MDR-Umfrage Sterbehilfe: 60 Prozent der Deutschen würden tödliche Mittel in Anspruch nehmen

Sterbehilfe – ja oder nein? Diese Frage treibt immer wieder viele Menschen um. Nun zeigt eine neue repräsentative Umfrage im Auftrag von MDR SACHSEN-ANHALT: Die Mehrheit der Deutschen wollen über tödliche Medikamente verfügen, um ihrem Leben im Falle einer Krankheit ein Ende zu setzen – oder setzen zu lassen.

Eine Eichenalle bei Sonnenaufgang.
Rund 60 Prozent der Deutschen wollen im Falle einer schweren Krankheit über tödliche Mittel verfügen – oder sie verabreicht bekommen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/blickwinkel

In der Diskussion um Sterbehilfe können rund 60 Prozent der Deutschen sich vorstellen, ihrem Leben mit tödlichen Medikamenten ein Ende zu setzen – oder setzen zu lassen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für MDR SACHSEN-ANHALT. Knapp 35 Prozent wollen demnach über tödliche Mittel verfügen, um im Fall der Fälle selbstbestimmt zu sterben.

Ein Viertel aller Deutschen spricht sich dafür aus, aktiv Mittel zu bekommen, um zu sterben. Nur knapp sechs Prozent der Bundesbürger können sich das unter keinen Umständen vorstellen. Gut 16 Prozent der Deutschen möchten dazu keine Angaben machen.

Unterschiede zeigt die Umfrage bei der Religionszugehörigkeit der Befragten. Insgesamt sind gut 70 Prozent der Konfessionslosen offen dafür, tödliche Medikamente zu bekommen oder über sie zu verfügen. Unter den Protestanten würden das gut 50 Prozent befürworten. Bei den Katholiken sind es gut 44 Prozent.

Nur wenige Konfessionslose schließen Sterbehilfe aus

Rund 17 Prozent der Katholiken können sich dagegen nicht vorstellen, Sterbehilfe durch tödliche Mittel in Anspruch zu nehmen – und wollen auch keine lebensverlängernden Maßnahmen. Unter den Protestanten liegt dieser Wert bei etwa 14 Prozent, unter den Konfessionslosen bei rund acht Prozent.

Marginal sind dagegen die Unterschiede bei Alter und Geschlecht der Befragten. Die unterschiedlichen Altersgruppen zeigen ähnliche Meinungen zur Sterbehilfe. Am höchsten ist die Zustimmung zu aktiver Sterbehilfe bei den 30- bis 39-Jährigen. Am geringsten ist sie bei denen, die älter als 65 Jahre sind.

Sie haben suizidale Gedanken oder eine persönliche Krise? Die Telefonseelsorge hilft Ihnen! Sie können jederzeit kostenlos anrufen: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf. Auf der Webseite www.telefonseelsorge.de finden Sie weitere Hilfsangebote, zum Beispiel per E-Mail oder im Chat.

Informationen zur Umfrage-Methodik

Die genaue Fragestellung der bevölkerungsrepräsentativen Umfrage lautete: "Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe durch tödliche Mittel in Anspruch zu nehmen?", mit den Antwortmöglichkeiten "Ja, mir sollten aktiv Mittel gegeben werden", "Ja, ich möchte selbst über Mittel verfügen", "Nein, unter keinen Umständen", "Nein, aber keine lebensverlängernde Maßnahme" und "Nein, nur Beruhigungsmittel kurz vor dem Tod" und "Ich möchte dazu keine Angaben machen".

Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 7.511 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 Prozentpunkte. Der Befragungszeitraum war vom 29. August bis zum 12. September 2019.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! aus Magdeburg | 16. September 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2019, 18:57 Uhr

2 Kommentare

Lyn vor 9 Wochen

Sterbehilfe, ja, bitte!
Wenn ich nur noch dahin vegetiere, Kinder und Enkel nicht mehr erkenne, nicht mehr allein essen kann und 3 x am Tag werden die Windeln gewechselt und ich bin nur noch da um meine Umgebung in den Wahnsinn zu treiben und dafür, dass die Pharmaindustrie an mir verdient - dann, bitte, soll jemand so freundlich sein und diesen unwürdigen Zustand vorzugsweise schmerzfrei beenden.
Danke im Vorraus.

Kritiker vor 9 Wochen

Bei solchen Ergebnissen fragt sich nun noch: WANN WIRD ES ENDLICH LEGITIM Sterbehilfe zu leisten ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden? Es kann sich jeder vorstellen das zu pflegende Mitmenschen, welche wie Babys in Pflegeheimen behandelt werden müssen und selbst nicht mehr können sicher über eine Legitimierung der Sterbehilfe zufriedener sein würden als das wie es immer noch ist! Wer als Verwandte oder als Nachkommen dagegen ist das man seine pflegebedürftigen Angehörigen soll doch dann auch die vollen Kosten einer solchen Pflege allein übernehmen und schon wird auch sicher da wohl schnell ein Umdenken stattfinden! Wie viel zu pflegende Mitmenschen würde das Pflegepersonal dann wohl weniger haben und der Pflegenotstand sich nur noch auf leichter Fälle konzentrieren. Wobei dann sicherlich wohl das Fehlen von Personal nur noch eine geringere Rolle spielen würde! Das Gleiche würde auch für die Pflege in der Familie zutreffen.

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