Digitales Rathaus in Tangerhütte startet Brohm: "Einfach vom Sofa aus an einem Sonntag einen Hund anmelden"

Hundesteuer und Auto anmelden, Kitaplätze buchen und Gemeinde-Infos erhalten: Was vorher mit viel Papierkram verbunden war, soll jetzt digital mit Bürgerkonto funktionieren. Nach eigenen Angaben ist Tangerhütte die erste Kommune in Sachsen-Anhalt mit einem digitalen Bürgerservice. Ein Interview mit Bürgermeister Andreas Brohm über das neue Projekt, das bereits am Sonntag wegen der Corona-Krise gestartet ist.

Tangerhütte hat sein digitales Rathaus gestartet.
Tangerhütte hat ab sofort ein digitales Rathaus. Dort können Einwohner ein Bürgerkonto anlegen und Hunde, Kfz und Co. anmelden. Bildrechte: MDR/Collage/Katharina Häckl/Screenshot

Herr Brohm, Sie und Ihre Gemeinde Tangerhütte, sind heute mit dem digitalen Rathaus gestartet. Was ändert sich mit diesem Online-Service?

Andreas Brohm
Andreas Brohm, Bürgermeister der Gemeinde Tangerhütte Bildrechte: Andreas Brohm

Andreas Brohm: "Es führt zu Zeitersparnis, geht schneller und unkomplizierter von zuhause aus und kommt ohne den vielen Papierkram aus. Also: Die Idee ist, dass jeder Einwohner ein Bürgerkonto hat. Darüber kann er dann beispielsweise ein Kfz, seinen Hund oder ein Osterfeuer anmelden. Er kann einsehen, welche Leistungen er von der Kommune bekommt und wir können ihm wichtige Infos über seine Gemeinde direkt in sein Postfach schicken. Alles kompakt in diesem einen Konto. Auch Unternehmen können ein eigenes haben. Zum Beispiel kann die Feuerwehr Einsätze dort abrechnen.

Das digitale Rathaus

Einwohner der Einheitsgemeinde können sich ab sofort registrieren, um Leistungen der Verwaltung online zu nutzen. Dazu gehörten zum Beispiel Kita-Anmeldungen, Hundesteuer-Fragen oder die Anmeldung von Veranstaltungen. Angebot richte sich an Bürger, Unternehmen und Vereine. Somit gebe es in der Einheitsgemeinde etwa 10.000 potenzielle Nutzer, erklärte Brohm. Tangerhütte sei die erste Kommune in Sachsen-Anhalt und eine der ersten bundesweit, die über ein solches Portal verfüge.

Ursprünglich sollte das gemeinsam mit der Tangermünder Firma Innocon Systems GmbH entwickelte System später ans Netz gehen. Mit diesem Pilot-Projekt, für das der Kommune keine Kosten entstünden, werde Neuland beschritten, sagte der Geschäftsführer von Innocon Systems, Hagen Woecht. Mehr als 200 Formulare seien bereits hinterlegt. Das Angebot werde nach und nach ausgebaut.

Momentan ist es nämlich so, dass die Einwohner zum Rathaus kommen, da ein Formular ausfüllen, etwas anmelden und dann dauert es. Jemand aus der Verwaltung muss es ins System eintippen. Das fällt dann einfach weg. Uns ist wichtig, dass wir die direkte Kommunikation mit dem Bürger haben. Eigentlich wollten wir mit dem Projekt erst im zweiten Halbjahr starten, haben das Ganze wegen Corona aber vorgezogen, sind da vorgeprescht. Das gesamte Land Sachsen-Anhalt will das in Zukunft machen. Wir wollten die Chance der Stunde nutzen, wenn gerade viele für das Digitale offen sind und einfach anfangen."

Das bedeutet, dieses Angebot wird für das gesamte Land Sachsen-Anhalt möglich sein?

"Genau, es soll ein landesweites Konto geben. Das Finanzministerium Sachsen-Anhalt verwaltet dieses Konto. Es gibt das auch schon in einer Lite-Version online. Manche Funktionen sind noch nicht ganz fertig, es wird noch über manche Punkte diskutiert."

Und was ist mit den Menschen, die kein Internet haben oder nicht so sicher damit umgehen können?

"Letztendlich wird es so sein, dass wir Versammlungen machen, Leute treffen und ihnen das erklären, wenn das wieder möglich ist. Wir wollen einfach ein Verständnis dafür schaffen. Natürlich gibt es parallel auch das analoge Angebot. Aber in einer idealen Welt kommen wir dahin, dass möglichst viele das Bürgerkonto haben. Dass sie einfach vom Sofa aus an einem Sonntag einen Hund anmelden können. Und wir mit ihnen direkt über wichtige Themen, wie das Corona-Virus oder Straßensperren reden können.

Da ist noch viel mehr denkbar, was wir integrieren können. Zum Beispiel könnten wir an unsere Mitarbeiter darüber die Lohnzettel versenden. Das spart uns einen Tag Arbeit und viel Papier, wenn wir sie nicht ausdrucken und ihnen dann zukommen lassen müssen. Wir sind da total offen für weitere Ideen, wenn Bürger und Mitarbeiter merken, dass sich da noch andere Prozese mit vereinfachen lassen."

Die Interview-Fragen stellte Johanna Daher, Online-Redakteurin bei MDR SACHSEN-ANHALT.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir starten am Montag, 23. März mit einem neuen Newsletter: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. März 2020 | 13:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt