 Uhr

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9 Kommentare

13.04.2019 23:19 lummox 9

fast alles was der mensch zur energiegewinnung sich ausdenkt stellt eine gefahr für unsere evolutionsgenossen dar. so ist das in natur und technik, fressen und gefressen werden, es gibt keine beste der welten, irgendeiner hat immer das nachsehen. da nützen auch keine demos oder gebete. höchstens schadensbegrenzung, incl. kollateralschäden.

12.04.2019 19:00 Eulenspiegel 8

Hallo W. Merseburger 6
Mit eigentliche Bedrohung meinte ich das durch die Windräder, im Gegensatz zu anderen Gefahren, nicht die Gefährdung einer Art besteht.
Auch die Nutzung der Windenergie bringt Nachteile mit sich. Aber im Verhältnis zur Nutzung des Kohlestroms ist diese ja wohl fast nichts. Zumal die Betreiber der Windräder sich am meisten an diese toten Vögel stören. Denn sonst gäb es diesen „Birdscan" ja gar nicht.

12.04.2019 15:44 reiner202 7

Die Äußerung von Schwarzlose ist lachhaft. 20-30 Sekunden nach der Wahrnehmung schaltet das Windrad aus. Wie schnell ist der Greifvogel im Angriff?
Wahrscheinlich schneller.